Rudersberg

Kleine Weihnachtswunder für Kinder

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Im Rudersberger Rathaus überreichte Bürgermeister Raimon Ahrens Geschenke an sozial benachteiligte Kinder. © ZVW/Gaby Schneider

Rudersberg.
Ein Feuerwehrauto hat sich der dreijährige Finn gewünscht. Für seine Oma war es aber finanziell nicht drin, ihm den Herzenswunsch zu Weihnachten zu erfüllen. „Ich war sehr dankbar dafür, dass es die Wünsche-Aktion gab“, sagt sie. Nun können sie und ihr Enkel trotz aller Widrigkeiten Bescherung feiern.

Finn strahlt. Seine Hände umfassen das große Geschenk, das er sich vom „Gabentisch“ im Sitzungssaal des Rathauses nehmen durfte. Was drin ist, weiß er noch nicht. „Das Paket kommt unter den Weihnachtsbaum, ausgepackt wird erst an Heiligabend“, sagt seine Oma. Die 74-Jährige hat den Wunsch ihres Enkels auf einer Karte notiert und in die Weihnachtswunschbox geworfen, die im Rathaus bis zum 10. Dezember aufgestellt war.

Oma: „Früher hätte ich über solch eine Summe gelacht.“

Gedacht war die Box für sozial benachteiligte Familien, die Sozialleistungen empfangen. Ihnen hat die Gemeinde Weihnachtswünsche im Wert bis zu 15 Euro erfüllt, die sie im Vorfeld kundtun konnten. Im Fall des Feuerwehrautos, das etwas mehr gekostet habe, hat die Oma die Restsumme übernommen. „Den ganzen Betrag hätte ich nicht mehr aufbringen können“, sagt sie.

Dann wird sie ernst, schaut nachdenklich auf den Tisch, auf dem Geschenke für 58 weitere Kinder liegen, und fügt hinzu: „Früher hätte ich über solch eine Summe gelacht.“ Seit sie nicht mehr arbeiten kann und ihr Mann verstorben ist, sei das Thema Not nähergerückt. „Ich musste wieder lernen, mich einzuschränken, heute weiß ich, wie schnell man in diese Situation kommen kann.“

Die Jugendlichen des Treffpunkt C haben die Geschenke verpackt

Jenen, die sich nicht so viel leisten können zu Weihnachten, hat die Gemeinde mit einer eigenen Aktion etwas Gutes getan. Unterstützt von Spenden konnten insgesamt 59 Kinderwünsche erfüllt werden. Weihnachtlich verpackt wurden sie von Jugendlichen des Treffpunkts C. „Sie haben gleich zugesagt, die schöne Aktion zu unterstützen“, berichtet Daniela Greiner vom Treffpunkt C. Auch Obaida ist unter den Beschenkten: „Meine elfjährige Schwester Alma hat sich Filzstifte gewünscht“, sagt der Syrer, der Weihnachten im Kreise der Familie feiert - ohne Geschenke, dafür als Highlight mit Weihnachtsbaum.

Bürgermeister Raimon Ahrens, der die „Bescherung“ übernimmt, dankt der mipo-Stiftung und dem Treffpunkt C. „An Weihnachten hat man Gemeinwohl, Frieden und Nächstenliebe im Blick, diese Stimmung kann man ins kommende Jahr mit aufnehmen“, sagt er. In seinen Dank bezieht er auch jenen örtlichen Unternehmer ein, der, nachdem Ahrens die Aktion auf Facebook gepostet hatte, spontan 60 Schokoladen-Weihnachtsmänner zum Verteilen an die Kinder gespendet habe.

Die ersten Geschenkabholer finden sich am späten Vormittag im Rathaus ein, weitere nehmen ihre Geschenke über den Tag verteilt entgegen. Raimon Ahrens zeigte sich überrascht über die Wünsche. Neben ganz klassischen Kindergeschenken wie Spielzeugautos oder Mützen, Figuren oder Kostüme mit Spiderman-Motiven seien viele „sinnvolle Geschenke“ aufgefallen: Mäppchen, Hose, Winterschuhe, Vesperdose, Trinkflasche.

„Das zeigt mir, dass ein Weihnachtsgeschenk nicht nur als Freizeitvergnügen wahrgenommen wird, sondern damit ein täglicher Bedarf gedeckt wird.“

Die Kinder wünschen sich viele Dinge für den täglichen Bedarf

Finn wird sein Päckchen, das er mit leuchtenden Augen einige Minuten umhergetragen hat, zu schwer und er gibt es der Oma. „Wenn er es sich so sehr wünscht, dann spielt er auch damit“, erklärt sie, warum sie dem Wunsch nach dem Feuerwehrauto nachgekommen ist. Finn wird sein rotes Spielzeugmobil unter dem Weihnachtsbaum wiedersehen und auspacken. Auch der Baum ist ein Glücksfall, erzählt die Frau. „Wir haben ihn geschenkt bekommen, einen zu kaufen wäre nicht gegangen.“ Sie fühle sich erleichtert, reich beschenkt und freue sich auf die Weihnachtsstimmung.

„Wir schnuckeln uns gemütlich auf die Couch, Liedersingen gehört dazu, Oma liest dann Märchen vor und wir trinken Weihnachtstee. Finn liebt diese stillen Stunden.“ Einzig das hin und her rangierende Feuerwehrauto könnte diese Stille an den Feiertagen unterbrechen – eine Unterbrechung, über die sich beide, die Oma und ihr Enkel, freuen.

Auch in Welzheim gab es eine besondere Bescherung für bedürftige Kinder.