Rudersberg

Booster-Impfungen gegen Corona: Hausärzte können die Nachfrage nicht bewältigen

CornaHausarzt
Dr. Philipp Höschele und sein Praxisteam in Steinenberg und Welzheim haben derzeit viel Arbeit, nicht nur für die Corona-Impfungen. © Gaby Schneider

„Wir schaffen das nicht“ – die Aussage von Klaus-Dieter Völzke ist glasklar und ernüchternd. „Wenn die Politik sich nicht überlegt, wieder Impfzentren einzurichten, dann kommen wir mit dem Impfen nicht hinterher“, sagt der Plüderhäuser Arzt. Ähnlich sieht Dr. Philipp Höschele aus der Hausarztpraxis in Steinenberg die Lage. Das Arbeitspensum sei sogar noch größer als auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie. „Wir können die Nachfrage derzeit nicht bedienen.“ Dabei halten die Ärzte die Corona-Auffrischimpfung für absolut sinnvoll.

Die Medizinische Fachangestellte Bianca Gläser wird noch deutlicher als ihr Chef. Sie bezeichnet die Lage als „Katastrophe“, pausenlos klingle das Telefon, oft ziehe man sich den Unmut der Leute zu, die nicht sofort wie gewünscht einen Impftermin bekämen. Die Steinenberger Praxis ist mit ihrer Filiale in Welzheim zusammen die größte Hausarztpraxis im Kreis. Mit hohem Einsatz bewältigen sie dort gerade um die 200 Impftermine in der Woche, vor allem mit den Drittimpfungen (Booster-Impfungen). Das ist enorm, aber reicht längst nicht, um die Nachfrage abzuarbeiten: „Wir haben pro Tag derzeit mindestens 100 Neuanmeldungen für die Impfung“, sagt Philipp Höschele. Schon jetzt stehen mehr als 400 Menschen auf der schnell wachsenden Warteliste für einen Impftermin.

„Wie lange kann man das Pensum halten, ohne dass man verschleißt?“

„Wir versuchen, das Pensum weiter auszubauen“, sagt Philipp Höschele. Viel Luft nach oben sei aber nicht mehr. Und: „ Es ist die Frage: Wie lange kann man das Pensum aufrechterhalten, ohne dass man Mitarbeiterinnen verschleißt?“ Denn das alles gehe nur mit der Bereitschaft, Überstunden zu machen oder auch mal außer der Reihe samstags zu arbeiten, die derzeit glücklicherweise noch voll da sei.

Tatsächlich haben die Hausarztpraxen in Steinenberg und Welzheim in der Hochphase der Impfkampagne sogar noch mehr Impfungen in der Woche weggeschafft. Damals sei das möglich gewesen, weil der normale Praxisalltag auf Sparflamme gelaufen sei, sagt Philipp Höschele. Jetzt sei aber wieder Normalbetrieb, die Menschen kämen zu Vorsorgeuntersuchungen und mit verschiedenen Infekten. „Allein die Infektionssprechstunde ist ein logistischer Riesenaufwand“, sagt Höschele.

„Wir machen gerade knapp 50 PCR-Tests am Tag. Wir kommen da auch räumlich an Grenzen, nicht nur personell.“ Man erlebe viele positive Corona-Fälle. Davon weise man deutlich mehr Patienten in eine Klinik ein als noch im vergangenen Winter, weil sie schwer erkrankt seien. Höschele erklärt sich das mit den neuen Virus-Varianten, die für schwerere Verläufe der Krankheit sorgen. Aber: „Das sind eigentlich fast ausnahmslos Ungeimpfte.“

Impfdurchbrüche kein Grund, sich nicht impfen zu lassen

Klar, es komme schon auch vermehrt zu Impfdurchbrüchen, sagt Klaus-Dieter Völzke, der mit seinem Kollegen Dr. Frederik Häußermann in Plüderhausen in der Praxis arbeitet. Das liege an den neueren Virus-Varianten, deswegen seien ja die Auffrischimpfungen wichtig. Aber in der Regel würden Erst- und Zweitimpfung trotzdem in hohem Maße vor schweren Verläufen schützen. Die Impfdurchbrüche seien jedenfalls kein Grund, sich nicht impfen zu lassen. Völzke ist auch überzeugt: Das Risiko von Impfkomplikationen, das manche fürchten, ist deutlich niedriger als das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer ungeschützten Corona-Erkrankung – „auch bei Jüngeren, wobei ich die Kinder jetzt mal rausnehme“. Der Arzt betont: „Ganz klare Impfempfehlung. Ich habe bisher keinen anderen Vorschlag gehört, wie wir sonst rauskommen wollen aus der Corona-Krise.“

In der Plüderhäuser Hausarztpraxis bewältigen die Ärzte Häußermann und Völzke mit ihrem Team derzeit 60 bis 70 Impfungen pro Woche. Wenn die Politik fordere, dass nach sechs Wochen jeder bereits Geimpfte eine Auffrischimpfung bekommen solle, also auch die Jüngeren – „das können wir nicht leisten“, sagt Klaus-Dieter Völzke. Ohne Wiedereröffnung der Impfzentren funktioniere das nicht. Das ist aber nicht geplant, Landrat Richard Sigel hält davon nichts. Mobile Impfteams sollen stattdessen das Impfangebot der Ärzte ergänzen.

Zwei Wochen Wartezeit auf einen Impftermin

Philipp Höschele hält es zusätzlich für wichtig, dass möglichst viele Arztpraxen wieder mitimpfen. Einige hätten das Impfen wegen des hohen Aufwands eingestellt. Zwischenzeitlich habe man ja auch kaum noch Nachfrage nach Terminen gehabt. „Im Spätherbst hatten wir viele Kapazitäten zum Impfen“, sagt Höschele. Nachdem die Booster-Impfungen angezogen hätten, würden diese nun etwa 80 Prozent der Anfragen ausmachen, 20 Prozent seien für Erstimpfungen. Etwa zwei Wochen müsse man in seiner Praxis derzeit auf einen Impftermin warten. Priorisiert nehmen die Hausärzte gemäß der Stiko-Empfehlung derzeit vor allem die über 70-Jährigen, Menschen mit Vorerkrankungen und Menschen, die in medizinischen Einrichtungen oder Pflegeheimen arbeiten, dran. Generell sei die Auffrischimpfung aber für alle sinnvoll, das würden alle Daten zeigen, sagt Philipp Höschele. Auch er beruhigt aber diejenigen, die jetzt noch nicht zu den priorisierten Gruppen gehören: „Wenn Sie zwei Impfungen haben, ist das Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit weiterhin sehr gering.“

„Wir stehen gefühlt wieder am Anfang. Das ist das, was langsam zermürbt“

Sein Praxisteam, sagt Höschele, sei nach wie vor hoch motiviert und voll einsatzbereit, das hohe Arbeitspensum zu leisten. Aber eine gewisse Frustration sei schon auch da. „Das Schlimme ist, man hat bei der letzten Corona-Welle gedacht: Da müssen wir jetzt durch, und dann haben wir es geschafft.“ Aber: „Das ist nicht der Fall. Wir stehen gefühlt wieder am Anfang. Das ist das, was langsam zermürbt.“

„Wir schaffen das nicht“ – die Aussage von Klaus-Dieter Völzke ist glasklar und ernüchternd. „Wenn die Politik sich nicht überlegt, wieder Impfzentren einzurichten, dann kommen wir mit dem Impfen nicht hinterher“, sagt der Plüderhäuser Arzt. Ähnlich sieht Dr. Philipp Höschele aus der Hausarztpraxis in Steinenberg die Lage. Das Arbeitspensum sei sogar noch größer als auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie. „Wir können die Nachfrage derzeit nicht bedienen.“ Dabei halten die Ärzte die

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