Schorndorf

Überfüllte Läden oder entspanntes Shoppen: Wie hektisch liefen in Schorndorf die Weihnachtseinkäufe vor dem Lockdown?

Lockdown
In der Spielwarenabteilung bei Bantel wurden die Spielsachen umgeräumt, die Gänge erweitert, sagt Christina Bantel-Wild. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Aufruf von Kanzleramtsminister Helge Braun, die Tage vor dem Lockdown nicht für ausgiebige Weihnachtseinkäufe zu nutzen – in Schorndorf ist er offenbar gehört worden. Überraschend ruhig läuft es an diesem Montag in den Geschäften, obwohl am Dienstagabend  der Einzelhandel für dieses Jahr seine Türen schließt. Von Shoppingstress oder Weihnachtshektik, von einem Showdown oder gar Endzeitstimmung ist auf den Straßen und in den Läden nichts zu spüren. Haben sich die Menschen schon in den frühen Corona-Weihnachtsurlaub verabschiedet?

Im Kaufhaus Bantel wäre man für den Ansturm der Kunden zumindest vorbereitet. Schon am Sonntag – der Lockdown war gerade erst verkündet – war der Ablauf der beiden letzten Tage des so wichtigen Weihnachtsgeschäfts organisiert worden. Die Öffnungszeiten wurden erweitert (9 Uhr bis 19.30 Uhr), die Mitarbeiter angewiesen, am Montag früh zu kommen, um die Waren aufzubauen. „Außerdem haben wir in der Spielwarenabteilung die Spielwaren umverteilt und die Gänge verbreitert“, sagt Geschäftsführerin Christina Bantel-Wild. Die Idee war, Platz zu schaffen, damit die Abstände auch im verkürzten Weihnachtsgeschäft eingehalten werden können. Doch die wilde Jagd nach den Weihnachtsgeschenken bleibt aus. Ob in der Handtaschen-Abteilung, beim Schmuck oder den Spielwaren: „Wir haben Betrieb, aber es geht gesittet zu“, stellt die Geschäftsführerin fest. „Die Leute halten sich daran, dass sie zu Hause bleiben sollen.“ Was angesichts der explodierenden Infektionszahlen gut ist, ist es noch lange nicht für die Einzelhändler. Ganz arg schlecht sei dies vor Weihnachten, wo der Dezember doch der umsatzstärkste Monat des Jahres und die Tage kurz vor Weihnachten die allerumsatzstärksten Tage seien, sagt Christina Bantel-Wild. Das ist bitter. Zwar gibt’s bei Bantel bis 23. Dezember unter kundenservice@bantel.de einen Bestell- und Abholservice. Doch damit könne man keine Beratung, keine Auswahl, kein Einkaufsvergnügen bieten. „Der Online-Handel darf sich bei der Bundesregierung bedanken“, sagt sie. „Es ist definitiv frustrierend.“

Schwere Tage für den Centro-Geschäftsführer

Dass die Corona-Politik der Bundesregierung dem Online-Handel in die Hände spielt, kritisiert auch Ulrich Fink, Blumenhändler und Geschäftsführer des Marketingvereins Schorndorf Centro. Für ihn bedeuten diese letzten Tage vor Weihnachten auch die letzten Tage seines Blumenladens in der Arnold-Galerie. Aus Altersgründen wollte er sich Mitte Januar verabschieden, nun wird er seinen Laden nach der Zwangspause gar nicht mehr aufschließen. Das abrupte Ende schmerzt ihn. „Nach einer 110-jährigen Firmengeschichte habe ich mir das Ende anders vorgestellt“, sagt er. Schwere Tage sind es für ihn aber auch als Centro-Geschäftsführer. Die Stadt lebe nun mal von den kleinen Einzelhändlern, die nun – anders als die Online-Giganten – schließen müssten. „Dann muss man Amazon und Zalando auch dichtmachen oder hoch besteuern“, fordert Fink.

