Rudersberg

Ein Abschied steht an, und ein Neuanfang

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Martin Kaufmann wird Oberbürgermeister in Leonberg. © Sarah Utz

Rudersberg. Der Sonntag war nicht der Tag der SPD, außer in Leonberg. Dort hat Martin Kaufmann auf Anhieb die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Dass die Wahl gleich so eindeutig ausfallen würde, hat auch in Rudersberg überrascht. Hier wird nun ein neuer Bürgermeister gesucht. Ein Abschied steht an, und ein Neuanfang: wie die Fraktionsvorsitzenden darüber denken.

„Ich habe eigentlich mit einem zweiten Wahlgang gerechnet“, sagt Manfred Pokorny von der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Dass das Votum eindeutig ausfiel, ist auch für Rudersberg von Vorteil. „Wir haben 14 Tage gewonnen“, meint Pokorny mit Blick auf den Zeitplan für eine Neuwahl.

Blick auf die Bewerberlage

Den Wahlerfolg gönnt der SPD-Mann dem Sieger. „Er hat es meines Erachtens richtig gemacht. Wenn er weiterkommen will, ist das seine letzte Chance“, findet Pokorny zur Kandidatur in Leonberg und nimmt’s auch nicht übel, dass Kaufmann vor seiner Wiederwahl erklärt hatte, er wolle die acht Jahre in Rudersberg bleiben.

„Jetzt muss man sehen, wie die Bewerberlage ist“, wendet sich Pokorny der anstehenden Neuwahl zu. Man höre sich schon um, aber durch die Teilortsstruktur sei Rudersberg keine ganz einfache Gemeinde, weiß der SPD-Rat. Ein Neuling komme da nicht infrage. Kommunalpolitische Erfahrung solle der Bewerber schon mitbringen.

„Sehr zufrieden mit dem, was geleistet wurde“

Zehn Jahre hat Martin Kaufmann in Rudersberg gewirkt. Was bleibt? „Die Gestaltung der Ortsdurchfahrt wird überwiegend positiv aufgenommen“, das Schulzentrum wurde saniert, zählt Pokorny auf, „man hat schon sehr viel gemacht“. Er ist „sehr zufrieden mit dem, was geleistet wurde“.

Auch Eberhard Layer wurde von der Entscheidung schon im ersten Wahlgang etwas überrascht. Er hat dem Wahlsieger inzwischen bereits gratuliert. „Es schlagen schon zwei Herzen“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende. Zum einen sei da die „menschliche und leistungsmäßige Anerkennung“ für den Erfolg im ersten Wahlgang.

Die andere Seite sei, „dass wir einen Bürgermeister verlieren, mit dem wir gern noch weiter gearbeitet hätten“. Auch Layer hat Verständnis dafür, dass Martin Kaufmann in Leonberg kandidiert, die Herausforderung angenommen hat. „Menschen mit Ehrgeiz sind mir sympathisch.“

„Rudersberg ist keine so unattraktive Gemeinde“

In der Übergangszeit nimmt Eberhard Layer viele Aufgaben als Stellvertretender Bürgermeister wahr. Und dann muss ein neuer Rathauschef gewählt werden. „Rudersberg ist keine so unattraktive Gemeinde“, sagt der CDU-Rat und geht von interessierten Bewerbern aus. Man werde sich umhören nach Kandidaten „zum Wohle der Gemeinde“, unabhängig von einer Partei.

Zusammenfassend sagt Layer zur Amtszeit von Martin Kaufmann: „Er ist ein engagierter Bürgermeister, der immer wieder nach Positionen sucht zur Verbesserung der Infrastruktur.“ Kaufmann habe sich, so Layer, als unruhig und ungeduldig bezeichnet. „Das würde ich letztlich auch, aber nicht im negativen Sinne. Manchen ging es vielleicht auch ein bisschen zu schnell. Insgesamt bleibt ein positives Ergebnis.“

Die Bürgermeisterstelle muss zeitnah ausgeschrieben werden

Gerhard Birzele von den Freien Wählern freut sich für Martin Kaufmann über seinen Erfolg in Leonberg. „Da kann man ihn beglückwünschen.“ Gut sei’s, dass keine Stichwahl nötig ist. Nicht zuletzt für Rudersberg. „Es ist auch für uns gut, dass man weiß, woran man ist.“

Dass Kaufmann nun seine zweite Amtszeit nicht in Rudersberg vollenden wird, dafür hat der Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende doch gewisses Verständnis, auch wenn es Kaufmann einst anders angekündigt hatte. „Wenn er noch etwas machen will, muss er es jetzt machen.“ Nun müsse die Bürgermeisterstelle zeitnah ausgeschrieben werden. „Es sind sicher Kandidaten da, die sich bewerben.“

„Es hätte schlechter laufen können“

Wie schätzt Gerhard Birzele Kaufmanns Jahre in Rudersberg ein? „Er hat einiges bewegt für Rudersberg.“ Es gebe natürlich auch viele begonnene Dinge, die nicht zu Ende geführt seien, nicht alles sei gut gelaufen. Aber, meint Birzele ganz schwäbisch: „Es hätte schlechter laufen können.“

Auch Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger) hat natürlich die Wahl in Leonberg verfolgt. „Ich persönlich freue mich über das Ergebnis.“ Es sei eine Besonderheit, dass es auf Anhieb geklappt habe.

Bogusch vermutet, dass Kaufmann die Kandidatur in Leonberg schon länger geplant habe. Er sei ihm aber, versichert der Rudersberger-Bürger-Rat, in keiner Weise böse, es spiele keine Rolle. Wichtig sei nun, „dass wir ganz, ganz schnell die Regularien in Bewegung setzen“, so Bogusch. Eventuelle Bewerber hätten sich bereits durch das Presseecho auf die Kandidatur Kaufmanns Gedanken gemacht. „Es gibt eine inhaltliche und eine menschliche Komponente. Bei der menschlichen Komponente ist mir ein Neuanfang recht.“

In sachlicher Sicht ergänzt er, es gebe einen Entscheidungsstau, man habe schon länger gewisse Dinge angemahnt.


Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung bei der Oberbürgermeisterwahl in Leonberg lag am Sonntag bei 68,3 Prozent