Schorndorf

Ärger mit Impfzertifikaten: Trotz Booster kein Einlass für Genesene

Impfzertifikat
Apotheker Thorsten Leiter. © Benjamin Büttner

Das Zertifikat über die Booster-Impfung öffnet Türen. Wer in ein Restaurant oder in eine Kneipe gehen will, in Freizeit- und Kultureinrichtungen: Jedes Mal gilt in der derzeit herrschenden Alarmstufe 2 die 2G-plus-Regel. Doch nicht jeder, der geboostert ist, kann das nachweisen – denn die Corona-Apps zeigen nicht alle Booster-Varianten an. Das sorgt für Ärger: bei den Geimpften, die an den Türen abgewiesen werden, zunehmend aber auch in den Apotheken, die die Impfzertifikate ausstellen.

Wer hat eigentlich welchen Status?

Dreimal geimpft, genesen und zweimal geimpft, mit Johnson & Johnson geimpft und geboostert: „Die möglichen Kombinationen werden immer mehr, und somit wird die Frage, wer eigentlich welches Zertifikat mit welchem Status bekommt, auch zunehmend komplexer“, weiß der Schorndorfer Apotheker Thorsten Leiter. Doch besonders seit in der Gastronomie und anderen Bereichen zunehmend 2G-plus-Regeln gelten, gewinne die Frage nach dem Status an Bedeutung. Schließlich entfällt für Geboosterte die zusätzliche Testpflicht.

Als geboostert gilt auch, wer genesen und zweimal geimpft ist, oder mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson und danach noch einmal geimpft wurde. Doch wer vor der Auffrischungsimpfung nicht zweimal geimpft wurde, hat Schwierigkeiten, die Boosterimpfung nachzuweisen. „Das ist mit den gängigen Apps nicht möglich“, bedauert Leiter. Den Unmut der Kunden und Kundinnen, denen ohne Test etwa der schöne Abend im Restaurant verwehrt wurde, bekämen dann oft die Apotheken ab: Schließlich seien die aus Sicht der Betroffenen schuld am „falschen“ Zertifikat“.

Meist ist der Nachweis unproblematisch

Besonders brisant wurde das Thema mit den neuen 2G-plus-Regeln, bei denen Geboosterte von der Testpflicht ausgenommen sind. Der Nachweis, sagt Leiter, sei in der Großzahl der Fälle unproblematisch, da viele ja in der Tat dreifach geimpft seien und auf den Impfzertifikaten durch die Angabe 3/3 eindeutig nachgewiesen sei, dass eine Auffrischung vorliegt.

Genesene brauchen zwei Impfungen

Anders ist dies bei den Genesenen. Lassen sie sich nach ihrer Erkrankung zweimal impfen, gelten sie als geboostert. Hier werden laut Leiter sogenannte „Genesenen-Impfzertifikate“ ausgestellt, auf denen aber die tatsächliche Anzahl an Impfungen aufgeführt sind - also 2/2. Die Zertifikate sind korrekt, enthalten aber keinen Hinweis „Booster“.

Die Folge: Bei Einlasskontrollen mit 2G-plus-Regeln bekommen sie Probleme. So geht es auch Menschen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden. „Bei diesem Impfstoff war ja nur eine einmalige Impfung für vollständigen Impfschutz nötig“, erinnert Thorsten Leiter. Mit der zweiten Impfung seien diese Menschen zwar geboostert. Da aber auf ihren Impfzertifikaten nur die Anzahl 2/2 steht, können sie ebenfalls abgewiesen werden. „Weder auf den Papier-Zertifikaten noch auf Immunkarten oder in der App findet sich ein Hinweis auf die in diesen Fällen bereits vorgenommene „Booster“-Impfung“, ärgert sich der Apotheker.

„Die Personen stehen dann zu Recht bei uns, sind irritiert und teils auch aufgebracht und vermuten ein durch die Apotheken fehlerhaft ausgestelltes Impfzertifikat.“ Ein Impfzertifikat mit dem Hinweis von drei Impfungen dürften die Apotheken aber nicht einfach ausstellen und damit eine Impfung zertifizieren, die nie stattgefunden habe.

Alle Unterlagen mitführen

Was bleibt zu tun? „Leider nichts anderes, als zusätzlich zum digitalen Impfzertifikat die gesamten Unterlagen mitzuführen“, erklärt er. Grund für die Misere: Dem digitalen Impfzertifikat liegen laut Leiter europäische Vorgaben zugrunde, um eine Einheitlichkeit und gegenseitige Anerkennung zu gewährleisten.

Nationale Alleingänge wie eine 2G-plus-Regelung in Deutschland seien schlicht nicht bedacht worden, die dafür notwendigen Anpassungen versäumt worden. Um eine pragmatische Lösung zu finden, habe sich sein Team intern darauf verständigt, auf diesen lückenhaften Impfzertifikaten handschriftlich den Zusatz „Zur Klarstellung: Geboostert“ hinzuzufügen und abzustempeln – so lange, bis eine technische Lösung auf europäischer Ebene beschlossen wurde und technisch umgesetzt wird. „Mir tun die Betroffenen leid“, sagt Leiter. Der handschriftliche Zusatz sei aber keine offizielle Lösung.

Im Februar eine Lösung?

Der Apothekerverband hat in Aussicht gestellt, dass es ab dem 1. Februar eine entsprechende Anpassung geben wird. Bis dahin bleibt der Ärger für viele Menschen wohl programmiert. Ohne einen gültigen Test oder alle Unterlagen müssen sie trotz Booster-Impfung draußen bleiben.

Das Zertifikat über die Booster-Impfung öffnet Türen. Wer in ein Restaurant oder in eine Kneipe gehen will, in Freizeit- und Kultureinrichtungen: Jedes Mal gilt in der derzeit herrschenden Alarmstufe 2 die 2G-plus-Regel. Doch nicht jeder, der geboostert ist, kann das nachweisen – denn die Corona-Apps zeigen nicht alle Booster-Varianten an. Das sorgt für Ärger: bei den Geimpften, die an den Türen abgewiesen werden, zunehmend aber auch in den Apotheken, die die Impfzertifikate

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