Schorndorf

24-Stunden-Übung der Jugendfeuerwehr

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Die Jugendfeuerwehr hat den simulierten Brand in einem Stallgebäude in Mannenberg schnell bekämpft. Dabei war auch die Leiter nötig. © Schneider / ZVW
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Jugenduebung
Das Jugendrotkreuz hat eine Sammelstelle für Verletzte unweit des Brandorts eingerichtet. © Gaby Schneider

Rudersberg. Mit Blaulicht fahren, aus den großen Feuerwehrfahrzeugen zum Brandort oder mit der Trage zu Verletzten eilen, die Technik beherrschen und einen kühlen Kopf bewahren, das alles will gelernt sein. Die Kinder und Jugendlichen des Jugendrotkreuzes des DRK-Ortsvereins Wieslauftal und der Rudersberger Jugendfeuerwehr sind diesem Ziel bei einer gemeinsamen Übung im Rahmen eines 24-Stunden-Diensts einen großen Schritt näher gekommen.

Das Martinshorn voraus, rauschen sie heran, in großen Feuerwehrautos und den Rettungswagen, genau wie ihre erwachsenen Kameraden in der aktiven Wehr und der DRK-Bereitschaft. Auch die Jugend hat bei dieser Übung in Mannenberg anspruchsvolle Aufgaben. Aus einem landwirtschaftlichen Gebäude dringt Rauch. Drinnen steht ein Arbeitsgerät in Flammen. Staub und Heu tun ein Übriges, der Brand greift über. Es sind Menschen im Gebäude, die es zu retten gilt, so lautet die Annahme.

Erwachsene Feuerwehrleute helfen, wo es nötig ist

Die sorgt für emsigen Betrieb am Einsatzort. „Sind Sie der Besitzer? Was ist passiert?“ Achim Schönleber, Jugendwart der Jugendfeuerwehr, gibt Auskunft. Bestimmt fünf Leute sind in dem Stallgebäude, sagt er. Los geht’s: Aufgerollte Schläuche werden ausgepackt, Wasserversorgung und Löschangriff vorbereitet. Die Wasserversorgung gilt’s, vom nächsten Hydranten her, aufzubauen. Mehrere Fahrzeuge hat die Feuerwehr vor Ort, dazu kommen drei Einsatzfahrzeuge des DRK. Die Sprechfunkgeräte knacken. Ganz viel passiert gleichzeitig, aber nichts in Hektik. Die erwachsenen Feuerwehrleute helfen, wo es nötig ist, halten sich aber sonst eher zurück. Hier darf die Jugend üben.

Junge Frau mit stark blutender Armwunde wird versorgt

Auch die des Roten Kreuzes. Der Nachwuchs hat flink eine Verletzten-Sammelstelle aufgebaut, um die Betroffenen zu betreuen. Eine junge Frau mit stark blutender Armwunde wird versorgt. Tragen werden geholt, Decken bereitgehalten. Weiter vorn wird ein Übergabepunkt eingerichtet, an dem die Feuerwehr die Verletzten in die Obhut des Jugendrotkreuzes übergibt. Nah am Geschehen, aber so weit entfernt, dass dessen Helfer nicht gefährdet würden:

Ganze Bandbreite möglicher Verletzungen und Beeinträchtigungen

Bei der Jugendfeuerwehr sucht derweil ein erster Angriffstrupp nach den Personen im Stallgebäude und bekämpft das Feuer. Ein Wasser- und Schlauchtrupp kümmert sich um die Wasserversorgung und bereitet sich, sobald diese steht, auf seinen Einsatz vor.

Schon geleiten die jungen Floriansjünger einen jungen Mann aus dem verrauchten Stall. Die Helfer sind etwa zwei Köpfe kleiner als der hustende, humpelnde „Verletzte“, aber er wird, fürsorglich untergehakt, dem DRK-Nachwuchs übergeben.

Weitere Vermisste werden gefunden. Rauchgasvergiftungen, Atemnot, Brandwunden, ein Schock: Das Jugendrotkreuz erlebt eine ganze Bandbreite möglicher Verletzungen und Beeinträchtigungen.

Adrenalin pur

Schließlich wird noch eine Person vermisst, ein Kind, so die Annahme, soll oben im Gebäude sein. Schnell wird die Leiter vom Dach eines Feuerwehrautos geholt.

