Rudersberg

Bürgermeisterwahl: Bewerber präsentieren sich vor vollem Saal

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Bei der ersten Veranstaltung der Gemeinde zur Kandidatenvorstellung präsentierten sich Rüdiger Burkhardt (von links nach rechts), Raimon Ahrens und Stefan Walter. Neben ihm standen Gemeinderat Thomas Keller sowie der Erste Stellvertretende Bürgermeister Eberhard Layer. Weiterhin stellten sich die Bewerber Martin Herrmann, Relindis Pfisterer sowie Bernd Hegwer vor. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Die kurze Fragerunde nach der Kandidatenvorstellung wurde von den Zuhörern gern genutzt. © Ralph Steinemann Pressefoto

Rudersberg.

So voll war’s in der Gemeindehalle selten. Hunderte Rudersberger wollten sich von den sechs Bürgermeisterkandidaten einen Eindruck verschaffen. Diese setzten in je einer Viertelstunde Redezeit ihre Akzente. Ein Überblick zu den interessantesten Aussagen.

Martin Kaufmann jetzt OB in Leonberg

„Es freut mich sehr und ich bin überwältigt“, freute sich der Erste Stellvertretende Bürgermeister Eberhard Layer über den großen Zustrom der Besucher. Er moderierte den Abend, assistiert von Gemeinderat Thomas Keller. Er wachte über die Einhaltung der Redezeit der Kandidaten. „Früher als eigentlich geplant, stehen wir vor der Aufgabe, einen neuen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin zu wählen“, so Layer. Der bisherige Bürgermeister Martin Kaufmann war in Leonberg zum Oberbürgermeister gewählt worden.

AfD-Mitglied will Parteiarbeit ruhen lassen

Die Kandidaten für seine Nachfolge präsentierten sich gemäß der Reihenfolge der Bewerbungen. Rüdiger Burkhardt machte den Auftakt. Der Fachbereichsleiter im Landratsamt und Mitglied der AfD berichtete, er habe nach dem Abitur acht Monate in Afrika verbracht. „Ich kenne daher die afrikanischen Verhältnisse und kann gut nachvollziehen, nach Europa zu flüchten.“ Burkhardt berichtete vom Engagement in der AfD, betonte aber, er bewerbe sich parteiunabhängig. Falls er Bürgermeister werde, lasse er die Parteiarbeit ruhen.

Zu örtlichen Themen sagte Burkhardt mit Blick auf transparente Entscheidungen, der L-Damm sei gegenüber dem Querdamm transparent entschieden. „Ein Ausgleich an die Oberndorfer dafür, dass ihre Gemarkungsfläche massiv mit einem Damm und mit Überflutungsfläche belastet wird, ohne irgendetwas vom Hochwasserschutz zu haben, der ja nur in Rudersberg und Schlechtbach wirkt, ist noch nicht erfolgt.“

Burkhardt hält Durchfahrtsverbot für Lkw für nicht wahrscheinlich

Zum Verkehr sagte Burkhardt: „Die Gemeinde hat sich vor zehn Jahren gegen eine Umgehung entschieden und hat seither in den Ortsdurchfahrten vieles zur Verkehrsberuhigung umgesetzt.“ Diese Wege wolle er fortsetzen. Aber: Derzeit mache ein Lkw-Durchfahrtsverbot für Lkw, die größer als zwölf Tonnen sind, auf einer klassifizierten Landesstraße keinen Sinn. Bisher habe das Land dies bei jeder Gemeinde abgelehnt und werde auch bei der Einzel-Gemeinde Rudersberg kein Exempel statuieren. Im politischen Raum müsse man das Thema weiter mit Nachdruck voranzubringen.

Ahrens ist im Korber Rathaus Personlachef von 160 Mitarbeitern

Raimon Ahrens ging den Fragen „Was steht da oben für ein Mensch? Kann der was? Und warum soll ich den wählen?“ nach. Der 28-Jährige zeichnete seinen Lebenslauf mit Verwaltungsstudium und dem Aufstieg bei der Gemeinde Korb nach, wo er Leiter des Haupt- und Ordnungsamts ist. Er sei Personalchef für die rund 160 Mitarbeiter der Gemeinde und trage Verantwortung für die Sachgebiete Kinder, Bildung und Schule, Ordnungsrecht, Personal, Bürgerservice und Soziales sowie Ehrenamt, Kultur und Gemeinderat. „Isch der net z’jung?“, fragte er rhetorisch. „Trotz meines jungen Lebensalters kann ich bereits auf mehr als fünf Jahre Führungserfahrung in der Kommunalverwaltung zurückblicken.“

Rudersberg stehe gut da, habe viel Potenzial. Es gebe Aufgaben, die man anpacken könne. Als besonders relevante Themen nannte der Bewerber etwa die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, den Ausbau einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung, Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten, Stichwort Verkehr: Als Bürgermeister will sich Ahrens für ein Lkw-Durchfahrtsverbot ab zwölf Tonnen einsetzen.

