Rudersberg

Was braucht Rudersberg?

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Wie geht es den Rudersberger Sportvereinen? Snezana Strobel, Erste Vorsitzende des TSV Rudersberg, Ulrich Bosch, Zweiter Vorsitzender des TSV Oberndorf (Mitte), und Christoph Schneider, Vorsitzender der Sportfreunde Steinenberg, berichten. Nicht im Bild ist Dr. Gottfried Burock, Vorsitzender des TSV Schlechtbach, der beim Termin kurzfristig nicht mit dabei sein konnte. Unsere Zeitung hat separat mit ihm gesprochen. © Palmizi/ZVW
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Rudersberg. Was braucht Rudersberg? Dieser Frage geht unsere Serie „Wahl-Check“ nach. Wir haben Bürger, Engagierte und Entscheider im Ort getroffen, haben gehört, wie es geht, wo „der Schuh drückt“. Und wir haben sie gefragt, was sie vor der Wahl von den bisher vier Bürgermeister-Kandidaten wissen wollen.

Folge eins: die Sorgen der großen Sportvereine.

Ladys first: Viel hat sich getan beim TSV Rudersberg, berichtet Snezana Strobel, Erste Vorsitzende des TSV Rudersberg. Rund 1100 Mitglieder zählt Rudersbergs größter Sportverein. Auf mindestens 100 Engagierte beläuft sich die Zahl der Helfer, Übungs- und Abteilungsleiter. Snezana Strobel weiß, was sie vor der Bürgermeister-Wahl brennend interessiert: die Sportstätten-Frage. Die Diskussion ist ihr im Gedächtnis geblieben wie „ein böser Zahn, der noch immer wehtut“. Damals hatte die Gemeinde erwogen, die Sportstätten des TSV Rudersberg und des TSV Schlechtbach zusammenzulegen und in Schlechtbach ein neues Sportvereinszentrum zu bauen. Auf dem Areal des TSV Rudersberg hätten Wohnhäuser gebaut werden sollen. Die Sportstätten zusammenlegen? „So, wie es damals gelaufen ist: nein“, sagt Snezana Strobel. Schlecht vorbereitet gewesen sei das Vorhaben, „man hätte auf die einzelnen Vereine zugehen müssen“.

Das „Fass“ der Sportstättenfrage nicht wieder aufmachen

Die Sportler haben sich gegen die Zusammenlegung entschieden. Der TSV Rudersberg hat nun seine Sportstätte fleißig saniert. „Dadurch, dass wir so viel investiert haben, muss ich mich klar für den Meikenmichel positionieren“ sagt Snezana Strobel. Das „Fass“, meint sie zur Sportstättenfrage, müsste man nicht wieder aufmachen.

„Das kann ich sehr gut verstehen“, sagt Dr. Gottfried Burock, Vorsitzender des TSV Schlechtbach mit mehr als 600 Mitgliedern. Er habe zwar zunächst die Idee befürwortet, fand aber dann, dass die Planungen für das Budget nicht machbar seien. Auch er müsste die Sportstättendiskussion nicht erneut führen, man solle es „so lassen, wie es ist“.

„Es drücken zwei Schuhe“

Den Vorsitzenden des TSV Schlechtbach plagen ohnehin andere Probleme. Wo drückt der Schuh? „Es drücken zwei Schuhe“, sagt Dr. Burock. Sanierungen stehen an. Das Untergeschoss des Vereinsheims gehört eigentlich der Gemeinde. „Da müsste einiges getan werden.“ Heizung und Heizkessel sind veraltet. Bei der Gemeinde muss man im September einen Antrag für das nächste Jahr stellen, sagt Dr. Burock. Wenn aber der Heizkessel ausfalle, könne man nicht ein Jahr warten. „Da ist die Gemeinde zu unflexibel.“

Die Turnhalle ist ebenfalls in die Jahre gekommen. „Wir wollen für das nächste Jahr einen Antrag stellen, dass der Hallenboden von der Gemeinde mitfinanziert wird.“ Der Verein hat schon investiert. Etwa in den Tennis-Anbau oder die Tennishalle wurden je rund 50 000 Euro gesteckt, ohne Zuschuss-Antrag, so Dr. Burock. Aber: „Wenn man so im Stillen vor sich hinarbeitet, kommt wenig Würdigung zurück.“

Beim TSV Oberndorf kümmert sich Ulrich Bosch als Zweiter Vorsitzender um vieles. Auch er hatte die Debatte um die Sportstättenfusion aufmerksam verfolgt. „Der Grundgedanke war bestimmt nicht schlecht. Aber das war nicht ausgereift.“

Die Mobilität ist groß, die Leute gehen auch woanders hin

Bosch weiß um die Verbundenheit mit der Sportstätte: „Der Meikenmichel ist auch nicht unbedingt einfach entstanden.“ Da stimmt Snezana Strobel zu, berichtet von „sehr, sehr viel Herzblut“, das in den Vereinsanlagen steckt, und starken Emotionen.