Wasser fließt übrigens nicht bei der Übung, auch wenn es bereits in den Schläuchen ist. Die Feuerwehr will ihren Nachwuchs nicht überfordern, zumal mit Schlauch und Wasser schnell mal Fehler passieren. Blaulicht, Rauch, vermisste Personen, dazu Zuschauer und die Leiter im Einsatz, das alles bedeutet Adrenalin, weiß Jugendfeuerwehrwart Achim Schönleber.

Schließlich sitzt auch das vermeintlich vermisste Kind putzmunter auf der Trage des Jugendrotkreuzes. Eine Puppe mit Feuerwehruniform wird außerdem geborgen, sie stellte einen Bewusstlosen dar.

Gemeinsames Aufräumen nach dem Einsatz

Die Menschen sind befreit, das Feuer ist aus. Doch fertig ist die Feuerwehr deshalb nicht. „Jetzt kommt das gemeinsame Aufräumen“, kündigt Achim Schönleber an. Die Feuerwehrfahrzeuge werden so vorbereitet, dass sie wieder einsatzbereit sind. Auch das lernt der Nachwuchs.

Im Stall treibt derweil ein Entlüfter die Reste des Einsatzes der Nebelmaschine vor die Tür. Auch die Jugendrotkreuz-Helfer haben die Verletzten nun so weit versorgt, im Ernstfall würden sie sie den hauptamtlichen Rettungskräften übergeben.

"Die Kinder haben eine Spitzen-Arbeit geleistet"

Kurzes Durchatmen, Zeit für ein erstes Fazit. Wie lief die Übung? „In meinen Augen ist sie super gelaufen“, sagt Achim Schönleber. „Ich habe keine groben Fehler gesehen. Das Feuer ist gelöscht, die Personen sind gerettet. Was will man mehr?“

Auch Sandra Stadelmann, die Jugendrotkreuz-Gruppenleiterin, freut sich über den Übungsverlauf. Die Kinder hätten sehr gut agiert und sehr koordiniert mit der Jugendfeuerwehr zusammengearbeitet, hat sie beobachtet. Kurz: „Die Kinder haben Spitzen-Arbeit geleistet.“


Vielseitige Übungen

Geübt wurde in Mannenberg im Rahmen eines 24-Stunden-Diensts von Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr. Bei diesem Dienst wurde im Gerätehaus in Rudersberg quasi die Arbeit von Berufsfeuerwehr und Rettungsdienst nachempfunden. Es wurden verschiedene Situationen geübt, etwa die Personensuche an der Juxhöhle, ein Verkehrsunfall mit Verletzten oder ein Flächenbrand auf einem Stückle. Zudem wurde die Integrierte Leitstelle Rems-Murr besichtigt.

Gemeinsames Üben fördert den Zusammenhalt

Das gemeinsame Üben fördert nicht nur das Know-how, sondern auch Teamgeist und Zusammenhalt. Sowohl untereinander, als auch zwischen Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr. „Man muss später im Einsatzfall miteinander arbeiten“, sind sich Sandra Stadelmann, Jugendrotkreuz-Gruppenleiterin des DRK-Ortsvereins Wieslauftal, und Achim Schönleber, Jugendwart der Jugendfeuerwehr Rudersberg, mit Blick auf die Zukunft einig. Die gemeinsame 24-Stunden-Übung ist die erste seit vielen Jahren. Vor einem Jahr waren Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr bereits zusammen im Zeltlager.

Im Sommer haben die Organisatoren mit der Planung der 24-Stunden-Übung begonnen. Vieles gab es zu bedenken, etwa, dass die Jugendfeuerwehr einige Verstärkung im Alter von zehn und elf Jahren bekommen hat. Da sollten die Übungen natürlich alters- und leistungsgerecht ausfallen. Lernen ist das eine, Freude machen soll’s natürlich auch. „Das Wochenende muss uns allen Spaß machen“, sagt Achim Schönleber. An der 24-Stunden-Übung haben sich zehn Kinder und Jugendliche des Jugendrotkreuzes zwischen zehn und 17 Jahren sowie 16 Kinder und Jugendliche aus der Jugendfeuerwehr zwischen zehn und 18 Jahren beteiligt.

Die 24-Stunden-Übung haben etliche Helfer unterstützt. Zusätzlich zu zahlreichen Betreuern gab es ein Übungsaufbauteam sowie ehrenamtliche Mimen bei den Szenarien, zum Beispiel als Verletzte, aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, aus der Feuerwehr und der DRK-Bereitschaft.