Rudersberg

Nach Hello-Fiber-Aus in Deutschland: Übernimmt jetzt GVG Glasfaser den Ausbau?

HelloFiber
Der "Hello Fiber"-Container steht immer noch in Rudersberg. Doch der Anbieter ist insolvent. © Gaby Schneider

Das Jahr begann in Rudersberg mit einem Paukenschlag. Drei Monate war es gerade her, dass in der Gemeinde der flächendeckende Ausbau des schnellen Internets startete. Breitband-Technologie in jeden Haushalt: Das war das Versprechen des Anbieters „Hello Fiber“, der hoffnungsfroh mit dem Ausbau im Teilort Krehwinkel begann.

Doch daraus wird nichts mehr, nachdem der in London ansässige Medienkonzern Liberty Global Anfang des Jahres völlig überraschend den Stecker zog und den Ausbau im gesamten Bundesgebiet stoppte. Jetzt wird die Firma rückabgewickelt. Was in Rudersberg bleibt, sind teilweise nicht ganz fertiggestellte Tiefbaumaßnahmen in Krehwinkel und verunsicherte Kunden, die noch vor kurzem auf baldiges schnelles Internet hofften. Auch, weil von „Hello Fiber“ lange Zeit keine offiziellen Informationen zum Ausbaustopp zu bekommen waren. Die Homepage pries unlängst noch die Angebote des Unternehmens an. Nun ist sie deaktiviert.

Wurden die Kunden inzwischen von „Hello Fiber“ informiert?

Die ersten Kunden haben inzwischen Schreiben von „Hello Fiber“ erhalten, in denen ihnen eine Vertragsauflösung mitgeteilt wird. Auch Raimon Ahrens ist einer von ihnen. Bei der Kommune sei zudem ebenfalls die schriftliche Bestätigung eingegangen, dass der Kooperationsvertrag aufgelöst wird, so der Bürgermeister von Rudersberg.

Was bedeutet das nun für die bisherigen Kunden des Anbieters?

Zunächst einmal nur, dass der Vertrag aufgelöst wurde. Mit dem Abschluss bei dem Anbieter war nämlich noch keine automatische Kündigung beim Bestandsanbieter verbunden. Diese sollte erst erfolgen, wenn der Anschluss tatsächlich vorhanden ist. Und „es gibt keine Kunden, die bisher portiert wurden“, sagt Bürgermeister Ahrens. Sprich: Es dürfte nach seiner Einschätzung keine Bestandskunden von „Hello Fiber“ mehr geben. Aber auch niemand, der deshalb demnächst ohne Internetanschluss dastehen muss.

Wie ist die Situation in Krehwinkel, wo bereits ausgebaut wurde?

Hier hat die Gemeinde mittlerweile eine Bestandsaufnahme gemacht – und an ein paar Stellen Nachbesserungsbedarf festgestellt. Teilweise fehle auch noch die Deckschicht, die bei dieser Witterung jedoch nicht aufgebracht werden könne. Insgesamt belaufen sich die voraussichtlichen Kosten auf rund 30.000 Euro. „Wegen der Gewährleistung sind wir noch im Austausch mit Liberty“, so Ahrens, „eine Lösung gibt es hier bislang noch nicht.“

Wer wird jetzt den Breitbandausbau übernehmen?

Die Deutsche Telekom hat im vergangenen Jahr ebenfalls angekündigt, Glasfaserleitungen in Rudersberg verlegen zu wollen – allerdings nur im Kernort. Eine Ausweitung auf die Teilorte ist bisher nicht beschlossen. „Im Kernort hat sie aber ihre Betriebstätigkeiten verstärkt“, so der Bürgermeister. Laut Raimon Ahrens ist die Kommune im Gespräch mit verschiedenen Anbietern. Konkrete Ergebnisse lägen jedoch noch nicht vor.

Die GVG Glasfaser hat am Montagmorgen nun verkündet, dass sie die Übernahme des Glasfaserausbaus in Kommunen, die vom „Hello Fiber“-Rückzug betroffen seien, ins Auge gefasst habe. „Wir stehen bereits in Kontakt mit der Gigabit Region Stuttgart“, so GVG-Geschäftsführer Michael Gotowy. „Aktuell prüfen wir die entsprechenden baden-württembergischen Ausbaugebiete, stellen Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und werden im Anschluss mit allen relevanten Beteiligten Gespräche führen.“

Wer ist die GVG Glasfaser überhaupt? Und wer steckt dahinter?

Hinter der GVG Glasfaser stehen die Palladio Partners in Frankfurt, die laut eigenen Angaben Spezialisten für Sachwertanlagen und auch Mitglied der Initiative deutsche Infrastruktur sind. Palladio Partners verwalten etwa acht Milliarden Euro, die unter anderem von der Evangelischen Kirche oder Altersvorsorgeeinrichtungen stammen. Sie investieren dieses Geld in deutsche Direktbeteiligungen sowie in internationale Fonds. Die Palladio Kommunal GmbH unterstützt Kommunen und kommunale Unternehmen zudem bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten.

Hat der Anbieter Erfahrung mit dem Ausbau?

Das Unternehmen war bisher vor allem in Schleswig-Holstein tätig, wo es mehr als 120 Projekte umgesetzt hat. Im Landkreis Diepoltz etwa hat die GVG Glasfaser zudem das größte zusammenhängende Breitbandprojekt Deutschlands realisiert. Anfang dieses Jahres erfolgte nun der 100.000. Vertragsschluss. Vergangenes Jahr haben die beiden Nachbargemeinden Plüderhausen und Urbach sich zudem für eine Kooperation mit dem Anbieter entschieden. Dort sollen nun fast alle Haushalte an das schnelle Internet angeschlossen werden.

Was sagen die Kommune und der Zweckverband zur GVG?

„Uns freut das Interesse der GVG Glasfaser“, sagt Bürgermeister Raimon Ahrens auf unsere Nachfrage. „Bislang gab es aber noch keine direkten Gespräche mit der Gemeinde.“ Mit dem Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr steht die GVG Glasfaser indes bereits in Kontakt, wie Breitbandkoordinator Michael Murer bestätigt. Allerdings nicht als einziger Anbieter auf dem Markt. „Wir sind mit verschiedenen Anbietern im Gespräch“, so Murer. Konkrete Ergebnisse gebe es aber noch nicht. „Wir müssen für jede Gemeinde schauen, wer für den weiteren Ausbau passt.“ In den kommenden Wochen werde sich da sicher etwas tun.

Das Jahr begann in Rudersberg mit einem Paukenschlag. Drei Monate war es gerade her, dass in der Gemeinde der flächendeckende Ausbau des schnellen Internets startete. Breitband-Technologie in jeden Haushalt: Das war das Versprechen des Anbieters „Hello Fiber“, der hoffnungsfroh mit dem Ausbau im Teilort Krehwinkel begann.

Doch daraus wird nichts mehr, nachdem der in London ansässige Medienkonzern Liberty Global Anfang des Jahres völlig überraschend den Stecker zog und den Ausbau im

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