Rudersberg

Unterwegs im Wahlkampf mit Stefan Walter

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Mit Laptop und Beamer: Stefan Walter bei seiner Vorstellung im Dorfgemeinschaftshaus in Krehwinkel. © Ralph Steinemann Pressefoto

Rudersberg-Krehwinkel. Draußen faucht der Sturm durchs Dorf, es regnet. Kein Abend, um aus dem Haus zu gehen. Doch nicht wenige Krehwinkeler sind ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen. Dorthin hat Stefan Walter, Kandidat für die Bürgermeisterwahl, eingeladen. Er präsentiert sich, seine Ziele und weiß zu den Anliegen der Zuhörer etwas zu sagen, ohne zu viel zu versprechen.

„Wir starten gleich“, verspricht Stefan Walter. Frau und Tochter erwartet er noch, die will er begrüßen. Lisa Walter und das kleine Mädchen treffen ein, los geht’s. Rund 30 Zuhörer heißt Walter willkommen. Weiße Wände mit Landschaftsbild, gemusterte Gardinen, vorn ein Wahlplakat des Kandidaten, Laptop und Beamer: Wenig lenkt ab vom Gastgeber. Der kommt zügig auf den Punkt: „In Rudersberg wird neu gewählt.“ Man habe eine echte Wahl mit sechs Kandidaten. „Ich bin einer davon.“ Der Redner in dunklem Sakko, weißem Hemd und Jeans, spricht ruhig und selbstsicher. Dass er sich zuvor bereits eineinhalb Stunden in Michelau vorgestellt hat, ist ihm nicht anzumerken. Der Ton ist freundlich, sachlich. Walter schweift nicht aus, aber sagt, was er zu sagen hat. 35 Jahre alt ist er, erzählt Walter, wohnt seit zwei Jahren in Asperglen, kam in Stuttgart zur Welt. Die standesamtliche Hochzeit wurde „hier im Raum“ gefeiert. Schmunzeln im Publikum. Mit Wahlkämpfen hat die junge Familie schon Erfahrung: Lisa Walter kandidierte für die FDP für den Bundestag. „Eine spannende Phase, aber im Ergebnis hat es nicht gereicht.“

„Ist das Amt des Bürgermeisters nicht auch etwas für mich?“

Zeitgleich mit der Bundestagswahl fand in Leonberg die Oberbürgermeisterwahl statt. Als klar war, dass Martin Kaufmann gewählt ist, habe er sich gefragt: „Ist das Amt des Bürgermeisters nicht auch etwas für mich?“, erinnert sich Stefan Walter.

Nun ist er Kandidat - und stellt seinen Lebenslauf vor. Ein Studium der Betriebswirtschaft an der Dualen Hochschule sowie ein Masterstudium in Interkulturellen Studien und Theologie gehören dazu, die Präsentation zeigt Diplome. Walter zeigt auch Bilder seines Arbeitgebers, einer Versicherung in Stuttgart, erwähnt sein Engagement als Betriebsrat, im Wirtschaftsausschuss und für die Ausbildung. Er räumt ein: „Das hat nichts direkt von den Inhalten her mit Kommunalem zu tun.“ Das sei nicht schlimm. Er habe „den Blick von außen“, verweist auf Kenntnisse in Wirtschaft und Rechtsfragen, könne sich einarbeiten und sei’s gewohnt, in verantwortungsvoller Position zu arbeiten.

Walter hat „Initiative Familiengerechtigkeit“ gegründet

Ein Blick auf das ehrenamtliche Engagement folgt mit Pfadfinderstamm-Leitung, Jugendarbeit in der Kirchengemeinde, Einsatz für die Flüchtlinge in Rudersberg, von denen zwei im Publikum sitzen. In der CDU ist er zudem vielfach aktiv. Walter hat auch eine „Initiative Familiengerechtigkeit“ gegründet, erfahren die Zuhörer, da er festgestellt habe, dass Familien im Sozialversicherungssystem benachteiligt würden. Worum es ging, zeigt ein kurzes Video. „Das war ein Beispiel, dass ein Stefan Walter Initiativen auch durchziehen kann.“ Zum Konzept stellt er indes klar: „In der konkreten Situation hat die Änderung niemand umgesetzt.“ Inzwischen aber habe der Bundesparteitag der CDU beschlossen, dass sich die Kindererziehung mindernd auf Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge auswirken soll.

Was vor Ort entschieden werden kann, soll dort entschieden werden

„Neben Bundesthemen hat mich immer das Kommunalpolitische begleitet“, berichtet der Kandidat von seinem Engagement in Stuttgart-Ost. Er fasst zusammen: „Verschiedene Blickwinkel möchte ich gern einbringen in das Amt des Bürgermeisters.“

Nun sind die Zuhörer dran. Sie sollen ihre Anliegen notieren und Wünsche gewichten. Kindertagesstätten und Qualität, Offenheit für die Außenorte, Geschwindigkeitsbegrenzung, Ausbau der Teichstraße, liest Walter einige Anliegen vor. Seine kleine Tochter, die krabbelnd den Raum erkundet, nimmt ein Besucher auf den Schoß. Später macht sie sich nach vorn zum Papa auf. Es gelte, „nicht nur auf den Kernort zu schauen“, sagt dieser, sondern „in angemessener Weise auf die Belange der Teilorte“ zu sehen. Was vor Ort entschieden werden kann, solle vor Ort entschieden werden. Hier gebe es einen Ortschaftsrat, diese Strukturen solle man ausbauen. Walter weiß aber: „Man kann nicht allen alles recht machen.“

Wahlprogramm unter dem Motto "lebendiges Rudersberg"

Auch gewünscht: ein Tempolimit an der Hauptstraße. „Motorradfahrer heizen durch“, weiß Walter von Krehwinkel. Über eine Tempo-30-Zone entscheide aber nicht die Gemeinde. Der Bewerber will den Wunsch mitnehmen, macht aber keine Versprechungen. So hält er’s auch beim Ausbau der Teichstraße mit Erschließungsgebühren für die Anwohner. „Man bekommt immer andere Zahlen genannt“, klagt eine Frau. Walter geht darauf ein, sagt aber auch: „Konkrete Zusagen kann ich Ihnen nicht machen in meiner Funktion.“

Vielerlei Anliegen haben die Zuhörer notiert, Internetanbindung, Busverkehr, die Instandsetzung des Glockenturms oder die Beleuchtung des Fußwegs nach Asperglen. Walter kann zu den Themen etwas sagen, fragt genauer nach, will sich auch erkundigen und hat parat, was die Gemeinde für die Kitaplätze ausgibt.

Den letzten Teil des Abends widmet der Bewerber seinem Wahlprogramm. Das hat er unter das Motto „lebendiges Rudersberg“ gestellt. Er spricht über ehrenamtliches Engagement, zeigt Bilder vom Apfelmarkt und Adventswald, schildert Vorstellungen zu Parkplätzen und Kaufkraft, Kinderbetreuung oder Flüchtlingsarbeit. Einige Themen führt er näher aus, bei anderen nennt er allgemein seine Absicht, etwa die Wertschätzung für Feuerwehr und DRK.

Allmählich ist Stefan Walter anzuhören, dass er an dem Tag viel gesprochen hat. Er kommt zum Schluss. Und überrascht. „Wer von Ihnen weiß, wie die Partnerstadt von Rudersberg heißt?“ Ranis ist’s, das ist bekannt. Walter zeigt ein kleines Video, das ihn in dem Städtchen in Thüringen zeigt. Die Städtepartnerschaft würde er gern wieder beleben. Wenn er Bürgermeister wird.


Amt des Bürgermeisters ist kein 40-Stunden-Job

„Wird Ihnen das ned zu viel, mit den vielen Tätigkeiten, die Sie nebenbei machen?“, fragt eine Frau aus dem Publikum für den Fall, dass Stefan Walter Bürgermeister wird. „Das Amt des Bürgermeisters ist kein 40-Stunden-Job“, sagt er. Er wolle sein Engagement vor Ort bündeln. „Es fliegt automatisch vieles andere Ehrenamt ab, das ist mir durchaus bewusst“, meint er für den Fall der Wahl. „Sonst kommt es bloß zu Ehestreit“, sagt eine Zuhörerin.

Stefan Walter setzt im Wahlkampf auf viele Möglichkeiten: Er organisiert Veranstaltungen für die Wähler, auch in den Teilorten, führt Einzelgespräche, plakatiert, besucht Institutionen, Firmen, Vereine und Fraktionen, erzählt er. Weiterhin hat er Flyer gedruckt, er hat eine Homepage, ist mit einem Infostand in der Gemeinde unterwegs und in den sozialen Medien aktiv. Auch klassischer Haustürwahlkampf ist zum Teil noch geplant.

Den anderen Kandidaten für das Amt des Rudersberger Bürgermeisters wird unsere Redaktion ebenfalls noch beim Wahlkampf über die Schulter schauen.