Rudersberg

Herbstzeit-Festival im Kunstraum Zumhof - und die Frage zum Auftakt: Was ist weibliche Kunst?

Vernissage Kunstraum
Bilder von Sibylle Bross (links) und Yana Duga. © Gabriel Habermann

Das Festival für Kunst und Musik des Kunstraum Zumhof war bisher immer ein besonderes Sommervergnügen. Wie vieles andere auch, musste es verschoben werden und feierte nun als „Herbstzeit-Festival“ zum Auftakt eine Vernissage der Ausstellung von gleich fünf Künstlerinnen.

Kühl war’s und dennoch kuschlig unter den im Garten der Temporärgalerie aufgestellten Zelte, auf die am späteren Abend dann unaufhörlich ein Herbstregen seine prasselnde Melodie spielte. Das tat der Stimmung des Publikums indes keinen Abbruch. Umso weniger, als mit ihrem phänomenal umwerfenden Auftritt die Sängerin Stjerne das Publikum in einen sprachlosen Bann zog.

Was wäre weibliche Kunst?

Sprachlos sollte der Abend aber nicht bleiben. Es gab schließlich Diskussionsstoff genug. Fünf Frauen werden ausgestellt und wohl (immer noch) unvermeidlich stand nicht mehr die chauvinistische Frage im Raum, ob Frauen überhaupt Kunst können, sondern, ob es so was wie „weibliche Positionen“ in der Kunst überhaupt gäbe. Also kommt bei Kunst von Frauen auch zugleich eine weibliche Position heraus? Und was wäre das überhaupt?

Ein paar Fragen, die Ursula Quast in ihrer Eröffnungsrede aufgriff – oder besser: fast genüsslich aufspießte. „Es kann ja nicht vorausgesetzt werden, dass eine weibliche Position von dem Augenblick an vorhanden ist, in dem eine Frau zum Pinsel greift. Eine Künstlerin kann sie einnehmen, muss das aber nicht, sie kann sie umspielen, sie kann mit ihr spielen oder sie angreifen, sie verweigern oder mit ihr provozieren.“ Und weiter fragte Ursula Quast: „Müssen wir uns unter weiblichen Positionen die Blickrichtungen vorstellen, die ein Mann in der Kunst nicht haben kann?“ Wenn dem so wäre, könnte man sich fragen, müsste man dann nicht beim Betrachten eines Kunstwerks, ohne zu wissen, wer es gemacht hat, sagen können: Das muss von einem Mann, dieses kann nur von einer Frau sein?

Quast zitiert dazu eine der in der Ausstellung zu sehenden Künstlerinnen, die verstorbene Helen Ashbee: „Die Frage ist doch, wie weit kann ich mit dem, was ich will, auf den Grund kommen, und wie hartnäckig kann ich ihm nachgehen, um es hervorzuholen? Im Grunde ist dieses Unbedingte das Einzige was zählt in der Kunst.“ Und sozusagen abkürzend erklärt Sibylle Bross gar knapp und bündig: „Ich bin Künstler.“

Fünf „weibliche“ Positionen also in der Zumhofer Temporärgalerie: Helen Ashbee, Sibylle Bross, Yana Duga, Carmen Weber und (die ebenfalls verstorbene) Ilse Stetter, die beim Entwerfen ihrer Bildobjekte ihren Mann Hans Jürgen Theinert zum Mitautoren hatte. Was also ist zu sehen, in dieser überaus einladenden, reizvollen Ausstellung?

Etwa die Serie dreier Lithografien von Carmen Weber mit dem Titel „Übergänge aneinander“. Zeichnerische Verdichtungen und Lockerungen, die sich wie zu textilen Gewebeflächen zu ballen scheinen. Textiler Stoff, das Weben also als wie gehabt vorrangig weibliches Terrain? Das möchte wenigstens bei Ilse Rose Stetters geradezu übersinnlich schimmernden Bildobjekten so scheinen, die sie allesamt aus Wollfäden genäht hat. Wenn es so etwas wie einen wärmenden Augenschmaus gibt, dann hier. Dabei formt der Stoff zugleich das Bild und spielt wie als Hülle und Kleid um den Rahmen auch ganz eigenartig mit einem - unbeschreiblich weiblichen? - Verbergen.

Ein Schurke mit gelber Haartolle

Eher schrill aber auch zugleich rätselhaft unentzifferbar die Arbeiten von Yana Duga. Ein comicartiger (Alp-)Traum etwa ihr dreiteiliger „Superheld“. Zu sehen ein Mann mit (Hulk-)grünem Kopf, oder ist es nur eine Maske? Als einziges Requisit in den Bildräumen stehen gelbe Mülltonnen. Helden, wer braucht die noch?

Ein schöner Wunschtraum dennoch das Bild auf dem Batmann einen Schurken mit der Haartolle eines gewissen Präsidenten auf den Boden niedergerungen hat. Das Gute, ach, möge es doch siegen. Auf „Body Shop“ sehen wir eine schlafende Figur umgeben von Wald, Tieren und Körper-Kleider-Fragmenten. Zerstückelter Stoff, aus dem unsere Lebens-Träume sind.

Anders, sozusagen prall diesseitig präsentieren sich dagegen die Kinder auf den Bildern von Sibylle Bross. Da wird man mitgerissen von einer ausgelassenen Lebensfreude, die auf einigen Bildern vielleicht nur durch einen violetten Erinnerungsschimmer gebrochen scheint.

Schließlich die Bronze-Objekte von Helen Ashbee, die besonders bei den kleineren Arbeiten etwas splitternd musikalisches haben. In „Metamorphosen“ etwa: wie ein hochjauchzendes Zweige-Gezirp.

Das Festival für Kunst und Musik des Kunstraum Zumhof war bisher immer ein besonderes Sommervergnügen. Wie vieles andere auch, musste es verschoben werden und feierte nun als „Herbstzeit-Festival“ zum Auftakt eine Vernissage der Ausstellung von gleich fünf Künstlerinnen.

Kühl war’s und dennoch kuschlig unter den im Garten der Temporärgalerie aufgestellten Zelte, auf die am späteren Abend dann unaufhörlich ein Herbstregen seine prasselnde Melodie spielte. Das tat der Stimmung des

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