Rudersberg

Grundschule Schlechtbach vor großen Umbrüchen: Welche Ideen Rektorin Silke Olbrich hat

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Silke Olbrich wollte immer Lehrerin werden, ist aber erst auf Umwegen im Schuldienst gelandet. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wenn Silke Olbrich über ihren Beruf spricht, wird schnell klar, dass er für sie mehr als nur eine Arbeit ist. Lehrerin zu sein, das ist für die 59-Jährige vielmehr eine Berufung. Sie sagt: „Das ist der schönste Beruf, den es gibt.“ Dass sie jetzt sogar Schulleiterin der Schlechtbacher Grundschule wurde, war auf ihrem Lebensweg allerdings zunächst überhaupt nicht vorgesehen. Denn Olbrichs Werdegang war alles andere als gerade. Und vielleicht ist sie deshalb auch genau die Richtige für diesen Job.

Der lange Weg der Silke Olbrich bis zum offiziellen Lehramt

Die Schorndorferin kommt nämlich, wie sie selbst berichtet, „aus schwierigen Verhältnissen“. Deshalb habe sie auch kein Abitur machen können, sondern nach dem Realschulabschluss einen Beruf erlernen müssen. Dabei wollte Silke Olbrich schon als Grundschülerin eigentlich Lehrerin werden, hatte mit Ursula Kamps und Frieder Stöckle auch zwei Pädagogen als Vorbilder, die dafür sorgten, dass sie immer gerne in die Schule gegangen sei.

Doch, so war es der Wunsch der Familie, wurde sie zunächst kaufmännisch-medizinische Assistentin – erst am Katharinenhospital, dann in einer orthopädischen Praxis in Schorndorf. Als sie schließlich ein Kind adoptierte, wurde sie Elternvertreterin am Burg-Gymnasium. Und als dort die Stelle der Schulsekretärin frei wurde, bewarb sie sich spontan darauf. Zehn Jahre lang war sie dort tätig. „Aber eigentlich wollte ich immer Lehrerin werden“, sagt Olbrich.

Seit 2003 war sie am Schulzentrum Rudersberg tätig

Mit 38 Jahren wagte sie schließlich diesen Schritt und machte eine zweijährige Fachlehrerausbildung in Schwäbisch Gmünd. 2003 trat sie dann eine Stelle am Schulzentrum in Rudersberg an – und fühlte sich endlich beruflich angekommen. „Da konnte ich mich entfalten und alle Schularten kennenlernen“, berichtet sie.

Nicht nur im Unterricht: Die sportlich engagierte Schorndorferin, die bei der SG Abteilungsleiterin Sportabzeichen ist, machte ihre private Leidenschaft schließlich zur Profession. Zehn Jahre lang leitete sie das Regionalteam Sport beim Schulamt in Backnang, organisierte dabei unter anderem Fortbildungen, stellte Bildungspläne vor, beriet Schulen, wie sie einen Bewegungsschwerpunkt einrichten können, und war vermittelnde Stelle zwischen Vereinen, Sportbünden und Schulen.

Knapp 100 Schüler besuchen die Grundschule

Weil auch am Schulzentrum Fachkräftemangel herrschte, war sie dann fünf Jahre lang auch Klassenlehrerin – etwas, das für eine Fachlehrerin nur in Ausnahmefällen möglich ist. Doch Olbrich wollte genau das und besuchte nebenher einen Aufstiegslehrgang. Seit zwei Jahren darf sie sich jetzt offiziell Lehrerin nennen. „Und da war mir klar: Jetzt will ich auch Schulleiterin werden.“ Als dann die Stelle in Schlechtbach frei wurde, bewarb sie sich darauf. Seit Beginn des Schuljahrs ist sie dort nun Rektorin und zuständig für knapp 100 Schüler, vier Klassenlehrer und zwei Fachlehrer sowie Pfarrer Martin Stober, der dort als Religionslehrer tätig ist.

