Schorndorf

Ärger bei der Feuerwehr - Kommandant fordert Unterstützung

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Abteilungskommandant Peter Lämmle und Gesamtkommandant Jost Rube (ganz links und Zweiter von links) sowie Oberbürgermeister Matthias Klopfer (rechts) rahmen die Jubilare Ralf Aigner, Harald Schwab, Joachim Schwab (alle 40 Jahre), Torsten Grabarits, Christian Hutt (beide (25 Jahre) und Ulrich Betsch (40 Jahre) ein (Dritter von links bis Zweiter von rechts). © Sarah Utz
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Oberbürgermeister Matthias Klopfer.

Schorndorf. Die Abteilung Stadt der Freiwilligen Feuerwehr Schorndorf hat ein intensives und nicht immer einfaches Jahr 2017 hinter sich. Und das gilt allem Anschein nach auch für Abteilungskommandant Peter Lämmle. Man muss nicht einmal zwischen den Zeilen seines Tätigkeitsberichtes lesen, um zu erkennen, dass es hie und da gehörig knirscht – in der feuerwehrinternen Verständigung ebenso wie in der Partnerschaft von Feuerwehr und Stadtverwaltung.

Auch wenn der Abteilungskommandant im Nachhinein von „Jammern auf hohem Niveau“ und von „Kleinigkeiten, die nicht sein müssten und bei besserer Kommunikation zu vermeiden wären“, spricht: Es ist ganz schön viel, was sich da im Lauf des Jahres bei Peter Lämmle angestaut. Das hat ihn zum Fazit bewogen, es habe in seinem dritten Jahr in der Verantwortung für diese Abteilung „viele Enttäuschungen und unangenehme Aufgaben zu bewältigen gegeben“ und er persönlich habe lernen müssen, dass der Abteilungskommandant so gut wie keine Rechte besitze. Anders gesagt: „Ich habe in diesem Bericht ungewöhnlich viel gemeckert. Ich habe das getan, um die Themen erneut zu adressieren. Ich möchte nicht die Feuerwehr neu erfinden, aber ich bin angetreten, um Dinge zu verbessern. Dafür brauche ich aber Unterstützung und ein offenes Ohr an der richtigen Stelle.“ Gleichwohl, so Lämmle, mache er „selbstverständlich“ weiter, weil trotz allem die positiven Momente überwiegt hätten und weil er seine Feuerwehrkameradinnen und -kameraden als motivierte und engagierte Mannschaft hinter sich wisse.

Nach Einsatz keine zusätzliche Vergütung für Materialreinigung

Was sich von anderen - angesprochen fühlen dürfte sich da wohl Gesamtkommandant Jost Rube – nicht immer sagen lässt. So hat der Abteilungskommandant in seinem Bericht einen etwa vierstündigen Löscheinsatz in einem Keller in Weiler beschrieben, in dem Reifen gelagert waren. Dass die Einsatzkräfte nach ihrem etwa vierstündigen Einsatz aufgefordert wurden, ihre persönlichen Schutzgeräte sowie die Atemschutzgeräte einer Grobreinigung zu unterziehen, sei, so Peter Lämmle, für ihn genauso in Ordnung gewesen, wie es für ihn nicht in Ordnung gewesen sei, dass diese zusätzlichen Arbeiten nicht vergütet wurden, weil die erforderliche Unterschrift verweigert worden sei – und das, obwohl die Feuerwehrentschädigungssatzung ganz klar regle, wie in einem solchen Fall zu verfahren sei. „Die zweifelsfrei zustehende Vergütung nicht zu gewähren, ist ein Schlag ins Gesicht der ehrenamtlichen Kräfte. Ich bezweifle, dass sich unter solchen Voraussetzungen bei künftigen Ereignissen jemand zu zusätzlichen Arbeiten überreden lässt. Diese 200 Euro waren am falschen Ende gespart“, stellte der Abteilungskommandant fest. Er äußerte den Wunsch, „dass in Zukunft in solchen Fällen weitsichtiger verfahren wird“.

Alarm- und Ausrückordnung geändert

Weitsichtiger verfahren, um zunächst einmal bei feuerwehrinternen Angelegenheiten zu bleiben, soll künftig auch, wenn die Alarmstichworte „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person“ fallen und sich der entsprechende Unfall auf einer Stadtteilmarkung ereignet. Da war es bislang so, dass zur Unterstützung der örtlichen Wehr zunächst nur ein Fahrzeug der Abteilung Stadt ausgerückt ist und gegebenenfalls weitere Einsatzkräfte nachalarmiert wurden. Nachdem sich im Oktober bei einem Unfall zwischen Schlichten und Schorndorf gezeigt hat, dass auf Anhieb nicht genügend Einsatzkräfte vor Ort waren, wurde die Alarm- und Ausrückeordnung geändert. Und zwar dahingehend, dass künftig bei solchen Unfällen im Stadtgebiet inklusive der Stadtteile immer sofort Zugalarm für die Abteilung Stadt ausgelöst wird. Und die rückt dann grundsätzlich mit dem Vorrüstwagen, dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug und dem Rüstwagen aus.

