Schorndorf

Ärger in Schorndorf: Warum sich die Post bei einer Rentnerin entschuldigt

Postbank
In der Postbank ist in Schorndorf auch die Filiale der Post untergebracht. Die Briefmarkenautomaten sind abgebaut. © ALEXANDRA PALMIZI

Einen Brief zu verschicken, ist für viele ein Relikt aus alten Zeiten. E-Mail und Whatsapp sind schneller und billiger - und offenbar hat nicht mal die Post selbst ein großes Interesse an Briefschreibern. Diesen Eindruck hatte jedenfalls unsere Leserin Rita Costa, die noch zu den begeisterten Briefschreiberinnen gehört. Rund 20 Briefe im Jahr verschickt die Rentnerin in ihrem Bekanntenkreis, besonders gerne vor Weihnachten und zu Geburtstagen. Die Briefmarken, die sie dazu brauchte, kaufte sie bis vor einiger Zeit am Briefmarkenautomaten vor der Post oder auch einzeln am Schalter - doch dann hat ihr die Post einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Briefmarkenautomat wurde abgebaut

Was war passiert? Im Sommer war  der Briefmarkenautomat vor der Post unversehens abgebaut worden, weil er, so ein Sprecher der Post, defekt war. Als Rita Costa das nächste Mal eine Briefmarke brauchte, stellte sie sich deshalb in die Schlange, um am Schalter eine Marke zu kaufen. Dort aber sagte man ihr, dass sie Briefe zum Frankieren zwar abgeben und im Zehnerpack auch Briefmarken bekomme, einzelne Marken aber dort nicht kaufen könne. Auf Nachfrage erhielt die Rentnerin die Auskunft, dass sie die Marken aber bei der Poststelle im Kaufland oder in Winterbach bekommen könne.

Keine Ersatzteile für den Briefmarkenautomaten

Wie jetzt? Keine Briefmarke in der Postfiliale vor Ort? Keinen Briefmarkenautomaten mehr vor der Tür? Bei der Pressestelle der Postbank, in der die Schorndorfer Filiale untergebracht ist, bekommen wir Auskunft: Briefmarkenautomaten wie das ehemalige Gerät in Schorndorf werden nicht mehr hergestellt. Ersatzteile für vorhandene Geräte seien nicht immer zu beschaffen. „Wenn ein Gerät nicht mehr reparierbar ist, so wie es hier der Fall war, wird es abgebaut.“ Und weiter: „Insgesamt beobachten wir schon länger eine sinkende Nachfrage an den Briefmarkenautomaten, weil Kundinnen und Kunden zunehmend die Vorteile der Online-Frankierung zu schätzen wissen. Im Onlineshop der Deutschen Post finden Sie auf den ersten Blick die Online-Briefmarke.“

Ein Kundenkonto ist nötig

Was einfach klingt, kann ganz schön kompliziert sein. Wer online frankieren will, braucht erst ein Kundenkonto bei der Post und dann einen Drucker, um seine Internet-Marke auch ausdrucken zu können. Wer aber keinen hat, wird wohl auch keine Freude daran haben, dass die Post online 200 Briefmarkenmotive zum Aussuchen anbietet – aber keine einzige Einzelmarke vor Ort bei der Post. Einfacher geht es mit der Post & DHL App, bei der die Kundin einen Code erhält, die sie von Hand auf die Stelle auf dem Briefumschlag schreibt, an der normalerweise die Marke kleben würde. Für beides braucht man indes Paypal oder eine Kreditkarte – und weder das eine noch das andere hat die Rentnerin.

Ein Vorrat an Briefmarken ist für sie keine Alternative

Wie finden Sie diesen Service, Frau Costa? „Davon halte ich gar nichts“, sagt die Schorndorferin. „Ich habe zwar ein Smartphone und weiß, wie ich Mails oder Whatsapp verschicke, alles andere mache ich nicht online.“

Aber auch Briefmarken gleich zehnfach auf Vorrat zu kaufen, ist für die Rentnerin und Hartz-IV-Empfängerin keine Alternative. „Es ist für mich ein großer Unterschied“, sagt Rita Costa, „ob ich für zwei Briefmarken 1,70 Euro ausgebe oder gleich zehn Briefmarken für 8,50 Euro nehmen muss.“ Und zwar deshalb, weil sie genau rechnen muss: Pro Tag, sagt sie, stehen ihr zwölf Euro zur Verfügung. „Ich beklage mich nicht, versuche aber, so wenig wie möglich auf Vorrat zu kaufen“, sagt die Schorndorferin.

Gute Nachrichten von der Post

So wie ihr, das darf angenommen werden, geht es manchen Menschen in der Stadt. Vielleicht war das ja der Grund, vielleicht gibt es aber auch einen ganz anderen: Von der Post kommen jedenfalls gute Nachrichten für Rita Costa. „Wir möchten uns bei Ihrer Leserin entschuldigen“, schreibt der Sprecher der Postbank. Und betont: „Auf Wunsch verkaufen wir selbstverständlich auch Einzelmarken am Schalter.“ Diesbezüglich habe es keine anderslautende Vorgabe gegeben. „Wir haben Ihre Anfrage genutzt und die Kolleginnen und Kollegen vor Ort noch einmal auf die Thematik und die Ihnen vorliegende Leserbeschwerde hingewiesen.“

„Das Beste, was mir passieren konnte“

Damit hat er der Rentnerin nicht nur eine große Freude gemacht, sondern auch einer treuen Kundin das Briefeschreiben erleichtert. „Das Beste, was mir passieren konnte, ist, dass es wieder Einzelbriefmarken gibt“, freut sich Rita Costa.

Einen Brief zu verschicken, ist für viele ein Relikt aus alten Zeiten. E-Mail und Whatsapp sind schneller und billiger - und offenbar hat nicht mal die Post selbst ein großes Interesse an Briefschreibern. Diesen Eindruck hatte jedenfalls unsere Leserin Rita Costa, die noch zu den begeisterten Briefschreiberinnen gehört. Rund 20 Briefe im Jahr verschickt die Rentnerin in ihrem Bekanntenkreis, besonders gerne vor Weihnachten und zu Geburtstagen. Die Briefmarken, die sie dazu brauchte, kaufte

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