Schorndorf

Ärger über Radfahrer auf dem Gehweg in der Gmünder Straße in Schorndorf - und was die Stadt dagegen tun will

Gmünderstrasse
Diese Situation in der Gmünder Straße spiegelt es wider: Die Radfahrerin benutzt widerrechtlich den Fußgängerweg, auf dem gerade eine Frau mit Kinderwagen unterwegs ist. Auch Senioren im Rollstuhl oder mit Rollator sind oft durch die Rücksichtslosigkeit der Radfahrer gefährdet. © Benjamin Büttner

Die Anwohner in der Gmünder Straße sind verärgert: Der ausgewiesene Radweg, direkt neben der Straße, kurz nach dem Kreisverkehr Richtung Urbach, wird von den Radfahrern schlichtweg ignoriert – sie wählen die „Abkürzung“ über den Gehweg. Und das sei nicht nur für die Mütter mit Kinderwagen gefährlich, sondern auch für die Senioren, die dort mit ihren Rollatoren und Rollstühlen unterwegs sind.

„Wir wohnen hier in einer Gegend mit vielen Pflegeheimen und Betreutem Wohnen“, gibt Familie Kranzmaier zu bedenken. Mit Blick auf die Hausnummern 22 und 24 wird deutlich: Ein Schritt vor die Haustür, und man steht direkt auf dem Weg, pfeift dann ein Radler direkt vorbei, kann das unter Umständen gefährlich für beide ausfallen.

Eine Anwohnerin: „Hier haben Gehbehinderte keine Chance“

Ein Vorort-Termin zeigt es: Nur wenige Radfahrer steigen ab. Kinder brausen mit Rollern oder Mountainbikes vorbei. Senioren mit ihrem Rollator können nicht ausweichen, eine Mutter mit Kinderwagen drückt sich eng an die Blumenmauer. „Hier haben Gehbehinderte keine Chance“, sagt eine der Anwohnerinnen und erklärt anschaulich: „Das Schild, das auf den Radweg hinweist, steht erst nach unseren Gebäuden, also nach der Straße ‚Bei der Porzellanmanufaktur’. Oberhalb ist ein Supermarkt – die Radfahrer, die von oben kommen, sausen hier runter und in entgegengesetzter Richtung an diesen Häusern vorbei. Und umgekehrt, Richtung Urbach, fahren die Radfahrer zwar vom Kreisel in die Straße hinein, aber anstatt dann den auf der Straße gekennzeichneten Bereich für Radfahrer nach der Busspur zu nutzen, nehmen sie den Gehweg.“

Nur freche Antworten

Mehrmals habe man sich an die Stadt gewendet – und auch Antwort erhalten: „Wir fangen mal niederschwellig an“, hieß es da. „Und niederschwellig bedeutet da: ‚Wir malen mal ein Zeichen auf den Asphalt, dann wird es jeder sehen’“, erläutert eine andere Anwohnerin die Aussage. „Aber so ein Aufkleber bringt doch nichts“, sagt Gerhard Nitsche (77). „Die Markierung wird nicht beachtet. Das Verhalten der Radfahrer ist eine Katastrophe. Man traut sich kaum mehr, was zu sagen, weil man freche und böse Antworten bekommt.“

Nitsche, der seit zehn Jahren in einem der Häuser wohnt, zeigt auf den Eingang: „Das Haus wurde direkt auf die Grenze gebaut, normalerweise hätte es ein Stück nach hinten versetzt sein müssen. Wir haben ja nicht mal ein Vordach.“ Auch die Feuerwehrzufahrt sei immer durch parkende Autos blockiert, wirft Nitsche ein. Aber das sei ein anderes Thema und fast einen eigenen Artikel in der Zeitung wert.

Das Rad- und Rollatorenproblem habe man beobachtet, seitdem das Haus steht, seit der Gartenschau 2019 habe es sich massiv entwickelt: „Da waren dann plötzlich Gruppen von bis zu zehn Radlern auf dem Gehweg – wo will man da mit seinem Rollstuhl hin?!“ Beispiele kann ein Anwohner-Ehepaar genügend aufführen.

Unmut ist der Stadtverwaltung bekannt

Josef Gillich ist mit seinen 87 Jahren auf den Rollator angewiesen. Er wohnt in einer der Eigentumswohnungen: „Wenn ich in den Stadtpark gehe, dann fühle ich mich mit dem Rollator sicherer. Aber sobald ich aus der Türe gehe, begebe ich mich in Gefahr.“ Oft sei er so erschrocken, wenn Radfahrer angerast kämen, das Summen des Motors eines E-Bikes höre er auch nicht mehr: „Ich bin an beiden Hüften operiert, ich kann mich nicht so schnell wegdrehen. Manchmal streift mich dann sogar ein Radfahrer und entschuldigt sich nicht mal.“ Gerade als Gillich seinen Satz beendet hat, nähert sich eine Radfahrerin. Sie nimmt die kleine Gruppe, die im Gespräch ist, wahr, steigt aber nicht ab. Sie bemerkt wohl, dass es um den Radweg geht, und ruft der Gruppe zu: „Ich traue mich nicht, bei diesem Verkehr mit diesen vielen Autos auf dem Radweg da neben der Straße zu fahren.“ Die Gesprächspartner tauschen Blicke aus: „Das soll ein Argument sein?! Aber auf dem Gehweg absteigen ist zu viel verlangt, oder was?!“ – Fassungslosigkeit bei den Anwohnern. „Aber so was erleben wir ja jeden Tag.“ Kein Einzelfall also.

Bei der Stadt Schorndorf ist der Unmut bekannt: „Wir haben die Situation bereits seit längerer Zeit im Blick“, bestätigt Jörn Rieg, der die kommissarische Leitung des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung innehat. „Besonders, wenn die Radfahrsaison beginnt, kommt es an der beschriebenen Stelle vermehrt zu gefährlichen Situationen.“ Der städtische Vollzugsdienst sei daher seit geraumer Zeit zu regelmäßigen Kontrollen vor Ort, um die Radfahrer, die den Fußweg widerrechtlich nutzen, zu verwarnen. Rieg: „Dauerhafte Kontrollen können jedoch nicht gewährleistet werden.“ Auch der Fachbereichsleiter weiß, dass Beschilderung und Markierung bewusst ignoriert werden: „ Einsicht für das Fehlverhalten besteht selten.“

Jörn Rieg und sein Team wollen gemeinsam mit der Polizei die Situation nochmals prüfen und die verkehrsrechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen: „Auch uns liegt viel daran, die ‘schwächeren’ Verkehrsteilnehmer – in diesem Falle die Fußgänger – zu schützen.“

Die Anwohner in der Gmünder Straße sind verärgert: Der ausgewiesene Radweg, direkt neben der Straße, kurz nach dem Kreisverkehr Richtung Urbach, wird von den Radfahrern schlichtweg ignoriert – sie wählen die „Abkürzung“ über den Gehweg. Und das sei nicht nur für die Mütter mit Kinderwagen gefährlich, sondern auch für die Senioren, die dort mit ihren Rollatoren und Rollstühlen unterwegs sind.

„Wir wohnen hier in einer Gegend mit vielen Pflegeheimen und Betreutem Wohnen“, gibt Familie

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