Außer dem Austausch der Kühlschränke ist nicht viel passiert

Nicht nur intern, sondern auch im Zusammenspiel mit der Stadt ist 2017 aus Sicht von Peter Lämmle längst nicht alles so gelaufen, wie er und die Feuerwehrabteilung Stadt es sich gewünscht hätten. Dabei zielt die Kritik zunächst einmal auf den Fachbereich Gebäudemanagement, der die in Aussicht gestellten werterhaltenden Maßnahmen im Feuerwehrhaus nur sehr schleppend, unzureichend oder gar nicht umgesetzt hat. Die Entscheidung darüber, wie es mit den Feuerwehrgebäuden in Schorndorf insgesamt weitergeht und ob die Abteilung Stadt am bisherigen Standort bleibt, lässt ja noch einige Zeit auf sich warten. Schleppend bis gar nicht insofern, als Lämmle zufolge außer dem Austausch der maroden Kühlschränke 2017 nichts passiert ist. Unzureichend insofern, als beim Umbau der Heizung in der Fahrzeughalle zwar ein Heizungsbauer beauftragt wurde, dessen erbrachte Leistung aber nicht den Anforderungen der Feuerwehr entsprochen hat, weil die Feuerwehr in die Planung nicht eingebunden worden war. Und auch die Fahrzeugbeschaffung macht Sorgen, weil, so die Kritik des Abteilungskommandanten bei aller Freude über den am Samstag übergebenen neuen Rüstwagen der Feuerwehrbedarfsplan nur sehr verzögert umgesetzt werde. Der Vorrüstwagen, sagte Lämmle, werde mittlerweile als Oldtimer eingestuft. Das Mehrzweckfahrzeug sei mittlerweile in einem Zustand, der es aus Sicht des Gerätewarts ratsam erscheinen lasse, dem Fahrzeug keine längeren Strecken mehr zuzumuten. Zum erwähnten Feuerwehrbedarfsplan erlaubte sich der Abteilungskommandant den dezenten Hinweis, dass dessen Aufstellung und der Unterhalt der Feuerwehr originäre Aufgaben der Kommune seien – im Idealfall natürlich unter Einbeziehung der Feuerwehr.

Mangelnde Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements

Dass der in erster Linie für Feuerwehrbelange zuständige bisherige Fachbereich Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung nach wie vor eine eigentlich dringend von der Feuerwehr benötigte Garage als Behausung für einen Radarwagen nutzt, ist für Peter Lämmle ein weiteres Ärgernis. Schwerer wiegt für ihn aber die mangelnde Wertschätzung und das fehlende Einfühlungsvermögen für und in das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehrleute und dabei vor allem der Funktionsträger. So sei bei der Überarbeitung der Feuerwehrsatzung verlangt worden, dass kurzfristig ein Satzungsentwurf innerhalb weniger Tage durch die Gremien gepeitscht werde, nur damit ein schon seit Monaten feststehender Beratungstermin im Gemeinderat gehalten werden könne. Und beim Abteilungskommandanten in den Sommerferien personenbezogene Daten von Einsatzkräften abzufragen und innerhalb nicht einmal einer Woche zurückzufordern, zeugt aus Sicht von Peter Lämmle genauso wenig von Respekt vor dem ehrenamtlichen Engagement wie die Tatsache, dass Besprechungstermine mit Gutachtern tagsüber angesetzt werden. „Wenn wir dann noch von einer leitenden Angestellten des Fachbereichs zu hören bekommen, dass wir doch im Alarmfall auch jederzeit tagsüber zur Stelle wären, platzt mir der Kragen“, sagte der Abteilungskommandant, der sich abschließend bei seinen Kameradinnen und Kameraden für das im vergangenen Jahr Geleistete bedankte: „Ohne euch wäre keiner da, wenn nachts ein Dach abgedeckt wird. Es wäre keiner da, der den entlaufenen Hund aus dem Fuchsbau rettet. Der Rettungshubschrauber müsste im Dunkeln landen, und die zahlreichen Brandmeldeanlagen würden noch morgen vor sich hinhupen. Was ohne euch bei den zahlreichen Bränden und Unfällen wäre, wage ich mir gar nicht auszumalen.“


„Ich nehme das jetzt selber in die Hand“, hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer noch im Feuerwehrhaus versprochen, nachdem er sich die Mängelliste und Kritikpunkte angehört hatte. Vorbereitet war er darauf nicht, Hinweise auf Probleme in der Vergangenheit hatte er von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht bekommen. „Das ist mir jetzt zum dritten Mal passiert, dass ich so einen Schuss vor den Bug bekommen habe“, sagt Klopfer im Nachhinein. Und weil ihm das nicht auch noch ein viertes Mal passieren soll und weil es zuvor auch schon bei Abteilungsversammlungen in Stadtteilen Kritik an der Verwaltung und speziell an den beiden Fachbereichen Gebäudemanagement und Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung gegeben hatte, will der Oberbürgermeister die Feuerwehr jetzt erst einmal zur Chefsache machen. Etwas, was er sich eigentlich nicht hätte träumen lassen.

