Rudersberg

Unfall mit Wieslauftalbahn: Leichtsinn kann tödlich sein

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Symbolfoto. © Hardy Zürn

Rudersberg. Am Mittwochmorgen hat die Wieslauftalbahn einen 20-Jährigen erfasst, der trotz geschlossener Schranken das Gleisbett in Rudersberg überqueren wollte. Dass der junge Mann einen Kopfhörer getragen hat, spielte hoffentlich keine Rolle, so ein Polizeisprecher. Ein Unfallschwerpunkt sei die Wiesel-Strecke auch nicht.

Der 20-Jährige, den die Wieslauftalbahn am Mittwoch gegen 9.45 Uhr in Rudersberg erfasste, schwebt nicht in Lebensgefahr, aber er ist schwer verletzt worden und wird wohl länger im Krankenhaus behandelt werden müssen, sagte Rudolf Biehlmaier, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen. „Der junge Mann wollte am Bahnhof wohl noch kurz vor dem ausfahrenden Zug die Gleise überqueren und hat womöglich die Geschwindigkeit des Zugs unterschätzt.“

Dass der 20-Jährige einen Kopfhörer getragen hat, das habe hoffentlich doch keine Rolle gespielt. Denn die geschlossene Schranke habe er ja sehen können müssen. „Trotzdem wollte er noch schnell über die Gleise. Das Problem war hier also eindeutig der Mensch und nicht die Bahn oder die Sicherheitstechnik“, so Biehlmaier. Nach Einschätzung der Polizei also insgesamt gesehen ein Unfall, wie er überall passieren könnte, so eben auch leider hin und wieder entlang der Wieslauftalbahn-Strecke.

Vor einem Jahr, am 12. März 2015, einem Samstagabend, war ein Mann im Bereich der Brühlstraße in Rudersberg von der Wieslauftalbahn erfasst und tödlich verletzt worden. Der hinzugerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Der war nach heutigen Erkenntnissen gegen 22 Uhr betrunkener- und grob fahrlässigerweise entlang der Gleise in Richtung einer Tankstelle gelaufen.

Einen Schutzengel muss am 20. Juni 2012 ein 40 Jahre alter Radfahrer gehabt haben, der trotz Rotlicht einen Bahnübergang am Hammerschlag in Schorndorf überquert hat und hierbei vom Wiesel erfasst wurde. Der gesundheitlich angeschlagene Mann hatte nach eigenen Angaben das Rotlicht übersehen und war offensichtlich um die geschlossene Halbschranke herumgefahren. Der Zugführer, welcher am Bahnhof Schorndorf gerade angefahren war, musste eine Vollbremsung einleiten, der Zug erfasste noch den hinteren Teil des Fahrrades. Der Mann stürzte zu Boden und blieb glücklicherweise unverletzt.

Haltesignal „übersehen“

Ende Juni 2007 kam auch 60-jähriger Mercedesfahrer mit dem Schrecken davon. Der hatte angeblich aufgrund der tief stehenden Sonne das rote Haltesignal am Bahnübergang auf dem Gewann Rauwiesen in Rudersberg-Michelau übersehen. Der „Wiesel“ erfasste den Mercedes im Frontbereich und kam selbst nach eingeleiteter Bremsung nach 100 Metern zum Stehen. Außer dem 32-jährigen Lokführer, der unter Schock stand und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, wurde glücklicherweise niemand verletzt.

Am Dienstag, 15. November 2005, überquerte ein Fußgänger mit Fahrrad an der Hand an einem Übergang bei Haubersbronn die Gleise, ohne auf den nahenden Zug zu achten. Der 44-jährige Wieselfahrer musste notbremsen, der Zug stieß aber dennoch auf jeden Fall gegen das Fahrrad. Der Wieselfahrer suchte nach dem Stopp sofort das Gelände ab, fand jedoch nichts und niemanden. Frische Kratzer an der Lok zeugten aber vom Unfall. Die herbeigerufene Polizei suchte mit Streifenwagen das Gelände ab, ein Hubschrauber flog und Rettungshundestaffeln aus Kernen, Stuttgart und Nürtingen – insgesamt 44 Menschen mit 21 Hunden – waren unterwegs. Ergebnislos: Die Suche wurde nachts um zwei Uhr abgebrochen.

Mitte August 2004 hatte eine 88-Jährige weniger Glück. Sie wollte zu Fuß den unbeschrankten Fußgängerbahnüberweg in Haubersbronn überqueren. Dabei übersah sie, vermutet die Polizei, den in Richtung Rudersberg fahrenden Wiesel, der sich dem Überweg näherte. Die Frau wurde auf den Gleisen vom vorderen Stoßdämpfer der Lok erfasst und erlitt so schwere Verletzungen, dass sie noch am Unfallort starb.

Gegenstände auf den Gleisen

Um die Einzelfall-Statistik zu Unfällen und gefährlichen Situationen auf der Wieslauftalbahn-Strecke zu komplettieren: In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren gefährlichen Eingriffen in den Zugverkehr durch Gegenstände auf den Gleisen.

Mitte Januar 2014 lagen zwei Gartenstühle auf den Gleisen zwischen der Haltestelle Rudersberg-Nord und Oberndorf. Der Zugführer konnte durch eine beherzte Bremsung einen Unfall verhindern.

Am Dienstag, 27. November 2012 wiederum legten Tunichtgute wiederholt größere Steine auf die Gleise der Wieslauftalbahn bei Schlechtbach – auf Höhe des Fahrradwegs in Richtung Rudersberg. Die Steine wurden zweimal vom Wiesel überfahren. Größerer Schaden entstand nicht.

Ende Juli 2005 steuerte ein 44-jähriger Zugführer den Wiesel an einem frühen Morgen gegen 4.30 Uhr auf der Strecke vom Depot Rudersberg kommend in Richtung Haltestelle Rudersberg Nord. Kurz vor der Bahnüberführung Mühlbachweg erfasste er mit dem Steuerwagen ein vermutlich zwischen den Gleisen abgelegtes Mountainbike. Nur durch eine sofort eingeleitete Schnellbremsung konnte er größere Schäden am Steuerwagen und dem Treibwagen verhindern. Der Zug war ohne Fahrgäste unterwegs.