Rudersberg

Kontroverse Diskussion um Baugebiet

Kontroverse Diskussion um Baugebiet_0
An diesem Hang sollen Wohnungen und eine Verlängerung der Straße Talblick entstehen. © Habermann / ZVW

Rudersberg-Necklinsberg. Sinnvoller Lückenschluss oder Gefahr für die Wasserversorgung in Rudersberg? Diese Sichtweisen zum geplanten Baugebiet „Talblick Nord“ stehen sich im Gemeinderat gegenüber. Mehrheitlich hat sich das Gremium aber nun für den Bebauungsplan ausgesprochen. Jetzt sollen erneut Öffentlichkeit und Behörden beteiligt werden.

Raimon Ahrens ist zufrieden. „Ich denke, wir haben eine Lösung gefunden, mit der alle leben können“, findet der Bürgermeister. Schließlich hatte sich der Gemeinderat schon mehrfach mit dem Baugebiet „Talblick Nord“ beschäftigt und 2017 dazu einen Bebauungsplan aufgestellt. Bürger wurden beteiligt, das Gebiet auf Artenschutz untersucht und auch die geotechnisch-hydrologischen Risiken überprüft. Mit dem Ergebnis, dass der Bebauungsplan noch einmal überarbeitet werden musste.

Denn die betroffenen Grundstücke befinden sich, wie weite Teile des Rudersberger Teilorts, im Wasserschutzgebiet. „Deshalb sind gewisse Vorkehrungen beim Bau zu treffen“, sagt Bauamtsleiter René Schaal, der dennoch froh ist, dass nun ein neuer Bebauungsplan vorgelegt wurde. An dieser Stelle sei nämlich ein Lückenschluss im Ort möglich. Sprich: Die geplanten Bauplätze schließen an vorhandene Bebauung an.

Zu aufwendig und zu gefährlich, meint RB-Rat Wolfgang Bogusch

Wolfgang Bogusch, Fraktionsvorsitzender der Rudersberger Bürger, sieht das ganz anders. „Im Prinzip ist dieser Bereich nicht bebaubar.“ Und „man muss ehrlich sein: Ein Lückenschluss ist das nicht.“ Das sei aus seiner Sicht von Seiten der Gemeinde vielmehr eine Hilfskonstruktion. Für drei Bauplätze seien die Schutzmaßnahmen außerdem viel zu aufwendig. Nicht nur, weil sie in der Wasserschutzzone II liegen, also zum engeren Schutzgebiet gehören.

Sondern auch, weil im „Talblick Nord“ gleich vier CEF-Maßnahmen notwendig sind, also Maßnahmen für die dauerhafte ökologische Funktion eines Areals. Dazu zählt in diesem konkreten Fall das Anbringen von Nistkästen, die Wiederherstellung und Bewirtschaftung von Streuobstwiesen, die Neuanlage einer Feldhecke sowie das Anlegen von Ersatzlebensraumflächen für die Zauneidechse.

Und dann sei dem Planer auch noch ein fataler Fehler unterlaufen. „Die Befestigung von Stellplätzen und Garagenzufahrten darf nur wasserdurchlässig erfolgen“, heißt es im Bebauungsplan. Dabei sei genau das nicht erlaubt in einem Wasserschutzgebiet, sagt Bogusch. Deshalb dürften die Häuser ja auch nicht unterkellert werden.

Bogusch sorgt sich um das Trinkwasser der Gemeinde. Die Riegelshaldenquelle und die Quelle im Hägele, die zur Wasserversorgung genutzt werden, sieht der RB-Fraktionsvorsitzende in Gefahr. „Es ist fast schon hochgradig unvernünftig, so ein Risiko einzugehen.“ Zumal er bezweifelt, dass die Vorgaben aus dem Bebauungsplan am Ende auch richtig kontrolliert werden. Der Wasserschutz, er wird aus seiner Sicht nicht richtig ernst genommen.

„Wissen die Grundstückseigentümer eigentlich darüber Bescheid?“, will sein Fraktionskollege Alexander Beck noch wissen. „Und wer kontrolliert das?“ Die Nähe zu den Quellen habe ihn sehr betroffen gemacht. „Wir müssen in ganz Necklingsberg aufpassen“, mahnt Beck.

Große Teile Necklinsbergs befinden sich im Wasserschutzgebiet

Dass es sich hier um ein Wasserschutzgebiet handelt, das sei längst bekannt, entgegnet Bauamtsleiter Schaal. „Fast der halbe Ort befindet sich ja in dieser Zone.“ Deshalb wüssten auch die Betroffenen darüber Bescheid. Selbstverständlich würde die Einhaltung der Vorschriften auch von der Gemeinde kontrolliert. Und die entsprechende falsche Stelle im aktuellen Bebauungsplan natürlich noch korrigiert.

Peter Höschele von den Rudersberger Bürgern hat jedoch nur wenig Vertrauen in dieses Versprechen. Am Tannbach sei gegen die Vorschrift im Bebauungsplan ein Baum gefällt worden, sagt er. Auch seien nicht-einheimische Pflanzen in den Rudersberger Gärten üblich geworden, obwohl dies meist den Bebauungsplänen widerspricht. Kurzum: „Niemand kontrolliert das!“

Das will Bürgermeister Ahrens nun nicht gelten lassen. „Wir haben alles getan, um das Gebiet zu schützen.“ Es sei auch nicht ganz korrekt, dass die Häuser nicht unterkellert werden dürfen. Aufgrund der Hanglage sei bei Einhaltung aller Vorschriften zumindest der Bau von Halbkellergeschossen möglich.

Auch den Vorwurf, dieser Lückenschluss sei nur ein von der Gemeinde vorgeschobener, weist er zurück. „Wir schließen da eine Reihe, das ist aus unserer Sicht ganz klar ein Lückenschluss.“

Eine Sichtweise, der sich letztlich die Mehrheit des Gemeinderates anschließt. Bei 15 Ja-, sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen wird die erneute öffentliche Auslegung des Plans und die Anhörung der beteiligten Behörden und Träger beschlossen. Einen Präzedenzfall, wie zuvor von SPD-Rat Frank Bossert im Falle einer Ablehnung des Bebauungsplanes befürchtet, wird es also nicht geben.


Dorfentwicklung

  • Der vierte Bauabschnitt für das im 2008 erarbeitete Konzept zur Dorfentwicklung in Necklinsberg kommt. Das hat der Rudersberger Gemeinderat einstimmig beschlossen.
  • Die Straße Talblick wird von der Einmündung Schönblick bis zu den Flurstücken 11 und 6/1 damit erstmals und endgültig ausgebaut.
  • Die Straße soll eine Regelbreite von sechs Metern haben, wovon auf 1,20 Meter gepflasterte Fläche vorgesehen ist. Das Kanalnetz wurde bereits saniert.
  • Die Baumaßnahme soll zum Beginn des Jahres 2019 ausgeschrieben und im Anschluss mit den Arbeiten begonnen werden.

Einheimische oder Auswärtige?

  • Erwerben vor allem Auswärtige in Rudersberger Wohngebieten Bauplätze? Dies behauptet und kritisiert zugleich Wolfgang Bogusch, Fraktionsvorsitzender der Rudersberger Bürger.
  • Eberhard Layer, Fraktionsvorsitzender der CDU, widerspricht dem zumindest im Fall von Necklinsberg. Hier handle es sich um Einheimische oder deren Angehörige.
  • Auch Bürgermeister Raimon Ahrens sagt, dass diese Aussage auch für Gesamt- Rudersberg nicht zutreffe. Mehrheitlich handle es sich um Einheimische – oder Angehörige von Einheimischen, die wieder zurück in ihre frühere Heimat Rudersberg ziehen möchten.
  • Einen Umstand, den Ahrens übrigens ausdrücklich begrüßt.