Rudersberg

Hier bekommt der Teig genügend Zeit: "Bäcker Chris" eröffnet in Rudersberg

Bäcker Chris
Haben sich den Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht: Christian und Tina Schiefer in ihrer Backstube. © Gabriel Habermann

Drei Generationen lang hat die Familie Lochmann in Rudersberg eine Bäckerei betrieben. Jetzt haben Christian und Tina Schiefer das Traditionsgeschäft in der Welzheimer Straße übernommen. Was sind die Gründe für den Wechsel? Und wie sieht das Sortiment aus bei „Bäcker Chris“?

Das Geschäft in der Welzheimer Straße gibt es schon sehr lange

Wie lange es in dem Gebäude schon eine Bäckerei gibt, daran kann sich Klaus Lochmann nicht mehr genau erinnern. Der 62-Jährige weiß aber, dass schon seine Großmutter dort Brötchen gebacken hat. Diese lange Tradition geht nun zu Ende, denn „ich habe keinen Nachfolger für den Betrieb“, sagt Lochmann. Vergangenes Jahr sei er dann mit Christian Schiefer in Kontakt gekommen, der gerade nach einem Weg in die Selbstständigkeit suchte. Schnell kamen die beiden zusammen. Zum Jahreswechsel sollte der Übergang dann stattfinden. „Einen Tag nach der Vertragsunterzeichnung hatte ich dann aber einen Schlaganfall“, berichtet Lochmann. Deshalb konnte der Übergang nicht ganz reibungslos stattfinden. Seit der zweiten Januarwoche gibt es aber wieder eine Bäckerei in dem Gebäude.

Der 44-jährige Christian Schiefer hat jetzt das Traditionsgeschäft übernommen und sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Nachdem er 18 Jahre lang bei einer Bäckerei in der Region tätig war, zuletzt als Betriebsleiter, hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Von Pirmasens ins Wieslauftal: Der Weg der Schiefers in die Selbstständigkeit

Dass er einmal Bäcker werden wird, sei für ihn schon früh im Leben klar gewesen, berichtet er – und erinnert sich dabei an den Vater eines Schulfreundes. Der hatte nämlich ein Backwarengeschäft, „das fand ich interessant“. Als Kind sei er immer durch die Backstube gelaufen, wenn er seinen Freund besuchte. „Dieser Geruch hat mich nie wieder losgelassen.“

In der Bäckerei hat es zwischen den beiden gefunkt

Mit 15 ging er schließlich in die Lehre. Nachdem seine Familie wenig später nach Backnang umzog, heuerte er in der Bäckerei Schäufele an. Dort lernte Schiefer seine Frau Tina kennen, die aus Unterweissach stammt und dort als Bäckerin und Konditorin arbeitete. Vier gemeinsame Kinder bekamen die beiden. Die Älteste ist 16, der Jüngste gerade mal wenige Wochen alt, geboren ist er kurz vor der Eröffnung des eigenen Ladens. „Er wächst jetzt in der Backstube auf“, sagt Tina Schiefer lächelnd. Die 41-Jährige macht die Buchhaltung und das Büro für den Laden und hilft ihrem Mann gerade in der Backstube aus, während der Sohnemann entspannt im Kinderwagen schläft. „Ich springe ein, wo es klemmt im Betrieb“, sagt sie.

In Krisenzeiten selbstständig werden? 

Wieso die beiden Lippoldsweiler gerade in Zeiten von Inflation und Energiekrise den Weg in die Selbstständigkeit wagen? Weil sie den Traum der Selbstständigkeit bereits länger gemeinsam träumen und auch nie etwas anderes machen wollten als genau diesen Beruf. „Schon mit zwei Jahren habe ich gesagt, ich will Bäckerin werden“, berichtet Tina Schiefer. „Ich scheue mich nicht vor Herausforderungen“, ergänzt ihr Mann Christian. „Ich bin ein Mensch, der nicht ruhen kann und sich ständig weiterentwickeln möchte.“ Bei seinem vorherigen Arbeitgeber sei das irgendwann nicht mehr möglich gewesen.