„Ich habe verstanden“, sagt Matthias Klopfer, der, so sagt er es, sich vor allem für die Art, wie der Fachbereich 30 (bisher: Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung) mit den Ehrenamtlichen in der Stadt umgeht „nur entschuldigen“ kann. „Ich stelle mich sonst immer schützend vor meine Leute, aber das muss besser werden“, sagt der Oberbürgermeister, der zum Beispiel nicht akzeptieren kann, dass den Ehrenamtlichen von der Feuerwehr bei Projekten oder Prozessen mit einer langen Vorlaufzeit relativ kurze Fristen gesetzt werden – teilweise auch noch mit recht pampigen Begründungen.

Aber auch die Kritik, dass bei der Gebäudeinstandhaltung zu wenig getan worden ist, hält Klopfer für nachvollziehbar. Wohl wissend, dass vom Fachbereich Gebäudemanagement viele andere Projekte in der Stadt begleitet und vorangetrieben werden müssen, meint der Oberbürgermeister: „Da muss ich doch schauen, dass die Stimmung gut ist“ – indem wenigstens das erledigt wird, was dringend nötig und was zugesagt worden ist. Und dass bei Maßnahmen in Feuerwehrgebäuden wie etwa beim Umbau einer Heizung die Feuerwehr miteinbezogen wird, sollte eigentlich auch selbstverständlich sein.

Jetzt will aber auch Matthias Klopfer erst einmal abwarten, was das bis zum Frühjahr vorliegende Gutachten zum Zustand und zur Zukunft der Feuerwehrgebäude in Schorndorf und den Stadtteilen sagt. Wobei Klopfer einerseits zu seinem Wort steht, dass keine Entscheidungen gegen den Willen der Feuerwehr getroffen werden sollen, er andererseits aber auch eine Entscheidung der Feuerwehr insgesamt erwartet („Das verlange ich Ihnen ab“), was Priorität haben soll: Oberberken, die Zusammenlegung von Miedelsbach und Haubersbronn oder ein neues Domizil für die Abteilung Stadt. Je nachdem, wie diese Priorisierung ausfällt, sei aber auch klar, so Klopfer, dass in die bestehenden Gebäude so lange sinnvoll und finanziell vertretbar investiert wird, solange die Gebäude halten müssen.

Tätigkeit in Zahlen

Insgesamt 153 Einsätze mussten die Aktiven der Abteilung Stadt im Jahr 2017 abarbeiten. Diese 153 Einsätze gliederten sich in 44 Brandeinsätze, 49 technische Hilfeleistungen, 57 Alarme über Brandmeldeanlagen sowie drei sonstige Einsätze.

Runden 2000 Stunden haben die Feuerwehrleute in die regelmäßigen Ausbildungs- und Übungsdienste investiert. Dazu kamen 139 Stunden für Brandsicherheitswachdienste und Reinigungsdienste während der SchwoWo und weitere 120 Stunden für das Ausleuchten des Schlossparks während der Sommermonate. 52 Stunden als Brandsicherheitswache wurden bei Veranstaltungen in der Barbara-Künkelin-Halle abgeleistet.

Alle Einsatztätigkeiten zusammengerechnet, leisteten die ehrenamtlichen Kräfte der Abteilung Stadt rund 3435 Stunden Dienst.

Die Fahrzeuge der Abteilung Stadt wurden im Jahr 2017 im Rahmen aller Tätigkeiten knapp 18 400 Kilometer unfallfrei bewegt.

Bei den Alarmen über Brandmeldeanlagen sticht das Flüchtlingswohnheim Steinwasenstraße heraus. Insgesamt musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr 15-mal zu diesem Objekt ausrücken. Auslöser waren, so steht’s im Tätigkeitsbericht des Abteilungskommandanten, immer mutwillig eingedrückte Handdruckmelder oder angebranntes Essen.

Zu einem neuen Tätigkeitsschwerpunkt haben sich laut Peter Lämmle die Notfalltüröffnungen entwickelt. 14-mal rückten Kräfte der Abteilung auf Anforderung von Rettungsdiensten oder der Polizei 2017 aus, um – vorzugsweise bei älteren, von ambulanten Diensten betreuten oder von besorgten Nachbarn nicht mehr zu erreichenden Personen – die Tür zu öffnen, ohne sie zu zerstören. Mittlerweile ist diese auch rechtlich sensible und nur mit Spezialwerkzeug zu lösende Aufgabe für das ganze Stadtgebiet einer speziell ausgebildeten Truppe der Abteilung Stadt übertragen worden.