Rudersberg

Vermüllung an Containern nimmt zu - erwischt werden nur wenige

Vermüllung Remshalden
Wie hier vor einigen Tagen bei Altglascontainern in Geradstetten sieht es gerade an vielen Standorten in der Region aus. © Gaby Schneider

Wer in den letzten Wochen Altpapier- oder Altglascontainer aufsuchte, dem bot sich an vielen Orten ein ähnlicher, unerfreulicher Anblick: Kartonagen, die sich meterhoch stapeln, völlig überfüllte Container – und wilder Müll aller Art, von Kleidung über Wandfarbe bis zu Restmülltüten mit Lebensmitteln auf dem Boden. Dass an Containern, zumal abseits gelegenen, hin und wieder illegal Abfall entsorgt wird, ist nichts Ungewöhnliches. Zuletzt schien dies aber gefühlt deutlich zuzunehmen. Doch stimmt dieser Eindruck?

„Das Phänomen der Vermüllung tritt leider immer mehr auf“, bestätigt Stefanie Baudy von der Pressestelle der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM), die für die Container im Kreis zuständig ist. „Viele nutzen die Standorte, um schnell zu entsorgenden Abfall loszuwerden.“ Dadurch entstünde dann der Eindruck, dass auch die Container selbst überfüllt wären, was häufig aber gar nicht der Fall sei. Verunreinigte Containerstandplätze seien indes kein regionales Thema, sondern in ganz Deutschland ein Problem.

Auch Plüderhausen kämpft gegen unachtsam weggeworfenen Müll. Das gilt zum einen für die Mülleimer auf dem Gemeindegebiet. Der Bauhof achte darauf, dass diese regelmäßig geleert werden, so Bürgermeister Andreas Schaffer. Denn Müllablagerungen wüchsen in der Regel rasch, „das heißt, dort, wo Müll liegt, sinkt die Hemmschwelle für andere, ebenfalls Müll illegal zu entsorgen.“

Jedes Mal eine „Riesenarbeit“ nach den Wochenenden

Vor allem aber an den Wertstoffstationen würden regelmäßig Haus- und Sperrmüll sowie große Mengen Kartonagen entsorgt. Besonders häufig geschehe dies an den Containern beim Festplatz Gänswasen. „Nach den Wochenenden ist es jedes Mal eine Riesenarbeit, hier Ordnung zu schaffen.“

Die Motive der Müllsünder kann Schaffer überhaupt nicht nachvollziehen. Mitbürgern, die illegal Müll entsorgen, attestiert er „charakterliche Schwächen“, für ihn sind sie nichts anderes als „Schmarotzer“ der Gesellschaft. „Aufgrund unserer vorbildlichen Müllabfuhr und des Entsorgungsangebots der Wertstoffsammelstelle gibt es keine vernünftigen Gründe für wilde Ablagerungen“, findet Schaffer.

Immer mehr Kartonagen - eine Folge des Trends zur Online-Bestellung

AWRM-Pressesprecherin Baudy bestätigt, dass in den Altpapiercontainern in letzter Zeit vermehrt Kartonagen entsorgt werden – eine Folge des durch Corona noch einmal verstärkten Trends zur Online-Bestellung. Leider würden viele Kartons nur gefaltet und nicht zerkleinert in die Container gegeben. Das sei ein Problem. Denn „falten sich diese im Inneren der Container wieder auf, ist schnell das zur Verfügung stehende Volumen aufgebraucht.“ Die AWRM empfiehlt deshalb, Kartonagen besser auf den Recyclinghöfen oder Deponien abzugeben – so dass dann die Altpapiercontainer für das genutzt werden können, wozu sie dem Namen nach ja dienen: der Entsorgung von Papier.“

Zu Vermüllungen kam es in Rudersberg zuletzt vor allem an den beiden Containern bei der Gemeindehalle und am Freibad. Einmal pro Woche werden diese Standorte gesäubert, doch in manchen Wochen reiche das nicht aus, sagt Bürgermeister Raimon Ahrens. Über die Ursachen für die vermehrte illegale Müllablagerung kann auch er nur mutmaßen: Viele hätten die Zeit des Lockdowns wohl dazu genutzt, ihr Zuhause zu renovieren und zu entrümpeln.

Corona kann keine Entschuldigung für illegale Müllentsorgung sein

„Die Einschränkungen bei der Öffnung von Deponien und Wertstoffsammelstellen während der Corona-Pandemie können aus meiner Sicht jedoch keine Entschuldigung für das illegale Entsorgen von Müll sein“, findet der Rudersberger Bürgermeister.

Die Container der AWRM werden in der Regel einmal pro Woche geleert. Als die Wertstoffhöfe und Deponien wegen der Pandemie zeitweise geschlossen waren, habe man diesen Rhythmus angepasst, sagt AWRM-Pressesprecherin Stefanie Baudy. So etwas komme häufiger vor: „Sollte es an einzelnen Containerstandorten wiederholt zu Überfüllungen kommen, wird der Abfuhrrhythmus angepasst.“

Für die Sauberkeit um die Container müssen die Kommunen selbst sorgen

Das gelte jedoch nur für die Leerung der Container selbst. Für die Reinigung der Standorte seien nämlich die Kommunen verantwortlich. Von den Dualen Systemen und der AWRM erhalten sie dafür ein entsprechendes Reinigungsentgelt.

