Rudersberg

Wie soll der Ortskern von Schlechtbach künftig aussehen?

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Soll attraktiver werden: Der Ortskern des Rudersberger Teilorts Schlechtbach. © Gabriel Habermann

Die Ortsmitte von Schlechtbach ist nicht besonders attraktiv. Es gibt keinen richtigen zentralen Platz, kaum Einzelhandel, dafür viele Gebäude mit schlechter Substanz – und die Wieslauf fließt in einem Betonkanal neben der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt durch den Teilort von Rudersberg. Das soll sich jetzt ändern.

Finanzielle Mittel für die Umgestaltung sind jedenfalls vorhanden, seit Schlechtbach vor zwei Jahren in das Landessanierungsprogramm aufgenommen wurde. Ein Programm, das bereits in Anspruch genommen wird, wie Bürgermeister Raimon Ahrens in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates berichtete. „Das Programm ist ja auch für Private interessant, da wird schon gewerkelt und geschafft.“

Noch keine Vorentscheidung: Studie zeigt nur auf, was möglich ist

Wie sich „eine ganzheitliche Aufwertung des Ortskerns“ und eine „Erlebbarkeit der Wieslauf“ erreichen lässt, damit hat sich nun eine umfangreiche Machbarkeitsstudie des Planungsbüros Richter-Richard beschäftigt. Deren zentrale Inhalte basieren maßgeblich auf den Ergebnissen eines Workshops mit mehr als 120 Bürgern vor rund zwei Jahren. Die in der Studie genannten Vorschläge sollen aber noch keine Vorentscheidung darstellen, betonte Planer Jochen Richard in der Sitzung: „Wir stehen erst ganz am Anfang des Verfahrens.“

Denkbar wäre etwa eine Neugestaltung des Wieslaufwegs beim Bürgerhaus. Hier hat das Planungsbüro eine Verbreiterung auf zweieinhalb Meter inklusive eines Stegs über die Uferböschung vorgeschlagen. Außerdem sollen bei der Möblierung in Richtung Kindergarten und Kirche kindgerechte Elemente in die Gestaltung einfließen. Der Kirchvorplatz selbst könnte aufgewertet und zu einem Veranstaltungsort mit kleiner Bühne und Sitzgelegenheiten umgestaltet werden.

Verkehrsberuhigung in der Ortsdurchfahrt

Keine Verbreiterung ist in der Studie vorgesehen für die Ortsdurchfahrt selbst, die einen neuen, leiseren Asphalt bekommen soll. Hier ist vielmehr eine Verkehrsberuhigung das Ziel und eine Abflachung des Bürgersteigs wie in der Rudersberger Ortsdurchfahrt denkbar. Auch könnten in diesem Zuge die Parkplätze längs und nicht mehr quer angelegt werden, was für mehr Verkehrssicherheit sorgen würde.

Am vielbefahrenen Knotenpunkt Heilbronner Straße / Lindentaler Straße sieht die Studie eine Ampellösung vor. „Wenn ich die Staus auflösen will am Morgen, brauche ich eine Vollsignalisierung“, sagte Richard.

Als ein zentrales Projekt soll die Wieslauf zugänglich gemacht werden, „das wäre für den Ortskern eine große Verbesserung“, sagte Richard. Denkbar wäre etwa eine Teilrenaturierung mit Ufervegetation, außerdem Treppen und Sitzstufen zum Ufer. In diesem Zuge soll auch die Brücke über den Fluss saniert werden.

Neugestaltung des Rathausplatzes als Herzstück

Diese Maßnahme stünde in Verbindung zum Herzstück der Ortskernsanierung: der Neugestaltung des Rathausplatzes. Fünf Optionen waren dafür zunächst im Gespräch, von denen sich zwei letztlich als die wahrscheinlichsten herauskristallisiert haben: ein Neubau mit Ortsamt, Bibliothek, Ladenlokalen sowie Wohnfläche mit integrierter Mensa oder ein Neubau mit räumlich getrennter Mensa. Die Verwaltung bevorzugt eine integrierte Lösung, weil so mehr Fläche für den Schulhof gewonnen und eine stärkere Öffnung des Platzes zur Wieslauf hin erreicht werden kann.

