Rudersberg

Von Klimaschutz bis Nachverdichtung: Wie soll sich Rudersberg weiterentwickeln?

Rathaus Rudersberg
Das Rudersberger Rathaus. © Gabriel Habermann

Die Gemeinde Rudersberg wird in den kommenden Jahren viel investieren müssen: in einen Neubau des Feuerwehrgerätehauses, aber auch in das Kanal- und Leitungsnetz, in Straßen, Hallen und Schulen. Insgesamt 28 Millionen Euro sind dafür bis 2025 eingeplant. Noch ist der Haushalt für das kommende Jahr, in dem vieles davon angestoßen wird, nicht verabschiedet. An diesem Samstag wird der Gemeinderat ab 9 Uhr in der Gemeindehalle darüber beraten. In ihren Haushaltsreden haben die Fraktionen schon mal dargelegt, wo sie ihre inhaltlichen Schwerpunkte setzen.

Wolfgang Bogusch fordert „Netto null beim Flächenverbrauch“

Für Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger, RB) ist das ganz klar der Klimawandel. „Das aktuell Bedrückendste ist nicht wirklich das Bedrohlichste“, meinte er mit Blick auf die Pandemie. Ein „Weiter so“ könne es in Rudersberg hier nicht geben. „Netto null sollte beim Flächenverbrauch auch unser Ziel sein, wovon wir leider weit entfernt sind“, womit er die aus seiner Sicht falsche Entscheidung für den Bau eines Rewe-Markts in Michelau meinte.

Das damit verbundene Wohngebiet „Mittelfeld“ solle nach den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens umgesetzt werden. Auch ein Konzept gegen die Lichtverschmutzung verlangte er in diesem Zuge von der Verwaltung. Künftig müsse der Klimamanager außerdem „bei relevanten Entscheidungen grundsätzlich eine aussagekräftige Bewertung der Auswirkungen vorlegen“.

Mehr Fotovoltaik auf gemeindeeigenen Gebäuden, auch das forderte der RB-Rat. 50.000 Euro sollen dafür angesetzt werden. Und er wünschte sich „einen umfassenden Grünpflegeplan, der den Artenschutz im Fokus hat“.

Ortskernsanierung und Barrierefreiheit

Rudersberg sollte sich, so Bogusch weiter, der Initiative „Fair Trade Town“ anschließen, denn „fairer Handel sowohl unter allen Akteuren als auch mit regionalem Bezug muss gerade auch auf kommunaler Ebene gelebt werden“.

Bei der Ortskernentwicklung in Schlechtbach forderte er „ein Vorgehen mit gesundem Menschenverstand“, das gelte für die zuletzt diskutierten Brückensanierungen sowie für den künftigen Standort des Ortsamtes. „Zu einer Bebauung der Grünflächen im Schulhof sagen wir klar Nein. Bebaute Flächen neu zu gestalten, das wäre - wenn nötig – der richtige Weg.“ Wenn ein neues Gemeinschaftshaus sinnvoll wäre, dann dort, wo heute das gemeindeeigene Gebäude an der Wieslaufbrücke steht.

Ein Vorschlag für das geplante Feuerwehrgerätehaus

Mehr Engagement sei nötig beim Thema Barrierefreiheit, so Bogusch – und das über die Barrierefreiheit bei Bushaltestellen hinaus. Die Verwaltung bat der RB-Rat um eine entsprechende Bestandsaufnahme.

Für das neue Feuerwehrgerätehaus machte Bogusch angesichts der derzeitigen Pro-Kopf-Verschuldung von mehr als 2000 Euro folgenden kostensparenden Vorschlag: ein Neubau 350 Meter weiter Richtung Weru. „Dann brauchen wir kein teures Provisorium für die Feuerwehr“, und an der alten Stelle könnte ein Wohn- und Geschäftshaus gebaut werden, „dann haben wir knapp eine Million Euro gespart“.