Martin Herrmann: Der größte Schatz sind die Kinder

„Vor Ihnen steht nun also Martin Herrmann. Seit über 20 Jahren in Rudersberg heimisch, konnte ich hier meinen Lebenstraum mit meiner Familie auf dem Kirschhaldenhof verwirklichen“, stellte sich Martin Herrmann vor. Mit 54 Jahren sei er jung genug, aber lebenserfahren, „um diese Aufgabe mit einer Perspektive zu übernehmen, die über eine Wahlperiode hinausgeht“.

„Der größte Schatz der Gemeinde sind Kinder, die Jugend“, hielt Herrmann fest. „Es ist mir deshalb ein besonderes Anliegen, dass Bildung unserer Kinder und Jugendlichen eine zentrale Bedeutung im kommunalen Handeln erhält.“

„Rudersberg ist umgeben von wunderbarer Natur, aber wir müssen pfleglich mit ihr umgehen“, so der Kandidat. Der Ort solle eine glyphosatfreie Gemeinde werden. Zum Verkehr sprach sich Herrmann gegen eine Umgehungsstraße aus. „Wir müssen aber die Verkehrsbelastung unserer Gemeinde reduzieren, den Verkehr in allen Ortsteilen entschleunigen.“ Er will mit Allmersbach und Schorndorf ein überregionales Lkw-Durchfahrtsverbot erreichen. Herrmann ist Stellvertretender Geschäftsführer und Justiziar beim Arbeitgeberverband für den Gartenbau in Baden-Württemberg und zeigte sich überzeugt, sich in die Aufgaben des Bürgermeisters rasch einzuarbeiten.

Stefan Walter: Rudersberg ist meine Heimat geworden

Stefan Walter erläuterte, „was hinter der Vision steht, dass wir uns gemeinsam für ein lebendiges Rudersberg einsetzen“. Er ist CDU-Mitglied, verstehe das Amt des Bürgermeisters überparteilich und sei „gewohnt, tagtäglich überparteiliche Kompromisse zu finden, denn meine Frau ist in der FDP aktiv“, so Walter. „Rudersberg ist meine Heimat geworden, und hier liegt die Zukunft für mich und meine Familie.“

Der studierte Betriebswirt arbeitet für eine private Krankenkasse. „Das unternehmerische, lösungsorientierte Denken und meine Managementerfahrung will ich auch in die Verwaltung einbringen.“ Aber auch die in der Kommunalpolitik gewonnene Praxis als Bezirksbeirat in Stuttgart-Ost. Er verwies auf Erfahrung im Ehrenamt, als Besitzer eines Streuobststückles, als Pendler sowie als Einwohner von Rudersberg. „Mein Ziel ist, und daran möchte ich mich in acht Jahren messen lassen, dass das innere Miteinander weiter gestärkt wird, das Engagement noch größer wird und wir gerade die junge Generation gewinnen, sich in Rudersberg auch ehrenamtlich einzusetzen“, sagte Walter. Er sprach sich unter anderem für starke Familien, die Belange von Senioren sowie Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort aus.

Relindis Pfisterer ist für mehr Bürgerbeteiligung

Relindis Pfisterer erklärte in ihrer Rede die Bedeutung ihres Namens. „Relindis bedeutet im Althochdeutschen milder Rat.“ Im Gemeinderat und der Verwaltung wolle sie diesen umsetzen. Die Diplom-Betriebswirtin hat das Studienzentrum der Fernuniversität Hagen in Schwäbisch Gmünd geleitet. Derzeit arbeitet sie auch als Bildungsreferentin bei der Akademie Ländlicher Raum. „Aus dieser Tätigkeit sind mir die Handlungsfelder und Herausforderungen einer ländlich geprägten Gemeinde bestens vertraut.“ Die 55-Jährige lebt mit ihrem Mann in Steinenberg. Sie engagiert sich unter anderem für den Förderverein einer Vereinigung berufstätiger Frauen in Schwäbisch Gmünd und ist parteilos.