Am Sonntag haben die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten den Lockdown einmütig beschlossen – doch noch hofft Osiander-Inhaber Christian Riethmüller die Schließung der Buchläden abwenden zu können. Bücher seien ein Kulturgut, das habe man auch in Frankreich gemerkt, wo die Buchhandlungen im Lockdown wieder öffnen durften. Nicht nur in Frankreich: Auch in Berlin bleiben die Buchhandlungen geöffnet. Dort hat Kultursenator Klaus Lederer mitgeteilt, dass Buchhandlungen als „geistige Tankstellen“ betrachtet werden und deshalb wie beim ersten Lockdown im Frühjahr geöffnet bleiben. Noch seien die Buchhändler in Baden-Württemberg im Gespräch mit der Politik, sagt Osiander-Chef Christian Riethmüller: „Für uns sind Bücher geistige Nahrung.“ Ein Fünkchen Hoffnung habe er, wenigstens die Abholstationen in den Buchläden offenlassen zu können. Das wäre ganz im Sinne von Manuela Steinmann, die an diesem Montag in der Schorndorfer Osiander-Filiale ein Buch bestellt hat. Am Eingang steht ein Osiander-Mitarbeiter und verteilt Einkaufskörbe, um den Überblick über die Kundenzahl zu behalten. An der Kasse hat sich eine Schlange von Leuten gebildet, die schnell noch einen Krimi oder einen Geschenk-Gutschein besorgen wollen. Alle halten Abstand. „Ich bin heute extra los, weil ich noch Geschenke brauche“, sagt Manuela Steinmann. Um die Läden zu unterstützen, kaufe sie bevorzugt am Ort ein. Eins ist für sie klar: „Eine Stadt ohne Geschäfte wäre traurig.“

Wie verkraftet die Wirtschaft den erneuten Lockdown?

Eine Last-Minute-Käuferin ist auch Corinna Schatz, die bei Bantel noch schnell einen Gutschein kaufen will. Mit dem Lockdown habe sie nicht gerechnet: „Ich dachte, das verkraftet die Wirtschaft nicht“, sagt sie. Angesichts der Zwangspause der Gastronomie sieht sie die Schließung kritisch: „Man hat ja gesehen, es bringt nichts.“ Für Ingrid Fresser, die im Haushaltswarenladen Carl Max Meyer eine Pfeffermühle sucht, ist der Lockdown wegen der hohen Infektionszahlen dagegen nachvollziehbar. Irgendwie müsse man die Zahlen ja eindämmen, schade sei der Lockdown aber für den Einzelhandel, weil immer mehr online bestellt werde. „Die Innenstädte sterben aus, das wollen wir nicht“, sagt sie. Trotz der anstehenden Zwangspause läuft das Geschäft bei Max Meyer an diesem Montag nur stoßweise. Morgens um neun sei es kurz heftig gewesen, erzählt Geschäftsführerin Andrea Andresen, jetzt gegen Mittag sind die Kundenströme überschaubar. Auch für sie ist es bitter, das Weihnachtsgeschäft abbrechen zu müssen. „Wir hatten gehofft, der Lockdown kommt nicht so schnell, erst nach dem vierten Advent“, sagt sie. Zwar seien sie im Vergleich zu Modegeschäften oder anderen Läden mit Saisonwaren bisher mit einem blauen Auge davongekommen, aber auch für sie ist das Weihnachtsgeschäft eine wichtige Zeit. Noch ungeklärt ist übrigens ein ganz anderes Thema: Bei Carl Max Meyer werden Müllmarken verkauft. Wo man die holen kann, wenn der Einzelhandel zu ist, sei für die Abfallwirtschaft Rems Murr noch unklar, sagt Andrea Andresen. Für die Menschen ist es aber ein wichtiges Thema: „Viele haben schon angerufen.“

Auch im Modehaus Schill am Unteren Marktplatz ist vom großen Run nichts zu spüren. „Wir haben mit dem Lockdown gerechnet, es muss ja gehandelt werden“, sagt Inhaber Carl Schill. Ab Mittwoch gehen seine Angestellten in Kurzarbeit. Aufzuholen ist das Weihnachtsgeschäft nicht, denn im Januar beginnt bereits der Sale. „Wir hoffen, dass die Leute dann wieder beruhigt in die Stadt kommen können“, sagt Schill.

Derweil haben auch die großen Lebensmittelmärkte auf den Lockdown reagiert. Weil um 20 Uhr die Menschen zu Hause sein müssen, schließt Marktkauf bis 9. Januar bereits um 19.45 Uhr, Kaufland um 20 Uhr.

Der Aufruf von Kanzleramtsminister Helge Braun, die Tage vor dem Lockdown nicht für ausgiebige Weihnachtseinkäufe zu nutzen – in Schorndorf ist er offenbar gehört worden. Überraschend ruhig läuft es an diesem Montag in den Geschäften, obwohl am Dienstagabend  der Einzelhandel für dieses Jahr seine Türen schließt. Von Shoppingstress oder Weihnachtshektik, von einem Showdown oder gar Endzeitstimmung ist auf den Straßen und in den Läden nichts zu spüren. Haben sich die Menschen schon in den

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