„Stillstand ist Rückschritt“, findet Thomas Keller

„Rudersberg muss sich bewegen“, meinte Thomas Keller (Freie Wähler) in seiner Haushaltsrede, denn „Stillstand ist Rückschritt“. Dazu gehöre nicht nur die Innenentwicklung, dazu zählten auch Neubaugebiete, die „mit Maß und Ziel entwickelt werden“ sollten. Dabei gelte es, den Erhalt von Rudersberg mit seiner Natur, den Streuobstwiesen und landwirtschaftlichen Flächen sorgsam zu bedenken. Wohnraum solle auch künftig bezahlbar bleiben. Und Bürger sollten sich bei allen Flächennutzungs-Entscheidungen einbringen. „Dafür werden wir uns engagieren und starkmachen.“

"Eine Naherholungsoase" bei der Ölmühle in Michelau

Wichtig sei bei all dem ein ausgeglichener Haushalt. Die Investitionen in die Feuerwehren in Steinenberg und Necklinsberg sowie der Neubau fürs Feuerwehrgerätehaus Rudersberg seien nur mit Krediten zu stemmen. Auch stiegen die Kosten für die Unterhaltung des „Wiesels“ um rund zehn Prozent. Sollten die Loks durch elektrische Antriebe ersetzt werden müssen, kämen enorme Kosten auf die Gemeinde zu.

Zum geplanten Freizeitareal in Michelau wünschte sich Keller „eine Naherholungsoase für Kinder, Wanderer und Radfahrer zum kleinen Imbiss und Verweilen im Bereich der Ölmühle.“  Hierbei sollten die Bürger und der bestehende Imbissbetrieb mit ins Boot geholt werden.

Umweltschutz und die Einsparung von CO2 sei ein wichtiges Anliegen. „Daher erwarten wir sehnlichst die beschlossenen Energieberichte, um eine Diskussionsgrundlage für weitere Sanierungsarbeiten oder Energieeinsparungen zu haben.“

Keller nannte dann noch zwei Wünsche: Der Bus zur Schülerbeförderung solle wieder hergerichtet oder durch einen neuen ersetzt werden. Und die Lüftungsanlage im Kindergarten Villa Sonnenschein sollte erneuert werden. 150.000 Euro würde dies kosten, 80 Prozent davon wären förderfähig.

„Zuzug konstruktiv und nicht ablehnend begegnen“, wünscht sich Fatima Bischoff

Fatima Bischoff sprach im Namen der CDU-Fraktion vor allem von den Herausforderungen, vor denen Rudersberg steht. Beim Haushalt seien dies die Unsicherheiten auf der Einnahmenseite und die geplante hohe Investitionssumme.

Rudersberg müsse auch künftig attraktiv bleiben, das sei nur möglich „mittels Zuzug, insbesondere von Familien und Fachkräften“.

Erste Herausforderung: Personal

Vier große Herausforderungen benannte Bischoff dann in ihrer Rede. Erstens: die Personalgewinnung. Hier forderte sie ein Personalkonzept mit einem „ganzheitlichen, umfassenden Ansatz“, bei dem auch Fragen des Wohnraums, der Freizeitgestaltung und der Bezahlung eine Rolle spielen.

Zweite Herausforderung: Investitionsstau

Als zweite Herausforderung nannte sie den Investitionsstau in der Gemeinde – vor allem im Bereich der Kanäle und Leitungen. Hier forderte sie zeitnah eine Priorisierungsliste zum Erhalt und zur Verbesserung. Außerdem stellte die Fraktion einen Antrag auf Errichtung einer Verbindung zwischen der Sporthalle Oberndorf und dem Gebiet Lupinenweg/Bühlgärten.

Dritte Herausforderung: Kilmawandel

Die dritte Herausforderung sei der Klimawandel. Eine reine Orientierung am Flächenverbrauch führt aus Sicht der CDU aber „zu nichts außer Stillstand“. Weitere Punkte sollten daher bei Projekten berücksichtigt werden: der CO2-Ausstoß, das Recycling von Baumaterialien sowie die gesamte Umweltbilanz eines Projekts. Bei ebenerdigen Parkflächen wie beim Rewe-Neubau in Michelau sollte eine Überdachung mit Fotovoltaik-Anlagen geprüft werden.

