Rudersberg

Lehrer, Sportler, Heimatforscher: Rudersberger Jürgen Bossert (82) ist gestorben

Jürgen Bossert aus Rudersberg
Hat in Rudersberg tiefe Spuren hinterlassen: Jürgen Bossert. © Zuehr

Ob als Lehrer oder Sportler, Kulturschaffender oder Lokalhistoriker: Jürgen Bossert hat in Rudersberg eine Menge Spuren hinterlassen – „und das in vielen Bereichen“, wie Bürgermeister Raimon Ahrens betont.

Am 5. Oktober 1939 in Talfingen geboren, verschlug es ihn während des Krieges nach Stralsund, wo er als Kind die Bombardierung der Stadt erlebte und seinen Vater verlor. 1949 kam er mit seiner Mutter aus der sowjetischen Besatzungszone zurück nach Talfingen, wo er in einfachen Verhältnissen aufwuchs, Abitur machte und später in Esslingen studierte.

Engagierter Pädagoge und begeisterter Sportler

Geprägt hat Bossert fortan viele Jungen und Mädchen. 1961 trat er seine erste Stelle als Lehrer an der Volksschule in Ohmden/Teck an – um 1963 ans Schulzentrum nach Rudersberg zu wechseln, wo er fast 30 Jahre lang als Hauptschullehrer tätig war und bis zuletzt lebte. Dort lernte er auch seine spätere Frau Stefanie kennen, die ebenfalls als Lehrerin arbeitete und mit der er gemeinsam zwei Kinder großzog.

Rektor in Alfdorf

1989 wechselte er schließlich nach Alfdorf an die Schlossgartenschule, zunächst als Konrektor, von 1993 leitete er dann die Grund- und Hauptschule bis zu seiner Pensionierung im Sommer 2002. Zu diesem Anlass hatte er gegenüber der Zeitung erzählt, es sei stets sein Bestreben gewesen, dass „keiner mit Angst zur Schule gehen muss, weder Schüler noch Lehrer“. Wer sich nicht wohl fühle, könne auch keine Leistung bringen. Und dass es ihm immer wichtig gewesen sein, dass Abgänger auch Lehrstellen finden oder in weiterführenden Schulen unterkommen. Weshalb er als Rektor Kooperationen mit Betrieben schloss.

„Er hat Generationen von Rudersbergern geprägt als Lehrer“, sagt sein Sohn Frank, der den Vater als einen „unheimlich kommunikativen und unheimlich positiven Menschen“ erlebt. „Er hat sich immer für den Menschen gegenüber interessiert.“ Und als Pädagoge stets versucht, in jedem Schüler das Positive zu sehen, um das Beste aus ihm herauszukitzeln.

TSV-Vorsitzender und Jugendtrainer

Bossert engagierte sich neben der Schule auch im Sport, wo er beim TSV Rudersberg nicht nur selbst Tennis und Fußball spielte, sondern auch als Jugendtrainer aktiv war. Seinen wohl größten Erfolg feierte er in der Saison 1979/80, als die B-Jugend in der damals im Jugendbereich höchsten Fußball-Liga, der Verbandsstaffel, gegen Vereine wie den VfB oder die Kickers antrat. Damals habe er obendrein auch noch die erste und die zweite Mannschaft der Aktiven trainiert, berichtet sein Sohn. Acht Jahre lang, von 1987 bis 1995, war Bossert dann Vorsitzender des TSV – und blieb dem Sportverein bis zuletzt als Mitglied des Ehrenrats in beratender Funktion verbunden.

Beim Theaterkarren Stücke inszeniert

Neben Sport und Schule prägte Bossert aber auch die Kulturszene im Wieslauftal. So war er einst im Theaterkarren als Regisseur tätig, wo er Stücke aus anderen Dialekten ins Schwäbische übersetzte. Dem Verein habe er bis zuletzt die Treue gehalten und ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden, berichtet sein Sohn. Bossert war zudem Mitglied des Kulturforums, organisierte in diesem Rahmen zahlreiche Lesungen, suchte Texte dafür aus und stand nicht zuletzt auch selbst auf der Bühne und las.

Zum Bauern-Rebell Jakob Dautel geforscht

Etwa zu Jakob Dautel, jenem Schlechtbacher Bauern-Rebellen, der zur Zeit des Armen Konrad 1514 den Aufstand wagte und dafür in Schorndorf hingerichtet wurde. Nach Dautel wurde vor drei Jahren dann die Verdienst-Medaille der Gemeinde benannt. Ein halbes Jahr lang hat Bossert dafür in Landes- und Bundesarchiven recherchiert, erinnert sich sein Sohn Frank. „Vieles, was wir über Dautel wissen, geht auf Bosserts Forschungen zurück“, sagt Bürgermeister Ahrens. „Ich bin dankbar, dass er dieses Wissen auch uns zur Verfügung gestellt hat.“ Er sei ein guter Kenner der Rudersberger Geschichte gewesen, so Ahrens, „und so etwas wie der Vater der Medaille“.

Heinz-Erhardt-Abende veranstaltet

Zugleich sei Jürgen Bossert immer ein sehr humorvoller Mensch gewesen – „aber mit Tiefgang“, wie sein Sohn Frank betont. So organisierte er etwa eigene Themenabende mit Gedichten des Wirtschaftswunder-Komikers Heinz Erhardt. An dem gefiel dem humorvollen Rudersberger vor allem die Doppeldeutigkeit der Sprache, so hat er es unserer Zeitung einst erzählt.

Auf die Frage, was er an Bossert besonders geschätzt habe, nennt Bürgermeister Raimon Ahrens seinen scharfen Blick auf die Dinge genauso wie den feinsinnigen und zugleich trockenen Humor. „Ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen durfte.“

Fit und jung im Kopf - bis zum Schluss

„Bis zum Schluss war er im Kopf noch jung“, berichtet Frank Bossert. Der Umgang mit seinen fünf Enkeln habe ihn bis zuletzt geistig fit gehalten. „Er war immer interessiert an dem, was aktuell noch passiert“. Zu seinem Vater habe er zeitlebens ein sehr enges Verhältnis gehabt, sagt sein Sohn. Mehr noch: „Er war mein bester Kumpel.“ Am 26. April ist Jürgen Bossert nun im Alter von 82 Jahren verstorben.

Ob als Lehrer oder Sportler, Kulturschaffender oder Lokalhistoriker: Jürgen Bossert hat in Rudersberg eine Menge Spuren hinterlassen – „und das in vielen Bereichen“, wie Bürgermeister Raimon Ahrens betont.

Am 5. Oktober 1939 in Talfingen geboren, verschlug es ihn während des Krieges nach Stralsund, wo er als Kind die Bombardierung der Stadt erlebte und seinen Vater verlor. 1949 kam er mit seiner Mutter aus der sowjetischen Besatzungszone zurück nach Talfingen, wo er in einfachen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper