Schorndorf

125 Jahre Schlosswallschule: Gutes Miteinander ist heute prägend

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Schlosswallschule
Schüler bewegen sich in der Pause vor der Schlosswallschule. Das ist eine gern erfüllte Schülerpflicht. © Palmizi / ZVW
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Die Kinder des Jahrgangs 1895. © Schularchiv
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Der Jahrgang 1961/62 © Christine Tantschinez
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125 Jahre Schlosswallschule mit Fotos vieler früherer Jahrgänge © Christine Tantschinez
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125 Jahre Schlosswallschule mit Fotos vieler früherer Jahrgänge © Christine Tantschinez
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Der Jahrgang 1888/89 © Christine Tantschinez
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Schuljahrgang 1895 © Christine Tantschinez
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Jahrgang 1901 © Christine Tantschinez
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1930 9. Mittelschulklasse - Schlußfeier mit Rektor Kunz © Christine Tantschinez
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Schüler bewegen sich in der Pause vor der Schlosswallschule. Das ist eine gern erfüllte Schülerpflicht. © Christine Tantschinez

Lernen, lachen, leben. Seit 125 Jahren eignen sich hinter den roten Mauern der Schlosswallschule Schülerinnen und Schüler die Grundausrüstung für ihre späteren Bildungswege an. So unterschiedlich die Ansichten über Erziehung und Bildung in den vergangenen Jahren doch waren – eins galt und gilt noch immer: Schule ist das, was die Menschen darin aus ihr machen.

Was die Schlosswallschule heute prägt? Rektorin Karin Ehlert ist sich sicher: „Das gute Miteinander.“ Zwischen Schülern und Lehrern herrsche eine ehrliche, gute Stimmung. „Bisher war noch jeder Lehrer traurig, wenn er uns wieder verlassen hat.“ Häufig stehen hier die Klassenzimmertüren offen, gemeinsam begehen die Schüler Projektwochen, in denen Regeln guten Miteinanders spielerisch eingeübt werden. „Wir versuchen, unser Leitbild umzusetzen und mit Herz, Kopf und Hand zu lernen“, berichtet die Schulleiterin. Wie sehr die Schüler und auch ihre Eltern sich mit der Schule identifizieren, wird bei einem Blick auf die Helferliste fürs Schulfest am kommenden Wochenende deutlich: 194 Helfer sind mit dabei.

Ganztagsschule in der Innenstadt: Besondere Herausforderung

Stark sei der moderne Schulbetrieb von der Ganztagsschule bestimmt. Bis 17 Uhr ist in der Schule immer etwas los. Da gibt es Arbeitsgruppen, Spielangebote, Betreuung. „Das ist für die Schüler eine Herausforderung“, weiß Ehlert. Die Erstklässler bräuchten oft bis Weihnachten, um sich daran zu gewöhnen. Für sie gibt’s inzwischen eigene Rückzugs- und Schlafmöglichkeiten. Auch die Lage der Schule mitten in der Stadt wirke sich auf den Schulalltag aus. „Wir kommen nicht so schnell ins Grüne“, führt Karin Ehlert aus. Auf dem Schulhof darf es keine Sitzgelegenheiten geben, manche Spielgeräte können nicht aufgebaut werden, um nächtens nicht das falsche Publikum anzulocken. Eine Hecke könnte helfen, um die Schülerinnen und Schüler vor allzu neugierigen Blicken mancher Passanten zu schützen. Hier sei man allerdings mit der Stadt in einem guten Gespräch.

Aber auch Vorteile gebe es für eine Innenstadtschule: Schließlich sind reichlich Bildungsangebote verfügbar – von der Bücherei, über das Stadtmuseum und das Kulturforum bis hin zur bald entstehenden Forscherfabrik. Auch die beiden Vorbereitungsklassen binden viele Kräfte an der Schule. Hier sind zusätzlich etliche ehrenamtliche Helfer im Einsatz, die die Lehrkräfte unterstützen. Darüber ist die Schulleiterin wirklich froh.

Hände auf die Schultafel

Anständig, gerade mit dem Rücken angelehnt und in Reihen hintereinander sitzen, so sollten sich die Schülerinnen und Schüler vor 125 Jahren in Klassenzimmer sortieren. Der Lehrer sollte alle übersehen können. So hieß es in der „Praxis der Volksschule“ von 1880. Jedes Kind sollte seine „Hände geschlossen auf die Schultafel legen“, damit alle „Neckereien und Spielereien auf der Tafel, alle ungehörigen und unsittlichen Beschäftigungen unter derselben unmöglich“ gemacht wurden. Die Füße sollten parallel nebeneinander auf den Boden gestellt werden, sämtlichen Schüler sollten dem Lehrer fest ins Auge schauen. Wer durch „Unfleiß“ oder „gröberer Verfehlungen“ auffiel, durfte mit einem Stöckchen von 0,5 Metern Länge gezüchtigt werden. Unter 14 Jahren nur mit zwei Streichen, darüber mit maximal vier Streichen. Und so wünschten sich die Lehrer für den Neubau der Schorndorfer Mädchenschule, die zuvor am Bahnhofsplatz stand, eher quadratische als längliche Räume. In diesen könnten sie die Schüler besser unter Kontrolle halten, lautete die Begründung. Und Kontrolle war ein großes Thema, auch was die Körperpflege betraf: „Schüler, welche Ungeziefer, namentlich am Kopf haben, sind nach Hause zu schicken.“ So hieß es in der Verfügung des Königlichen Ministerium des Kirchen- und Schulwesens. „Die Schüler sollen nie anders, als rein gewaschen an Händen und Gesicht und mit ordentlich gekämmten Haaren in der Schule erscheinen.“ Die Lehrer mussten ungewaschene Kinder entweder nach Hause schicken oder dafür sorgen, dass sie sich mit Hilfe anderer Kinder außerhalb des Schulzimmers säuberten.

