Rudersberg

Rudersberg lag ihm am Herzen: Alt-Bürgermeister Walter Stiefel ist tot

Walter Stiefel
Lächelnd und gelassen zeigte sich Walter Stiefel an seinem 90. Geburtstag. Am Samstag ist er nun verstorben. © Benjamin Büttner

Ein Leben, dessen Fülle die Zeilenzahl des Artikels sprengt, ist zu Ende gegangen: Walter Stiefel, der langjährige Bürgermeister von Rudersberg und Ehrenbürger der Gemeinde, ist am Samstag verstorben.

Die Nachricht löst Trauer, Mitgefühl und viele Erinnerungen aus. Bürgermeister Raimon Ahrens sagt über den Alt-Bürgermeister: „Ich habe ihn als einen tollen Menschen kennengelernt, der für den Beruf des Bürgermeisters gelebt hat und dem die Gemeinde wirklich am Herzen lag.“ Obwohl Walter Stiefel bereits seit 35 Jahren im Ruhestand war, als Raimon Ahrens ins Amt kam, habe er das Geschehen in Rudersberg nach wie vor aktiv verfolgt, so Ahrens.

Walter Stiefel war Ehrenbürger der Gemeinde, einer von zweien, gemeinsam mit Horst Schneider. Und auch der Bürgermeister mit der längsten Amtszeit in Rudersberg, und zwar von 1954 bis 1983.

Insbesondere die Gebietsreform fällt in seine Amtszeit, erinnert Raimon Ahrens. „Es ist schon eine große Leistung gewesen, den Übergang so zu gestalten und zu moderieren, ein Zusammenwachsen anzubahnen.“ Projekte aufzuzählen, die sich mit dem Namen Walter Stiefel verbinden, fällt Raimon Ahrens nicht schwer. „Er hat die Gemeinde in einer Zeit geführt, in der viele grundsätzliche Infrastrukturen geschaffen wurden“, meint der Bürgermeister und nennt etwa den Zweckverband Wasserversorgung oder das Schulzentrum, das in diesem Jahr 60 Jahre alt wurde.

Von alteingesessenen Rudersbergern hat Ahrens gehört, dass sie Walter Stiefel als anpackenden Schultes erlebt haben, als einen, der nicht nur im Amtszimmer entschied, sondern viel vor Ort war und manches noch hemdsärmelig gelöst hat.

Weru angesiedelt mit Beharrlichkeit und Überzeugungsfähigkeit

Horst Schneider, der Walter Stiefel ins Amt nachfolgte, erinnert sich an seinen Vorgänger als einen liebenswerten Menschen, der seinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnet ist, dazu „außerordentlich humorvoll“, „immer gesellig“, sehr ausgeglichen, zielstrebig und beharrlich in der Verfolgung von Zielen war. Von alten Gemeinderäten hat Schneider von Sitzungen erfahren, in denen das Rauchen noch erlaubt war, Nebelschwaden durch den Saal wehten und die Nachsitzungen durchaus mal bis in die Morgenstunden andauern konnten.

Als Rathauschef führte Walter Stiefel seine Mitarbeiter sehr kooperativ, ja sogar zum Wandern in den Bergen, seinem Hobby, wurden Mitarbeiter mitgenommen, so Horst Schneider.

Eines der großen Verdienste von Walter Stiefel war die Ansiedlung der Firma Weru. Deren Chef hat er mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und Überzeugungsfähigkeit dazu bewogen, die Investition für das Werk nicht in Schorndorf, sondern in Rudersberg zu tätigen. Ein folgenreicher, wichtiger Schritt für die Gemeinde, nicht nur wegen der Arbeitsplätze. Weru war in seiner Amtszeit auch der größte Gewerbesteuerzahler, erinnert sich Horst Schneider.

Schluss mit Versorgungsengpässen beim Wasser

Das Ansiedeln von Industrie gehörte in die Amtsjahre von Walter Stiefel, wie auch das Ausweisen von Baugebieten, die Bevölkerung wuchs in den Nachkriegsjahren. In puncto Infrastruktur hat er die Gemeinde in die Moderne geführt, unterstreicht sein Nachfolger, beispielsweise bei der Wasserversorgung, dem Freibad oder der Bedarfsvorsorge überhaupt.

„Pflichtübungen waren nach dem Krieg mehr gefragt als die Kür.“ So gab es in den Nachkriegsjahren noch Versorgungsengpässe beim Wasser, im Sommer war zeitweise gar das Autowaschen verboten, so Schneider. In der Amtszeit von Walter Stiefel wurde die Wasserversorgung erneuert und der Wasserverband Berglen-Wieslauf mitgegründet.

Dazu galt Stiefel als geschickt im Führen von Verhandlungen: „Das hat er einfach verstanden, gute Ergebnisse für die Gemeinde zu erzielen“, sagt Horst Schneider.

Journalistische Wegbegleiter erinnern sich an den Verstorbenen als einen sehr korrekten Mann, einen feinen Herrn und Schultes vom alten Schlag, der alle Anstandsregeln beachtete, die Leute kannte, die nötige Distanz wahrte, mit zugänglicher und warmherziger Art. Walter Stiefel musste nie Reden ablesen, hat frei und eloquent formuliert.

Als Vorsitzender die Arbeit des DRK-Ortsvereins geprägt

Darüber hinaus gehörte Stiefel zahlreichen Vereinen als Mitglied an und engagierte sich im Gemeindeleben. Zum Beispiel im DRK-Ortsverein Wieslauftal, dessen Vorsitzender er gewesen ist. „Er hat diese Organisation eigentlich auch aufgebaut“, attestiert Horst Schneider. Alexander Beck, Vorsitzender des Ortsvereins, unterstreicht: „Herr Stiefel hat mit großem Engagement als Vorsitzender die Arbeit des DRK maßgeblich geprägt.“ In seine Amtszeit fielen der Um- und Anbau des DRK-Gebäudes an der Neuen Zumhofer Straße. Walter Stiefel wurde zum Ehrenvorsitzenden des Ortsverbandes ernannt. Er verfolgte auch nach seiner Amtszeit aktiv die Geschicke des Ortsvereins und unterstützte ihn. „Ich habe ihn als eine sehr integre, engagierte Persönlichkeit erlebt“, sagt Alexander Beck über den Verstorbenen, den er als eine „prägende Persönlichkeit für die Gemeinde Rudersberg“ würdigt.

Auch im TSV Rudersberg hat Walter Stiefel Spuren hinterlassen. Dem Verein gehörte er seit 1955 an und arbeitete in verschiedenen Gremien mit. In Walter Stiefels Amtszeit fiel der Gemeinderatsbeschluss 1969/70 zum Bau des Sportgeländes Meikenmichel, ein Projekt, das die Gemeinde großzügig und wohlwollend begleitet hat, sagt der Vereinsvorsitzende Frank Bossert. Walter Stiefel blieb dem Verein immer verbunden und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. „Der Verein hat ihm sehr viel zu verdanken“, unterstreicht Frank Bossert.

Ein Leben, dessen Fülle die Zeilenzahl des Artikels sprengt, ist zu Ende gegangen: Walter Stiefel, der langjährige Bürgermeister von Rudersberg und Ehrenbürger der Gemeinde, ist am Samstag verstorben.

Die Nachricht löst Trauer, Mitgefühl und viele Erinnerungen aus. Bürgermeister Raimon Ahrens sagt über den Alt-Bürgermeister: „Ich habe ihn als einen tollen Menschen kennengelernt, der für den Beruf des Bürgermeisters gelebt hat und dem die Gemeinde wirklich am Herzen lag.“ Obwohl Walter

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