Rudersberg

Der Cohn, der einmal Kaufmann war

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Martin Georg Cohn heißt dieser Mann jetzt, nicht mehr Martin Kaufmann. © ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Rudersberg/Leonberg. Nein, der Mann, der einmal Martin Kaufmann war, hat nicht geheiratet, wie sein Namenswechsel hätte vermuten lassen. Der ehemalige Rudersberger Schultes und jetzige Oberbürgermeister von Leonberg hat sich jetzt ganz offiziell von seinem Nachnamen getrennt.

„Kaufmann“ sei nämlich weder der Name seines Vaters noch der Geburtsname seiner Mutter gewesen. Es handelt sich um den Namen des ehemaligen Mannes seiner Mutter. Den hatte sie geheiratet, als ihr Sohn Martin gerade mal drei Jahre alt war. Kurz vor der Einschulung nahm der Junge den Namen „Kaufmann“ an. Damals, in den beginnenden 70er Jahren, war’s für alle Beteiligten noch leichter, wenn alle Familienmitglieder den gleichen Namen trugen.

Neuer Name nach dem Geburtstag

Warum er sich jetzt davon trennte? In einem Interview mit Thomas K. Slotwinski von der Leonberger Kreiszeitung antwortet Martin Georg Cohn jetzt: „Das war so eine Gesamtgemengelage. Ich hatte dieser Tage Geburtstag. Da passt es, das neue Lebensjahr mit dem neuen, also alten Namen zu beginnen.“

Außerdem werde er immer wieder darauf angesprochen, ob er mit diesem oder jenem Kaufmann verwandt sei. In solchen Momenten werde ihm klar, dass die „Kaufmanns“ gar nicht seine Wurzeln seien.

Ein Versprechen an den Großvater

Zudem habe er das Stammbuch seiner Familie aus dem 19. Jahrhundert bekommen. Von da an habe er sich mit seinen Wurzeln beschäftigt. „Und je mehr ich das getan habe, desto weniger habe ich mich als „Kaufmann“ gefühlt“, fügt er hinzu. Dazu habe er sich in diesem Zusammenhang an ein Versprechen erinnert, dass er seinem Großvater Georg gegeben habe. Der hatte ihn nämlich gebeten, den Familiennamen „Cohn“ weiterzuführen. Ob er wegen seines Großvaters auch den Zweitnamen „Georg“ führe? „Nicht nur“, so die Antwort. „Sowohl mein Großvater als auch der Urgroßvater hießen Georg. Sogar meine Mutter. Na gut, die heißt Georgina.“

Jetzt also habe er endlich wieder seinen Geburtsnamen Cohn, konstatiert der Leonberger Kollege im Interview. „Nein, nicht ganz. Ich wurde unter dem Namen Kühn geboren“, so der gebürtige Westfale. Wie das nun zusammengehe? „Meine Familie hat jüdische Wurzeln und hat aus Angst vor Verfolgung 1931 ihren Namen von Cohn in Kühn geändert.“ Der jetzige Namenswechsel sollte ein konsequenter sein. Drum also Cohn. Ein wunderbares Gefühl sei es, nun endlich den ursprünglichen Namen seiner Familie zu tragen.

Inzwischen habe er sich bereits an seinen neuen Namen gewöhnt, lediglich beim Unterschreiben müsse sich der Leonberger Oberbürgermeister noch konzentrieren. Ob er mit dem Namenswechsel alte Brücken abbrechen wolle, haben wir bei Martin Georg Cohn telefonisch nachgefragt. „Nein, keinesfalls“, so die klare Antwort. Er sei auch noch immer ganz der Alte, nur eben mit einem neuen Namen. „Ich fühle mich einfach wohler mit dem familiären, genetischen Bezug.“