Rudersberg

Schuppenbrand mit Verletzten: Erste Feuerwehrübung in Rudersberg seit eineinhalb Jahren

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Bei der Übung waren 60 Feuerwehrkräfte im Einsatz. © Privat

Schwarz-orange getränkter Rauch steht über der Welzheimer Straße in Rudersberg. Der Lagerschuppen eines ortsansässigen Fachbetriebs für Sanitär, Flaschnerei und Heizung steht im Vollbrand, Rauchwarnmelder piepen um die Wette. Der Firmeninhaber steht aufgelöst vor dem Gebäude und berichtet dem Einsatzleiter: „Da sind noch Personen drin!“

Es lagern im Schuppen und in der Werkstatt Flaschen, gefüllt mit verschiedenen Gasen, die jederzeit abblasen oder explodieren könnten, genauso Akkus für Fotovoltaik-Anlagen – zum Glück war das alles nur gestellt für eine Alarmübung der Freiwilligen Feuerwehr Rudersberg und des DRK-Ortsvereins Wieslauftal diese Woche.

Um Punkt 18 Uhr wurden die Feuerwehr und der DRK-Ortsverein von der Leitstelle Rems-Murr - was zuvor mit dieser abgestimmt war - zu dem Einsatz alarmiert. Für die „Ehrenamtlichen“ war alles wie bei einem richtigen Alarm, sprich, sie wurden mitten aus dem Alltag - weg von Beruf, Familie, Vespertisch, Einkaufen oder dem Hochzeitstag - per Funkmeldeempfänger alarmiert und machten sich auf den Weg.

Frau mit Kind muss aus verrauchtem Gebäude gerettet werden

Als der Einsatzleiter beziehungsweise Kommandant, der über alles im Bilde ist, eintrifft, stellt er fest, dass der Brand so weit fortgeschritten ist, dass bereits die Fensterscheiben zur angrenzenden Werkstatt mit Büro zu Bruch gegangen sind und der Rauch dort ins Gebäude eindringt. Das erste Feuerwehrfahrzeug trifft ein, der Einsatzleiter und der Gruppenführer machen sich ein Lagebild und besprechen sich kurz.

Die Übungssituation spitzt sich zu: Eine Frau mit Kind macht sich am Fenster (nicht öffenbar und Einbruchsicherheitsglas) bemerkbar. Der Vorraum zum Pausenbereich, wo sich die beiden Personen aufhalten, ist schon total verraucht und das Begehen nur unter schwerem Atemschutz möglich.

Bereich komplett verraucht

Ein Trupp macht sich für die Rettung der Personen bereit. In der Zwischenzeit trifft auch schon das zweite Fahrzeug ein, ein weiterer Aufgabenbereich ist der verrauchte Bereich der Werkstatt mit Büro. Auch hier wird der Firmeninhaber mit ins Boot geholt, um einen Überblick zu bekommen, da beim vorsichtigen Öffnen der Türe festgestellt wird, dass der Bereich auch schon komplett verraucht ist. Nach seiner Information müssten sich noch weitere vier Mitarbeiter im Gebäude aufhalten, da deren Fahrzeuge noch auf dem Parkplatz stehen. Auch hier beginnen Trupps, sich für die Rettung und die Suche der vermissten Personen vorzubereiten. Der brennende Lagerschuppen konnte in der Zwischenzeit von einem weiteren Trupp abgelöscht werden.

Es treffen kurz nacheinander die Fahrzeuge der restlichen Abteilungen an der Einsatzstelle ein. Für den Atemschutz sofort notwendige Sicherungstrupps werden abberufen und auf einen Sammelplatz geleitet. Von dort aus kann die Einsatzleitung dann bei Bedarf auf die Trupps zugreifen und den Gruppenführern zuteilen.

Zwei Personen schwer auffindbar

Endlich kann der erste Trupp aus dem Pausenraum die Mutter mit ihrem Kind befreien und dem DRK-Ortsverein Wieslauftal übergeben, der für die weitere Betreuung und einen Gesundheitscheck in Bereitstellung steht. Weitere Personen werden ins Freie gebracht. Sie hatten sich, nachdem der Rauch ins Gebäude gedrungen war, in ein weiteres innenliegendes Büro zurückgezogen und die Türe geschlossen.

Die Suche nach den zwei fehlenden Personen gestaltet sich durch die starke Verrauchung des Werkstattbereichs als sehr schwierig. Mit Überdrucklüfter wird versucht, den Rauch über Öffnungen ins Freie zu verdrängen. Da es jedoch nur eine kleine Öffnung gibt, wird die Sicht erst nach und nach besser. Weil die Einsatzkräfte unter Atemschutz nur eine begrenzte Menge an Atemluft mit sich führen, werden in Absprache mit der Atemschutzüberwachung dann die Trupps gewechselt. Trupp um Trupp wird hierzu benötigt.

60 ehrenamtliche Einsatzkräfte

Endlich werden dann fast nacheinander die beiden bewusstlosen Personen, die durch Übungspuppen simuliert werden, gefunden, rasch an die frische Luft gebracht und dort vom DRK-Ortsverein sofort versorgt. Um kurz nach 19 Uhr konnte der Einsatzleiter die Alarmübung für beendet erklären und die Aufräumarbeiten beginnen.

Bei der Alarmübung waren über 60 Einsatzkräfte eingesetzt, verteilt auf vier Fahrzeuge der Abteilung Rudersberg, auf die drei Fahrzeuge der Abteilung Asperglen, Schlechtbach und Steinenberg, den Einsatzleitwagen sowie verschiedene Fahrzeuge des DRK.

Ernstfall kann auch während Pandemie eintreten

Aufgrund der Pandemie waren seit März 2020 keine gemeinsamen Übungseinheiten der Feuerwehrabteilungen mehr möglich. Ähnlich ging es dem DRK-Ortsverein. Wegen der aktuell geringen Fallzahlen entschied man sich, eine solche Alarmübung unter Einhaltung von Hygienebedingungen durchzuführen. Auch in der Pandemiezeit kann schließlich jederzeit der Einsatzfall kommen, und die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Rudersberg sowie auch für das DRK-Wieslauftal muss reibungslos funktionieren.

Zudem zeigte sich dabei, in welch kurzer Zeit über 60 Einsatzkräfte im Ehrenamt bereitstehen, um anderen in Notlagen zu helfen - und wie wichtig dieses Engagement für das Gemeinwohl ist. Die Rudersberger Wehr dankt der Firma Imrek für die Bereitstellung ihres kompletten Firmenkomplexes, einschließlich der firmeneigenen Statisten.

Schwarz-orange getränkter Rauch steht über der Welzheimer Straße in Rudersberg. Der Lagerschuppen eines ortsansässigen Fachbetriebs für Sanitär, Flaschnerei und Heizung steht im Vollbrand, Rauchwarnmelder piepen um die Wette. Der Firmeninhaber steht aufgelöst vor dem Gebäude und berichtet dem Einsatzleiter: „Da sind noch Personen drin!“

Es lagern im Schuppen und in der Werkstatt Flaschen, gefüllt mit verschiedenen Gasen, die jederzeit abblasen oder explodieren könnten, genauso Akkus

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