Rudersberg

Schülerinnen eröffnen Umsonst-Laden in Rudersberg

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Die Räumlichkeiten in der Ortsmitte standen schon länger leer. Es war es schwierig, neue Mieter zu finden. Dann hatte Karolina Ebinger die Idee, den Laden ihres Mannes für das Schüler-Projekt zu benutzen. © ZVW/Gaby Schneider
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Bei der Eröffnung war der Laden schon gut gefüllt. Die Schülerinnen und Lehrer hoffen, dass er auch in Zukunft gut angenommen wird.

Rudersberg. Bis vor kurzem standen die Räumlichkeiten in der Dr.-Hockertz-Straße 4 in Rudersberg leer. Jetzt ist der Raum mit Klamotten, Büchern, Spielzeug – und, so hoffen die Organisatorinnen, bald auch Kundschaft gefüllt. Diese Woche hat dort der neue Umsonst-Laden („Koschd-Gä-Nix-Lädle“) eröffnet, ein Projekt der „Gesundheit und Soziales“-Gruppe der Werkrealschul-Klasse 9d am Schulzentrum.

Einkaufen ohne zu bezahlen – ein Traum, der in Rudersberg Wirklichkeit wird. Dabei geht es aber nicht um willkürlichen Konsum, sondern um das Gegenteil: bewusstes Einkaufen. „Das Thema Nachhaltigkeit soll nicht theoretisch bleiben“, sagt die Neuntklässlerin Merve bei der Eröffnung des Ladens. Die Anregung für den Laden kam von Deutsch- und Englischlehrerin Karolina Ebinger, die im Fernsehen einen Bericht über einen Umsonst-Laden in Berlin gesehen hat. Umgesetzt hat die Idee dann aber ihre Kollegin Dana Sagmeister im Wahlfach Gesundheit und Soziales, wo das Thema Nachhaltigkeit im zweiten Halbjahr auf dem Lehrplan stand.

Die Schülerinnen waren von Anfang an begeistert von der Idee

„Als uns das Thema im Unterricht vorgeschlagen wurde, haben wir direkt Ideen gehabt“, erzählen Merve und ihre Mitschülerin Kim. „Wir waren sehr begeistert davon, sowas zu machen.“ Die Begeisterung der Schülerinnen spiegelt sich auch in ihrem Engagement wieder: „Sie waren sogar in den Ferien freiwillig da“, sagt Lehrerin Dana Sagmeister. Bis zum Ende des Projekts im Sommer opfern sie jede Woche eine Stunde zusätzlich, damit die Öffnungszeiten des Ladens (donnerstags von 13 bis 15 Uhr) länger sind.

Manchmal, so die Lehrerin, seien die Mädchen auch an ihre Grenzen gekommen. „Aber dann haben sie hinterfragt, warum sie das Ganze machen und es ging wieder.“ Auch die Jungs aus dem Natur und Technik-Unterricht haben sich beteiligt und Kleiderstangen gebaut.

Es gab viel zu organisieren

Um den Laden umzusetzen, mussten die acht Schülerinnen so einiges organisieren. „Wir haben Flyer verteilt und sind auf Leute zugegangen, um Spenden zu sammeln“, erzählen Merve und Kim. Außerdem hat die Gruppe die Räumlichkeiten, die ihnen von der Firma Ebinger mietfrei überlassen werden, dekoriert und ihr Projekt dem Bürgermeister vorgestellt. Der zeigt sich bei der Eröffnung begeistert: „Das belebt die Ortsmitte“, so Raimon Ahrens. „Und für die Schüler ist es spannend, ein praktisches Projekt umzusetzen.“ Er hat selbst drei Spenden mitgebracht: zwei T-Shirts und ein Paar pinke Inliner aus dem Rathaus-Fundus. „Als Eyecatcher.“

„Besonders schön ist es, wenn solche Aktionen von jungen Menschen ausgehen“, sagt Karolina Ebinger in ihrer Eröffnungsrede. Den Schülerinnen geht es ganz offensichtlich nicht nur um Noten: „Mir ist es wichtig, dass Leute merken, dass man Kleider wiederverwenden kann“, sagt Kim. Das Projekt hilft den Jugendlichen auch, praktische Fähigkeiten zu erwerben. „Die Mädels haben wahnsinnige Fortschritte gemacht“, erzählen ihre Lehrerinnen. „Sie sind selbstbewusster und reden anders miteinander als am Anfang des Projekts.“

Viele Spenden sind eingegangen

Bis jetzt kommt der Laden gut an: Es sind bereits viele Spenden eingegangen. Beim Elternabend hat jemand vorgeschlagen, Druckerpatronen zu sammeln. Eine Kundin hatte die Idee, eine Saatgut-Tauschbox in den Räumen zu installieren. Wie es mit dem Umsonst-Laden weitergeht, wenn das Projekt für die Schülerinnen mit den Sommerferien vorbei ist, ist aber noch unklar.

Pläne gibt es bereits: Vielleicht kann eine andere Klasse die Betreuung übernehmen, oder verschiedene Schülergruppen, sodass auch die Öffnungszeiten erweitert werden können. Auch eine Schüler-AG wäre denkbar. Jetzt kommt es aber erst einmal darauf an, wie der Laden in der Bevölkerung angenommen wird.


Wie funktioniert das Ganze in der Praxis?

Die Öffnungszeiten des Ladens sind donnerstags von 13 bis 15 Uhr.

Das Ganze funktioniert in der Praxis so: Bis zum Ende des Schuljahres findet der Unterricht im Fach Gesundheit und Soziales, in dessen Rahmen das Projekt stattfindet, jeden Donnerstag in einem Nebenraum des Ladens statt.

Wer etwas spenden möchte, kann seine Gaben nicht nur donnerstags während der Öffnungszeiten im Laden, sondern auch während jeder großen Pause im Schulzentrum Rudersberg von 9.55 bis 10.15 Uhr in Gebäude 4 abgeben.