Eine „bodenständige Schule“ sei das, sagt Olbrich „mit einer guten Mischung“, außerdem „dankbaren Schülern und dankbaren, sehr engagierten Eltern“. Eine, die „gut funktioniert“, wo es für sie aber immer noch viele Gestaltungsmöglichkeiten gebe. Ihre Vorgängerin Sonja Link habe hierfür „eine gute Basis gelegt“.

Wie sich in den kommenden Jahren die Grundschule neu ausrichten wird

Zu tun gibt es an der Grundschule in den kommenden Jahren nämlich eine ganze Menge. Zum einen findet in Schlechtbach bislang keine Ganztagesbetreuung statt. Darauf wird es aber ab dem Jahr 2026 einen Rechtsanspruch geben. Zugleich stehen in Schlechtbach Maßnahmen zur Ortskernsanierung an, die auch den Bereich rund um die Schule betreffen.

Ein Umbau steht also an – und Silke Olbrich hat auch schon eine Reihe von Ideen, wie dieser aussehen könnte. Der Schulleiterin schwebt eine Aufstockung des gegenüberliegenden Kindergartens, der auch von der Schule genutzt wird, vor. Beide Gebäude könne man dann mit einem Steg verbinden. Die künftige Mensa würde sie zudem auf Stelen bauen, so dass der Pausenhof nicht verkleinert werden muss.

Schulgebäude soll in Quartiersentwicklung miteinbezogen werden

Wichtig für Olbrich wäre, dass die Schule in eine generelle Quartiersentwicklung miteinbezogen wird. Warum sollen die Klassenräume etwa künftig nach dem Unterricht leerstehen? Hier könnten sich etwa Senioren treffen, findet die 59-Jährige, die in der Schule nicht nur einen Lern-, sondern auch einen Lebensraum sieht.

Zudem möchte die Rektorin gerne eine Stelle für Schulsozialarbeit und ein Freiwilliges Soziales Jahr schaffen. „Pädagogisch brauchen wir ganz dringend jemand“, sagt sie. Angehen will sie das Thema Vereine und Schulen. Aufbauen kann sie in Schlechtbach dabei auf die bereits bestehenden Kooperationen mit den Ringern vom ASV und der Tennisabteilung des TSV Schlechtbach. Olbrich plant darüber hinaus die Einführung eines Handball-Aktionstags.

Außerdem hat sich der Lions Club kürzlich bei ihr gemeldet. Der Wohltätigkeitsverein würde gerne das Präventionsprojekt „Klasse 2000“ unterstützen und die Patenschaft übernehmen. Dieses Projekt hat die Gesundheitsförderung sowie die Sucht- und Gewaltprävention zum Thema.

Eine Teamplayerin, keine Chefin will Olbrich sein

Auch der kompetente Umgang mit Medien soll künftig verstärkt an der Schule eine Rolle spielen. Die Anschaffung von 100 Tablets ist bereits geplant.

Gemeinsam mit dem Jugendhaus soll demnächst der Pausenhof verschönert werden. Die Farbe ist schon gekauft.

Seitens der Verwaltung stoße sie mit ihren vielen Ideen auf offene Ohren, berichtet Olbrich, die für die SPD im Schorndorfer Stadtrat sitzt. Auch das Kollegium sei offen für Neues. Dabei versteht sie ihre Rolle nicht zuvorderst als Chefin, sondern als Teamplayerin, betont sie. Aufgrund ihres eigenen, nicht immer ganz geraden Wegs habe sie auch jene Schüler im Fokus, die sich schwertun. Die 59-Jährige sagt: „Meine Tür und mein Herz sind offen für alle.“

Wenn Silke Olbrich über ihren Beruf spricht, wird schnell klar, dass er für sie mehr als nur eine Arbeit ist. Lehrerin zu sein, das ist für die 59-Jährige vielmehr eine Berufung. Sie sagt: „Das ist der schönste Beruf, den es gibt.“ Dass sie jetzt sogar Schulleiterin der Schlechtbacher Grundschule wurde, war auf ihrem Lebensweg allerdings zunächst überhaupt nicht vorgesehen. Denn Olbrichs Werdegang war alles andere als gerade. Und vielleicht ist sie deshalb auch genau die Richtige für diesen

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