Rudersberg

Therapiehunde: Sanftmütiger Helfer auf vier Pfoten

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Dieses Spielzeug hat sich Emma redlich verdient: Der Therapiehund entspannt nach dem Training mit der Gruppe. © Benjamin Buettner

Rudersberg. Seit gut einem Jahr besucht die Hündin Emma regelmäßig Menschen mit schweren Behinderungen in der Tagesförderstätte Rudersberg. Für sie ist die Hundedame eine echte Bereicherung. Sechs Männer und Frauen lernen bei den Treffen viel über den Umgang mit Tieren. Gerade bereitet sich die Gruppe zusammen mit Emma auf das Kinderferienprogramm des Vereins für Behinderte vor.

Sobald Leckerlis im Spiel sind, entgeht Emmas aufmerksamem Blick nichts mehr. Blitzschnell findet sie die Plastikdose, unter der ihre Belohnung versteckt wurde. Die Suchspiele machen dem schwarzen Boxermischling sichtlich Spaß.

Eine Prüfung steht noch an

„Emma kommt wahnsinnig gerne her“, sagt Isabelle Kolb. Die Pflegefachhelferin besucht mit ihrer Hündin eine Ausbildungsstätte für Therapiehunde in Schwäbisch Hall. Für die Ausbildung eigne sich Emma besonders gut, da sie sehr geduldig sei und immer ruhig und gelassen bleibe. Die ersten zwei Prüfungen der Ausbildung, einen Wesenstest und einen Gehorsamstest, hat Emma schon bestanden. Bevor sie die Ausbildung abschließen kann, steht noch eine letzte Prüfung an. Beim Schulgeld wird sie vom Verein für Behinderte unterstützt.

Eine willkommene Abwechslung vom Alltag

Laut Kolb lernt die dreijährige Hündin viel in der Tagesförderstätte: „Die Menschen hier helfen dabei, sie zu trainieren.“ An den Treffen nehmen Jenny, Nadja, Dennis, Michi, Markus und Rainer jede Woche teil. Für die Menschen mit mehrfachen schweren Behinderungen ist die Runde eine tolle Abwechslung vom Alltag.„Wenn es uns mal nicht so gut geht, geht es uns danach besser“, erzählt Nadja. Sie bereitet ein Intelligenzspiel für Emma vor. Dabei füllt sie Leckerlis in Vertiefungen in einem Holzbrett. Um an diese zu gelangen, muss Emma dann Holzstäbe zur Seite schieben, die die Vertiefungen verdecken. Das gelingt ihr schon innerhalb weniger Sekunden.

Pflege für die Seele

Solche Spiele fördern nicht nur die Hündin, sondern auch die Motorik der Menschen. „Wir wollen geistige, emotionale und motorische Kompetenzen fördern“, erklärt die Leiterin Sandra Eckert. In der Tagesförderstätte werden nicht nur die Grundbedürfnisse der Männer und Frauen versorgt. Oft machen sie Ausflüge, Spaziergänge und spielen Spiele. „Das ist auch eine Pflege für die Seele“, sagt Eckert. Es ist ihr wichtig, dass die Menschen lernen, sich selbst zu helfen. Sie sollen so selbstständig wie möglich werden. Das Ziel der Pfleger sei es, sich selbst überflüssig zu machen. Emma ist für Eckert wie eine zusätzliche Mitarbeiterin, denn sie hilft ihr dabei, diese Aufgabe zu erfüllen. „Es ist toll für die Leute, sich um ein Lebewesen zu kümmern“, sagt Isabelle Kolb, „dadurch lernen sie, Verantwortung zu übernehmen.“

Ganz entspannt: Emma lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Während des Trainings zeigt sich die Hündin von ihrer besten Seite. Sie wartet brav, während Jenny eine Plastikdose mit einem Leckerli im Garten versteckt. Nachdem sie einige Minuten der Geruchsspur gefolgt ist, kann Emma das Versteck erschnuppern. Sie bringt sogar die Dose wieder zurück. Die Hündin bleibt bei allen Übungen entspannt und ist im Umgang mit Menschen sehr sanft.

Gemeinsames Stadttraining als Kinderferienprogramm

Jenny gefällt das Training sehr: „Es ist ein super Gefühl, wenn Emma folgt.“ Die Rollstuhlfahrerin leitet zusammen mit Nadja und Rainer das Kinderferienprogramm am 8. August selbst an. Seit mehreren Jahren organisiert die Tagesförderstätte Veranstaltungen für Kinder. Die letzten Jahre haben sie schon zusammen gekocht, Wettkampfspiele ausgetragen und gegrillt. Die Bewohner dürfen das Programm immer mitgestalten. Dieses Jahr wollen sie den Kindern im Stadttraining zeigen, wie sich Hund und Mensch gegenseitig im Straßenverkehr helfen können. Außerdem wollen sie die Tricks vorführen, die sie jede Woche mit der Hündin üben.

Nach dem 45-minütigen Training muss sich Emma erst mal hinlegen. „Sie ist wie ausgeschaltet“, sagt Nadja. Nun kann sie entspannen, bis das Training nächste Woche weitergeht.