„Ich möchte als Bürgermeisterin für Rudersberg Positives bewirken“, versicherte Relindis Pfisterer. Sie sprach sich für mehr Bürgerbeteiligung, einen Jugendgemeinderat, eine europäische Partnerstadt sowie nachhaltige Wirtschaftsförderung und Breitbandausbau aus. „Bei der Siedlungsentwicklung sollten wir begreifen, dass die Natur unsere Lebensgrundlage ist.“

Es gelte, Möglichkeiten für bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Generationenwohnraum, betreutes Wohnen und Unterstützungsangebote zur ambulanten Pflege könnten durch einen zu gründenden Nachbarschaftshilfeverein vorangetrieben werden“, sagte Pfisterer unter anderem. Die Ortschaftsräte und die unechte Teilortswahl will sie nicht infrage stellen.

Bernd Hegwer: aus der Gemeinde eine Gemeinschaft machen

Auch Bernd Hegwer stellte sich vor. In kariertem Hemd und Jeans, sprach er nahezu frei. Der gebürtige Dresdener, Jahrgang 1964, lebt seit langem in Schlechtbach. „Ich weiß ein bisschen Bescheid, ich kenne ein paar Leute.“ Er sei alleinerziehender Vater von zwei Töchtern gewesen. „Auch das habe ich überlebt.“ Durch die Kinder habe er Kontakt zur Schule bekommen, war im Elternbeirat, bei Gemeinderatssitzungen. „Ich habe gedacht, ich war im falschen Film“, sagte er zu Letzteren.

Es gehe darum, „aus der Gemeinde eine Gemeinschaft zu machen“. Alle Teilorte haben die gleichen Rechte, sagte Hegwer. Sie fühlten sich oft nicht verstanden. „Es wird nicht oft genug miteinander gesprochen. Wir müssen einfach irgendwie zusammenfinden. Das geht nur, wenn wir miteinander reden.“ Hegwer sprach sich unter anderem für eine ausgeglichene Gesellschaft aus und dafür, Menschen und Familien zu unterstützen, die ein geringes Einkommen haben. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, ergänzte er. Und: „Die Lebensqualität ist bei der Ansiedlung von Gewerbe zu beachten.“ Das habe nicht immer so geklappt.

Zum Verkehr sagte er zu Äußerungen, man brauche keine Umgehungsstraße, so viel Verkehr sei es nicht: „Ich weiß nicht, wo die Leute leben.“ Es werde nicht weniger Verkehr. „Ein Lkw-Durchfahrtsverbot wird nicht einfach durchzusetzen sein.“


Ortskern attraktiver

Auf die Kandidatenvorstellung folgte eine Fragerunde. Gefragt wurde etwa, wie die Bewerber den Ortskern attraktiver machen wollen, so dass man mehr zu Fuß einkaufen kann. „Dass Läden verschwinden, hat den Grund, dass keiner reingeht und einkauft“, so Bernd Hegwer. Die Gemeinde könne für private Geschäftstüchtige Rahmenbedingungen schaffen. „Dass sie bleiben, dafür sind wir selber zuständig.“ Rüdiger Burkhardt setzte auf eine Marktanalyse mit dem HGV, Einkaufskonzept, Beschilderung und Vermarktung. Raimon Ahrens sprach sich für Parkkonzept und Einzelhandels-Potenzialanalyse aus. Stefan Walter betonte die Parkplatzfrage, auch mit Blick aufs Rathaus-Areal, und sah Möglichkeiten über das Internet. Martin Herrmann würde einen Unternehmerrat einrichten, eine Bedarfsanalyse durchführen und wies auf die Bedeutung des Autos hin. Relindis Pfisterer schlug einen Runden Tisch mit dem HGV vor, ein bedarfsgerechtes Konzept und mehr Events im Ortskern.


Nächste Gelegenheit

Die Gemeindehalle war proppenvoll. Viele Zuschauer verbrachten den Abend stehend. Wegen des Brandschutzes musste die Halle schließlich geschlossen, rund 50 Besucher mussten heimgeschickt werden. Am heutigen Mittwoch, 10. Januar, folgt die nächste Kandidatenvorstellung der Gemeinde im Bürgerhaus Schlechtbach. Sie beginnt um 19.30 Uhr.