So einen Gemeinschaftssinn gibt es noch, meint Ulrich Bosch, „aber nicht mehr in der Breite“. Die Bindung zu einem Verein sei heute lange nicht mehr so wie früher. Die Mobilität ist groß, es dauert seine Zeit, in einem Verein angekommen zu sein, da gehen die Leute durchaus woanders hin. Der TSV Oberndorf zählt 380 Mitglieder, „Wir waren auch schon 460“, weiß Bosch. „Die Ortsbindung ist nicht mehr so wie früher. Man muss schon einiges lostreten, um ein ordentliches Sportprogramm zu bieten.“

Mit sieben Jahren war Ulrich Bosch zum ersten Mal im Sportverein. Christoph Schneider, Vorsitzender der Sportfreunde Steinenberg, ist in seinem Verein seit der Gründung aktiv. Er berichtet auch von Problemen, für sehr langjährige Mitstreiter Nachfolger zu finden. Hört in einer Abteilung eine der „tragenden Säulen“ auf, „hinterlässt sie eine Lücke, die nicht so schnell zu füllen ist“. Das, was einer geschafft hat, machen dann zwei, drei Leute. Die anderen Vereinsvorsitzenden kennen das.

„Die Geselligkeit ist mindestens so wichtig wie der Sport“

750 Mitglieder zählen die Sportfreunde, rund 1600 Einwohner hat Steinenberg. Das ist ordentlich, zumal es keine Fußballabteilung gibt. Und Christoph Schneider weiß: „Die Geselligkeit ist mindestens so wichtig wie der Sport.“ Die wird geschätzt. Die Tendenz geht wieder dorthin, stellt Schneider fest. Snezana Strobel nickt, spricht von einer Rückbesinnung auf den Menschen als Gegenüber.

Vereinsbindung ist nicht mehr so gefragt, Geselligkeit im Verein aber schon, nur einer der Widersprüche, mit dem die Sportvereinsvorsitzenden klarkommen müssen. Ein anderer: So ein Verein ist ein mittelständisches Unternehmen, geführt im Ehrenamt, mit Aufgaben, die beileibe nicht nur den Sport betreffen. Der TSV Oberndorf etwa hat eine vereinseigene Halle. Da fallen Kosten für die Pflege an, für die Dachsanierung, Fenster, und so weiter. Immobilienverwaltung und Sportbetrieb müssen organisiert werden. Dazu kommen viele Veranstaltungen, die die Sportvereine stemmen.

„Wir sind am Anschlag im Ehrenamt“

Und dann gibt es noch Anliegen, bei denen auch versierte Vereinsvorsitzende Unterstützung brauchen könnten. Etwa bei Baufragen. Oder, wenn die Straßenbeleuchtung an der Halle lang kaputt ist und die Vereinsmacher sich mit der Störungsstelle herumschlagen. Oder, wenn der Fußweg vom Ort zur Halle erneuert werden muss. Oder, wenn die Idee eines gemeinsamen Flyers mit den Angeboten der Sportvereine im Ort aufkommt. „Wir sind am Anschlag im Ehrenamt“, sagt Ulrich Bosch. Mehr Beratungshilfe von der Gemeinde, das wäre was, und Entlastung bei den Infrastrukturen, ist sich die Runde einig. Das lohnt sich, wissen die Vorsitzenden um die Stärken der Rudersberger Sportvereine. „Was hier geboten wird, ist genial“, bringt es Ulrich Bosch auf den Punkt.

Zwei Fragen an die Bürgermeister-Kandidaten

In unserer Serie „Wahl-Check“ bitten wir unsere Gesprächspartner, ein bis zwei Fragen, die sie mit Blick auf die Rudersberger Bürgermeisterwahl am 21. Januar besonders interessieren, zu formulieren. Wir leiten die Fragen an die vier Kandidaten mit der Bitte um Beantwortung weiter. Die vier Rudersberger Sportvereinsvorsitzenden haben sich auf zwei Fragen geeinigt. Ihre Fragen und die Antworten der Bürgermeisterkandidaten lesen Sie im Artikel unten. Eine weitere Folge der Serie „Wahl-Check“ erscheint in der Samstagsausgabe.