„Nahezu täglich“ sei inzwischen ein Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde deshalb in Plüderhausen unterwegs – auch an den Wochenenden und in den Abendstunden. „Wir hoffen, ab und zu einige Schmutzfinken zu ertappen“, sagt Bürgermeister Schaffer. Das geschehe „leider bisher sehr selten“. Deswegen kontrolliere die Gemeinde inzwischen häufiger.

Erwischt werden leider nur wenige Müllsünder

Mindestens ein- bis zweimal pro Woche finden solche Kontrollen in Rudersberg statt. Darüber hinaus schauen in der Gemeinde sogenannte Container-Paten nach dem Rechten. Müllsünder werden aber nur selten erwischt, berichtet Bürgermeister Ahrens. Und wenn, dann spiele dabei oft der „Kommissar Zufall“ eine Rolle.

Verstöße werden aber ohnehin nicht auf Gemeindeebene, sondern bei der Unteren Abfallrechtsbehörde des Landratsamts geahndet. In Baden-Württemberg können bei Hausmüll Bußgelder von bis zu 500 Euro verhängt werden, bei Sperrmüll gar bis zu 2500 Euro. Für Letzteres müssten jedoch schon mehrere Gegenstände auf einer Fläche von über einem Kubikmeter beziehungsweise 200 Kilogramm entsorgt worden sein.

Die Müllmenge hat während der letzten Wochen nicht zugenommen

Auch wenn die Container einen anderen Eindruck vermitteln: Dass der Müll zuletzt insgesamt zugenommen hat, dafür gibt es keine eindeutigen Hinweise. Das Restmüllheizkraftwerk Stuttgart hat laut AWRM gerade mal anderthalb Prozent mehr Restmüll als im Vorjahreszeitraum angeliefert bekommen. Deutlich zugenommen hätten jedoch die Anlieferungen auf die Deponien. Doch die waren während der Corona-Pandemie ja auch zeitweise geschlossen.

Trotzdem sorgte die Pandemie für Probleme in den Kommunen, besonders während der ersten Zeit des Lockdowns. „In Urbach haben wir das spezielle Problem mit dem Schnellrestaurant mit dem großen M“, berichtet Achim Grockenberger vom Ordnungs- und Kulturamt der Gemeinde.

Fast-Food-Müll sorgte in Urbach für Ärger

Im Zuge des Lockdowns hatte das Fast-Food-Restaurant auf Urbacher Gemarkung nicht nur seinen Restaurantbereich geschlossen, sondern auch seinen Parkplatz. Das hat laut Achim Grockenberger dazu geführt, dass die Kunden ihre Speisen an anderen Orten in der Gemeinde verzehrt haben. Er nennt unter anderem die nahe gelegenen Parkplätze in den Mühlwiesen und an der Auerbachhalle. „Da hat es ziemlich schlimm ausgesehen“, sagt er. Oftmals sei es wohl so gewesen, dass Menschen einfach ihre Fenster heruntergekurbelt und leere Tüten und Verpackungen hinausgeworfen haben. Der Urbacher Bauhof hat an den betroffenen Stellen inzwischen weitere Mülleimer aufgestellt.

„Die Sitten und die Moral schwinden immer mehr“, sagt Achim Grockenberger ganz allgemein zum Müllthema. Gerade an den Treffpunkten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehe es oft wüst aus. Und auch in Urbach wird immer wieder Müll an Recycling-Containern abgestellt, der dort eigentlich nicht hingehört. „Bei einem Fall im April konnten wir Anzeige erstatten“, berichtet Grockenberger. Eine aufmerksame Anwohnerin habe sich bereiterklärt, als Zeugin zur Verfügung zu stehen. „Das kommt aber leider selten vor“, so Grockenberger. „Viele regen sich auf, haben aber, wenn es um Zeugenaussagen geht, nicht die nötige Zivilcourage.“

Die Gemeinde Remshalden hat ähnliche Probleme. Besonders nach langen Wochenenden stellen Menschen dort unerwünschten Müll an Sammelcontainern ab. Es ist nicht unüblich, dass die Mitarbeiter der Verwaltung an Altglas- oder Altpapiercontainern Elektroschrott finden. Wie in Urbach gibt es außerdem Probleme mit Müll, den die Gäste von Fast-Food-Restaurants unter anderem in den Weinbergen um die Gemeinde hinterlassen. Coronabedingte Müllablagerungen mögen befristet sein – die ganz allgemeinen Müllprobleme der Kommunen aber wohl eher nicht.

Überfüllte Container können übrigens bei der AWRM online gemeldet werden.

Wer in den letzten Wochen Altpapier- oder Altglascontainer aufsuchte, dem bot sich an vielen Orten ein ähnlicher, unerfreulicher Anblick: Kartonagen, die sich meterhoch stapeln, völlig überfüllte Container – und wilder Müll aller Art, von Kleidung über Wandfarbe bis zu Restmülltüten mit Lebensmitteln auf dem Boden. Dass an Containern, zumal abseits gelegenen, hin und wieder illegal Abfall entsorgt wird, ist nichts Ungewöhnliches. Zuletzt schien dies aber gefühlt deutlich zuzunehmen. Doch

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