So einfach scheint das aber nicht gewesen zu sein. „Die Umgebung der Mädchenschule war in den Jahren vor dem letzten Kriege kleinstädtisch-bäuerlich“, schrieb Martin Schock für Eisenbrauns Jubiläumsschrift. In jedem dritten Haus in der Altstadt hatte sich noch ein Stall befunden, Mistgruben gab’s an jeder Ecke. Hühner gackerten in der Gegend umher, Tauben besetzten die Mauerfriese und Simse. Bei dem bisschen vorhandenen Gartenbau wurde oft der „menschliche Dung“ verwendet. Von hygienisch einwandfrei sei dies alles weit entfernt gewesen.

Einweihung am 9.Juli 1891

Zustände – wie sie heute für Schulen kaum mehr vorstellbar sind. Als die Schlosswallschule damals noch als Mädchenvolksschule am 9. Juli 1891 mit einem großen Stadtfest eingeweiht wurde, war’s die Regel. Dennoch war die neue Schule eine große Verbesserung zur alten Schule am Bahnhofsplatz. Diese war viel zu klein und zu dunkel gewesen, hatte in unmittelbarer Nähe zu den Güllefässern gestanden, es hatte keine Möglichkeit ausreichend zu heizen gegeben. Fand der Markt statt, fiel die Schule aus, zu groß war der Lärm, der bei den vielen Tieren und Menschen auf dem Marktplatz entstand.

Zur Einweihung der neuen Schule hatte Schultheiß Fritz die Bevölkerung aufgefordert, die Häuser zu schmücken und zu beflaggen. Der Bürgerausschuss hatte beschlossen, 100 Mark zu Verfügung zu stellen, um Musiker bezahlen und sämtlichen Schulkindern Bier auf dem Festplatz zu verabreichen zu können.

Der Schulbetrieb nahm seinen Lauf. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Schule in Hans-Schemm-Schule umbenannt worden. Schemm war Gründer des Nationalsozialistischen Lehrerbundes gewesen. Dessen Ziel war es, nach Hitlers Machtübernahme eine „Einheitsfront aller Erzieher“ herzustellen, schreibt Fritz Schäffer im Historischen Lexikon Bayerns.

Schule im Krieg: Unterschlupf im Luftschutzbunker

Schiefertafeln, Kleider mit Schürzen und Klappbänke sowie reichlich Züchtigung gehörten zu dem Schulalltag damals noch dazu. Sportunterricht gab’s im Grunde nicht, nur ab und an einen Ausflug zur Sprunggrube Auf der Au oder zur Künkelinshalle zum Turnen, berichtete Elisabeth Eisenbraun Kindern der Schülerzeitungs-AG der Schlosswallschule. Geprägt war der Schorndorfer Schulalltag damals vom Krieg. Kam ein Fliegeralarm vor 24 Uhr, mussten die Kinder am nächsten Tag laut Stundenplan in die Schule kommen, war er später, begann der Unterricht eine Stunde später, da alle von der Nacht im Keller müde waren. Gab es während der Schulzeit einen Voralarm, durften die Kinder heim springen, um sich in Sicherheit zu bringen. Bei einem kurzfristigen Alarm während der Unterrichtszeit strömten alle in den Luftschutzbunker im Spitalhof.

1945 waren kurzzeitig polnische und russische Zwangsarbeiter im Mädchenschulhaus untergebracht. Als der Schulbetrieb nach dem Krieg endlich wieder aufgenommen wurde, wurden in der Mädchenschule wegen der Schulraumnot auch Jungen unterrichtet. Außerdem war hier bis 1951 auch die Mädchenmittelschule, die heutige Gottlieb-Daimler-Realschule, untergekommen. Diese bezog anschließend eigene Gebäude in der Burgstraße und siedelte später in die Grauhalde über. 1952 wurde in der Schlosswallschule eine einklassige Hilfsschule für Kinder mit besonderem Förderbedarf etabliert, die heutige Albert-Schweitzer-Schule. 1971 bekam die Schule aufgrund ihrer Nähe zu den Schlosswallgütern ihren heutigen Namen Schlosswallschule. Die Bubenschule wurde Künkelinschule getauft. Ein Jahr später fand der Unterricht erstmals in gemischten Klassen statt. Ab 1977 gab es einen eigenen Lehrplan für die Grundschulen.

Einladung zum Schulfest

Die Schlosswallschule lädt auf Samstag, 9. Juli, zum Jubiläumsfest ein.

Nach dem offiziellen Festakt um 11 Uhr im Martin-Luther-Haus beginnt das Schulfest um 12.30 Uhr.

Es gibt ein abwechslungsreiches Programm mit: Ballonstart, Spielen von damals, einer Fotoausstellung, einer Kreiselwerkstatt, einer Filzwerkstatt, klingenden Märchen und vielem mehr.

Dazu zeigen die Schülerinnen und Schüler, woran sie im Jubiläumsschuljahr gearbeitet haben.

Auf dem Schulhof gibt’s natürlich Nahrhaftes vom Grill und Kaltgetränke.