Die Bäckerei Lochmann habe ihn dann sofort an das Geschäft aus den Kindheitstagen erinnert. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Schiefer unumwunden. Von der Größe sei das für den Anfang genau richtig, zumal er momentan in der Backstube noch alleine arbeitet. Auch könne er hier seine Vorstellungen von traditioneller Handwerkskunst ohne Kompromisse umsetzen.

Bäcker Chris setzt auf Langzeitführung und verzichtet auf Backmischungen

Schiefer verzichtet für seine Waren (bis auf ganz wenige Ausnahmen, die es künftig aber nicht mehr geben soll) auf die mittlerweile bei vielen in der Branche verbreiteten Backfertigmischungen und setzt bei seinen Teigen auf die sogenannte Langzeitführung. Das heißt, sie haben mehr Zeit zum "Gehen", nämlich genau 48 Stunden. „Das sorgt für eine bessere Frischhaltung und mehr Geschmack“, sagt der Bäckermeister. Auch seien die Brote und Brötchen dann bekömmlicher, weil der Körper sie bereits im Dünndarm und nicht erst im Dickdarm abbauen kann. Sie liegen also nicht schwer im Magen. Auch möchte er fachgerechte Teige für alle Produkte herstellen und nicht alles aus einer Masse.

Ganz grundsätzlich ist er davon überzeugt, „dass es dem Kunden mehr wert ist, wenn man selbst Hand anlegt“. Das Thema Nachhaltigkeit ist dem Bäckermeister wichtig. Der 44-Jährige setzt zudem vermehrt auf Dinkel als Getreide und eine Sauerteigmaschine für mehr Geschmack und Frische bei den Backwaren. Wobei die beiden bisherigen Renner im Sortiment das Weizen-Hausbrot aus langzeitgeführtem Teig sowie die „Happy hands“ sind, also Fasnetsküchle, die ein Peace-Zeichen oder den Mittelfinger formen – „für den Frieden oder fürs Finanzamt“, sagt Schiefer lächelnd. Mit solchen Ideen möchte er auch ein jüngeres Publikum ansprechen.

Der Betrieb soll stetig weiterentwickelt werden

Und der Bäckermeister hat noch viele Ideen, wie er seinen Betrieb weiterentwickeln könnte. In den nächsten Wochen bekommt die Backstube noch zusätzliche Geräte und auch im Laden wird sich optisch noch etwas ändern. Im März soll dann noch mal eine Eröffnungswoche folgen.

Momentan arbeiten bei Christian Schiefer übrigens sehr viele Quereinsteiger, auf die ist er „mächtig stolz“, weil sie wissbegierig und fleißig seien und ihren Job „richtig gut“ machen. Einen erfahrenen Bäcker für die Stube könnte er aber noch gebrauchen. Denn das Geschäft lief gut an. Erste Anfragen für Lieferungen an Einrichtungen habe er bereits erhalten. Das Sortiment soll noch erweitert werden. Und mittelfristig könnte er sich auch ein eigenes Café vorstellen. „Ich will immer weiterkommen“, sagt Christian Schiefer. Jetzt ist er aber erst einmal angekommen in der Selbstständigkeit.

Das Geschäft in der Welzheimer Straße 31 ist am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 6 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 6 bis 14 Uhr, am Samstag von 6 bis 12 Uhr und am Sonntag von 8 bis 11 Uhr geöffnet.

Drei Generationen lang hat die Familie Lochmann in Rudersberg eine Bäckerei betrieben. Jetzt haben Christian und Tina Schiefer das Traditionsgeschäft in der Welzheimer Straße übernommen. Was sind die Gründe für den Wechsel? Und wie sieht das Sortiment aus bei „Bäcker Chris“?

Das Geschäft in der Welzheimer Straße gibt es schon sehr lange

Wie lange es in dem Gebäude schon eine Bäckerei gibt, daran kann sich Klaus Lochmann nicht mehr genau erinnern. Der 62-Jährige weiß aber,

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