Bürgermeister Ahrens stellte klar, weshalb eine Mensa in die Planung aufgenommen wurde. Es sei nicht unrealistisch, dass der Anspruch auf Ganztagesbetreuung an Grundschulen komme. „Daher war es uns wichtig, zu prüfen, ob das möglich ist.“

Die 111 Seiten starke und rund 30 000 Euro teure Machbarkeitsstudie, von der hier nur ein Teilausschnitt wiedergegeben werden kann, zeige, „wie viel Herzblut auch von der Bevölkerung in Schlechtbach drinsteckt. Wir sind jetzt aber noch nicht an dem Punkt, wo wir über die Details sprechen, das wird dann auch in der Bürgerbeteiligung zu diskutieren sein“. Vieles von der Veranstaltung im Jahr 2019 sei in die Studie eingeflossen. Seit der Vorstellung im Ortschaftsrat vor zwei Monaten habe es dann keine Rückmeldungen mehr dazu gegeben, was die Verwaltung als grundsätzliche Zustimmung interpretiert.

Kritik von den Rudersberger Bürgern

Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger) sah die Pläne für den Neubau des Ortsamts indes kritisch. Zunächst einmal wegen der Kosten: „Denn wir haben drei alte Ortsämter. Wenn wir in einem Ortsamt so richtig in die Vollen gehen, kann es sein, dass andere Ortsteile auch auf die Idee kommen.“ Aber auch, weil für den neu gestalteten Platz Grünfläche versiegelt würde. „Das wäre eine klimapolitisch ganz kuriose Geschichte bei der Richtung, die wir da grade einschlagen“, sagte Bogusch, auf die vielen klimapolitischen Initiativen Bezug nehmend, an denen Rudersberg sich beteiligt. Nicht zuletzt wolle er das Ortsamt nicht voreilig aufgeben und wünschte sich zunächst eine Bestandsanalyse – auch mit Blick auf den Neubau der Mensa. „Können wir alle drei Schulstandorte künftig noch halten?“, fragte er sich.

Stand jetzt sei die Grundschule sehr gut nachgefragt, antwortet Ahrens. „Wir könnten die Schüler an anderen Standorten gar nicht versorgen, deshalb sehe ich einen großen Bedarf.“ Und mit Blick auf das Ortsamt: „Es geht hier um ein multifunktionales Gebäude. Das Ortsamt wäre in diesem Konstrukt nur eine von vielen möglichen Nutzungen.“ Zudem sei in Steinenberg bereits Geld ins Ortsamt investiert worden.

Klimamanager Rudolf Scharer, der auch Ortsvorsteher von Schlechtbach ist, betonte, dass mit dem Neubau explizit keine Vergrößerung des Ortsamts vorgesehen sei. Im Gegenteil: „Wir wollen Fläche schaffen für Multifunktionsräume, die auch von der Bevölkerung genutzt werden können.“ Deshalb soll es auch keinen reinen Sitzungssaal geben und das Büro des Ortsvorstehers künftig weniger üppig ausfallen. Außerdem sei das bestehende Gebäude, wenn er es als Klimamanager betrachte, „ein energetisches Spukschloss“.

Bezahlbarkeit muss noch geklärt werden

Bürgermeister Raimon Ahrens betonte schließlich noch einmal: „Wir sind heute noch nicht im architektonischen Entwurf, sondern schauen an, ob Ideen machbar sind.“ Einige Dinge müssten zeitnah umgesetzt werden. Wegen der rechtlichen Verpflichtung seien dies wohl barrierefreie Bushaltestellen im Teilort. „Natürlich muss man sich noch abstimmen, was man als Erstes macht. Und natürlich geht es dann auch um die Bezahlbarkeit. Vielleicht müssen wir dann auch sagen: Das wäre zwar schön, aber ist nicht bezahlbar.“ Auch ein möglicher Erhalt und die Sanierung des Ortsamts würden deshalb noch geprüft.

Einstimmig erteilte das Gremium der Verwaltung schließlich den Auftrag, auf Basis der Machbarkeitsstudie die mögliche Umsetzung der Maßnahmen zu prüfen.

Die Ortsmitte von Schlechtbach ist nicht besonders attraktiv. Es gibt keinen richtigen zentralen Platz, kaum Einzelhandel, dafür viele Gebäude mit schlechter Substanz – und die Wieslauf fließt in einem Betonkanal neben der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt durch den Teilort von Rudersberg. Das soll sich jetzt ändern.

Finanzielle Mittel für die Umgestaltung sind jedenfalls vorhanden, seit Schlechtbach vor zwei Jahren in das Landessanierungsprogramm aufgenommen wurde. Ein Programm, das

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