Rudersberg. Zur Sportstättenfrage hat Bürgermeister Kaufmann bei seiner Verabschiedung geraten, sie noch einmal anzugehen, „wenn die Zeit reif ist“. Dabei geht es um ein Zusammenlegen von Sportstätten des TSV Rudersberg und des TSV Schlechtbach, das mehrheitlich abgelehnt wurde. „Wie positionieren Sie sich dazu, und warum?“ Das haben wir die Bürgermeister-Kandidaten gefragt. Und: „Wie kann die Gemeinde das Ehrenamt im Sport fördern, auch bei Sachfragen und Infrastrukturen?“ Hier kommen die Antworten.

Rüdiger Burkhardt

Zur Frage Nummer eins:

„Auf der einen Seite ist mit der Zusammenlegung von Sportstätten eine bessere Bedarfs-Anpassung, zum Beispiel für Kinder und Senioren, möglich. Auf der anderen Seite fühlen sich Menschen mit ihrer ortsnahen Sportstätte verbunden und wollen sie ungern aufgeben. Dies ist gegeneinander abzuwägen. Eine Verbundenheit sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden. In vergleichbaren Problemlagen wird ähnlich abgewogen. So werden ortsnahe Wasservorkommen geschützt, auch wenn eine überörtliche Wasserversorgung preisgünstiger ist. Sobald sich vermehrt Stimmen zum Sportstättenkonzept äußern, werde ich das Thema aufgreifen. Als Bürgermeister ist es dann meine Aufgabe, mit Bürgerschaft, Sportvereinen und Gemeinderat zielführend eine demokratische Entscheidung über die Konzeption herbeizuführen.“

Zu Frage Nummer zwei: „Sport mit seinem Anspruch an Fairness, Chancengleichheit und Gerechtigkeit ist einer der wertvollsten Beiträge zu einem gut funktionierenden und sozialen Gemeinwesen. Die Unterstützung des Ehrenamts im Sport ist mir daher sehr wichtig. Bereits heute bezuschusst die Gemeinde Sportvereine für interne Sachaufgaben mit 40 000 Euro jährlich. Jeder Verein hat bei der Gemeinde einen Ansprechpartner für Sachfragen. Zudem finanziert die Gemeinde wichtige Sport-Infrastruktur wie die Wieslaufhalle, verschiedene Sportplätze sowie die Freibäder Rudersberg und Steinenberg mit 630 000 Euro jährlich. Nicht zu vergessen sind die regelmäßigen Sportlerehrungen der Gemeinde. Diese Anstrengungen möchte ich gemeinsam mit den Vereinen und dem Gemeinderat weiterentwickeln und auch neue Ideen aufgreifen.“

Raimon Ahrens

Zu Frage Nummer eins: „Die Zusammenlegung der Sportstätten wurde von den Vereinsmitgliedern beider Vereine mehrheitlich abgelehnt, das gilt es zu respektieren. Die Mitglieder sind ihrem Verein und ihren Sportstätten emotional verbunden und haben in diese nicht selten viel Geld und zahlreiche Arbeitsstunden investiert. Darum können Themen wie die Zusammenlegung von Sportstätten oder die Fusion zweier Vereine nur dann erfolgreich gestaltet werden, wenn der Wunsch oder die Notwendigkeit von der Basis formuliert beziehungsweise festgestellt wird. Wenn das Thema von Vereinsseite aus an die Verwaltung herangetragen würde, dann sähe ich es als meine Aufgabe an, einen solchen Prozess positiv zu begleiten und gemeinsam mit den Sportlerinnen und Sportlern umzusetzen.“

Zu Frage Nummer zwei: „Nicht nur im sportlichen Bereich unterstützt die Gemeinde ehrenamtliches Engagement über die finanzielle Förderung im Rahmen der Vereinsförderrichtlinien. Darüber hinaus kann die Gemeinde bei der Gewinnung von Fördergeldern Unterstützung anbieten oder zum Beispiel durch die Mitgliedschaft in übergeordneten Vereinen und Verbänden, wie etwa der Sportregion Stuttgart, den Zugang zu weiteren Fördertöpfen ermöglichen. Weiterhin könnte durch die Schaffung eines zentralen Ansprechpartners für Themen aus dem Ehrenamt und den Vereinen die Kommunikation vereinfacht und die Unterstützung der Vereine in komplizierten Sachfragen verbessert werden.“

Martin Herrmann

Zu Frage eins: „Als Bürgermeister begegne ich ehrenamtlichem Engagement mit Respekt und Wertschätzung. Das bedeutet hier: Zusammenlegung von Sportstätten oder andere, in Bestand und Selbstverständnis der Vereine eingreifende Entwicklungen dürfen nicht von der Verwaltung bestimmt und verordnet werden, sondern können sich nur aus den Vereinen selbst entwickeln, eben „wenn die Zeit reif ist“. Aus der Weiterentwicklung zum Beispiel von Spielgemeinschaften beider Vereine kann sich aus diesen heraus ergeben, dass zukünftig über gemeinsame Spiel- und Sportstätten nachgedacht wird.“

Zu Frage Nummer zwei: „Ehrenamtliches Engagement erfüllt wichtige Integrations- und Gemeinwohlfunktionen, es sorgt für sozialen Kitt in unserer Gesellschaft. Neben Selbsterfahrung und Kompetenzgewinn ist Anerkennung die wichtigste Triebfeder ehrenamtlichen Engagements. Diese Anerkennung durch die Gemeinde gilt es auszubauen, zum Beispiel durch Einführung einer „Ehrenamtscard“ als Dankeschön an besonders engagierte Bürger/innen, die sich zum Beispiel mehr als fünf Stunden pro Woche für das Gemeinwohl einsetzen. Sie bietet Vergünstigungen beim Besuch öffentlicher Einrichtungen, Veranstaltungen, Kinos, im Einzelhandel et cetera. Die Vereinsförderung ist so aufzustellen, dass in den Vereinen lebensfähige Strukturen erhalten bleiben. Aus der Selbstständigkeit der Vereine verbietet sich allerdings ein direktes Eingreifen der Gemeinde bei Sachfragen, die Kompetenzen sollen auch zukünftig bei den Vereinen verbleiben. Bei der Infrastruktur wird die Gemeinde durch den Bauhof unter anderem für Unterstützung bei Erhalt/Pflege der Spielstätten und Vereinsanlagen sorgen.

Stefan Walter

Zu Frage eins: „Bei allen Vorteilen, welche in der Sportstätten-Konzeption liegen, hat der Prozess dazu eines gezeigt: Ein Zusammenführen von Vereinen sollte nicht von außen vorbestimmt werden. Hier sollte ein inneres Zusammenwachsen einem äußeren Zusammengehen vorangehen. Durch das klare Votum der Vereinsmitglieder vor vier Jahren wurde inzwischen jedoch einiges in die Sanierung der bestehenden Standorte investiert. Daher ist für mich die Zeit jetzt noch nicht reif für ein Zusammenlegen der Sportstätten. Die Gemeinde sollte aber eine Plattform zum Austausch bieten, um weitere Synergien zwischen den Vereinen nutzbar zu machen und das Miteinander zu stärken.“

Zu Frage zwei: „Ich sehe es als sehr hilfreich an, einmal jährlich einen Runden Tisch „Sport“ zu initiieren, um dabei gezielt einen Austausch über aktuelle Entwicklungen zu ermöglichen. Die Vereine sollen nicht nur als Bittsteller auftreten müssen, sondern durch regelmäßigen Kontakt und klare Ansprechpartner in der Verwaltung unterstützt werden. Damit die Informationen über die Aktivitäten der Vereine auch die gesamte Gemeinde erreichen, möchte ich anstoßen, dass der Büttel, unser Mitteilungsblatt, allen Haushalten zur Verfügung gestellt werden kann. Die bestehende Vereinsförderung will ich fortführen, ebenso wie die Sportlerehrung in der Gemeinde. Das ehrenamtliche Engagement soll entsprechend gewürdigt und wertgeschätzt werden, denn es ist die Grundlage für ein lebendiges Rudersberg.“


Kurz vor Bewerbungsschluss gibt es eine fünfte Bewerbung für das Amt des Bürgermeisters in Rudersberg, und diesmal ist es eine Frau. Relindis Pfisterer hat ihre Kandidatur erklärt. Da dieser Artikel vor der Bekanntgabe ihrer Kandidatur geschrieben wurde, liegen von ihr noch keine Antworten zu den Fragen vor.