Bei der Innenentwicklung und Nachverdichtung sollten Leitlinien für zukünftige Projekte erarbeitet und Wert darauf gelegt werden, dass nicht zu sehr nachverdichtet wird. „Rudersberg mit allen seinen Teilorten sollte weiterhin erkennbar sein.“ Außerdem wünscht sich die Fraktion ein aktives Leerstandsmanagement.

Vierte Herausforderung: Gesellschaftliches Miteinander

Als vierte Herausforderung nannte Fatima Bischoff das gesellschaftliche Miteinander. „Zu wenig Bewegung führt bekanntlich zu Stillstand - das gilt auch für Kommunen“, so die CDU-Rätin. Rudersberg sei nicht mehr nur das Dorf, „das komplett aus sich selbst heraus leben“, so Bischoff. „Wir wünschen uns, diesem Zuzug konstruktiv und nicht ablehnend zu begegnen.“

Weitere Forderungen der Fraktion: eine Jahreskarte für alle drei Rudersberger Bäder, eine Übersicht über sämtliche Naherholungsangebote, ein Sachstandsbericht zur Sprachförderung in den Kitas, eine Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit an den Grundschulen, eine Konzeption zur Weiterentwicklung der Schulsozialarbeit sowie zeitnah ein geeigneter Platz für einen Hundetrainings- und -spielplatz.

Ein Lob für die Diskussionskultur und den Kämmerer von Frank Bossert

Frank Bossert fasste sich im Namen der SPD-Fraktion dann kurz. Er berichtete, dass in der Bürgerschaft die Einstimmigkeit von Beschlüssen im Gremium immer wieder kritisiert werde. Doch wo gesunder Menschenverstand Grundlage von Entscheidungen sei, führe diese oft nach dem Abwägen aller Argumente zum selben Ergebnis – „unabhängig davon, aus welcher Sicht die Dinge zu Anfang betrachtet werden“. Er lobte das Gremium für seine „um der Sache willen streithafte Diskussionskultur“.

Uneingeschränkte Zustimmung zum Haushalt

Bossert lobte sodann auch „den sorgfältigen Umgang der Gemeindeverwaltung mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln“. Insbesondere der „weisenVoraussicht“ des Kämmerers Thomas Krapf und seiner „soliden Finanzplanung“ sei es zu verdanken, dass in Rudersberg mehr als nur das Pflichtprogramm möglich sei. Dem Haushaltsplan könne er darum „uneingeschränkt zustimmen“.

Bezüglich des neuen Feuerwehrgerätehauses bat er seine Gemeinderatskollegen darum, die Wünsche der Feuerwehr anzunehmen, „sollte auch damit eventuell eine Erhöhung der Kosten einhergehen“.

Wünschenswert aus SPD-Sicht wäre ein Konzept zur Klimafolgenanpassung, eine Bedarfsplanung für ältere Mitbürger mit Handlungsempfehlungen zur Pflegestruktur sowie ein Ersatzrasenmäher für den Freibadverein.

Der SPD-Rat liebäugelte zudem mit der Idee eines generellen Böllerverbots. Stattdessen könne ja über ein zentrales Feuerwerk der Gemeinde nachgedacht werden.

Die Gemeinde Rudersberg wird in den kommenden Jahren viel investieren müssen: in einen Neubau des Feuerwehrgerätehauses, aber auch in das Kanal- und Leitungsnetz, in Straßen, Hallen und Schulen. Insgesamt 28 Millionen Euro sind dafür bis 2025 eingeplant. Noch ist der Haushalt für das kommende Jahr, in dem vieles davon angestoßen wird, nicht verabschiedet. An diesem Samstag wird der Gemeinderat ab 9 Uhr in der Gemeindehalle darüber beraten. In ihren Haushaltsreden haben die Fraktionen schon

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper