Schorndorf

27 bezahlbare Wohnungen in der Remsstraße

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Winterbach. Die Pläne für den Neubau von staatlich gefördertem Wohnraum in der Winterbacher Remsstraße werden konkreter: Der Vorentwurf sieht Ein- bis Vierzimmerwohnungen vor. Die Gemeinde strebt für die Mieter eine „Durchmischung“ an, wie Bürgermeister Sven Müller sagt. Es sollen sowohl Obdachlose als auch Menschen mit einem Einkommen unter einer bestimmten Grenze dort unterkommen.

Derzeit stehen in der Remsstraße noch vier Häuser aus den 50er Jahren, die der Gemeinde Winterbach gehören. Die Wohnanlage ist mittlerweile – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich abgewohnt und hat keinen guten Ruf. Das soll sich nun schnell ändern. Wenn alles so läuft, wie sich Gemeindeverwaltung und Kreisbau-Gesellschaft das vorstellen, dann sind die ersten beiden der alten Kästen spätestens bis Anfang 2019 Geschichte. Die Häuser Remsstraße 31 und 33 sind die ersten, die einem Neubauprojekt mit staatlich geförderten, das heißt günstigen Mietwohnungen weichen sollen. Im zweiten Bauabschnitt soll dann der Gebäuderiegel mit den Hausnummern 35 und 37 abgerissen werden und Platz für einen zweiten Neubauabschnitt machen.

Die Gemeinde hat die Grundstücke dafür der Kreisbau-Gesellschaft in Erbpacht auf 50 Jahre überlassen. Das Winterbacher Architekturbüro Bloss und Keinath hat jetzt die Vorentwürfe im Gemeinderat vorgestellt, der ihn einstimmig befürwortete. Demnach sind zwei miteinander verbundene Gebäudekörper geplant, die auf drei Geschossen Raum für insgesamt 27 Wohneinheiten bieten. Im Einzelnen: acht Einzimmer-, elf Zweizimmer-, fünf Dreizimmer- und drei Vierzimmer-Wohnungen.

Die Gemeinde Winterbach hat das Belegungsrecht für die Wohnungen

Das Besondere an den neuen Häusern ist, dass die Kreisbau-Gesellschaft sich den Bau im Rahmen des sogenannten sozialen Wohnungsbaus staatlich fördern lässt. Dadurch ist es möglich, dass die Miete für die Wohnungen bis zu einem Drittel unter den sonst ortsüblichen Beträgen liegt. Das war bereits eine Bedingung im Erbpacht-Vertrag zwischen der Gemeinde und der Kreisbau-Gesellschaft.

Der Vertrag regelt außerdem, dass die Gemeinde Winterbach das Belegungsrecht für die Wohnungen hat, das heißt, sie darf bestimmen, welche Mieter dort einziehen. Selbst wird die Gemeinde Wohnungen anmieten, um ihrer Verpflichtung in der Unterbringung von Obdachlosen gerecht zu werden. Bürgermeister Sven Müller bemühte sich jedoch im Gemeinderat, dem verbreiteten Bild der sogenannten Sozialwohnung etwas entgegenzusetzen. Ja, es sollen dort zwar Obdachlose einziehen. Aber daneben auch ganz normale Familien. Müller denkt auch an „ältere Mitbürger“, die jetzt vielleicht noch „in einem 150-Quadratmeter-Haus“ leben und sagen würden: So eine Wohnung, die reicht mir im Alter aus. Damit könne es „eine sehr gute Durchmischung“ in dem Quartier geben, so umschrieb der Bürgermeister seine Vorstellung. Kreisbau-Geschäftsführer Johannes Berner sagte bereits bei früherer Gelegenheit: „Wir wollen, dass durch die Investition eine Aufwertung stattfindet.“

28 "lebenswerte" Quadratmeter

Architekt Andreas Bloss betonte im Gemeinderat ebenfalls: „Die Kreisbau macht sich sehr viele Gedanken zur Qualität der Wohnungen.“ Auch die kleinen 28 Quadratmeter großen Einzimmer-Wohnungen sollen „lebenswert“ sein.


Bild: Für mehr Infos Punkte anklicken oder mit dem Maus-Cursor über das Bild fahren. Quelle: Bloss/Keinath Architekten

Dazu kam jedoch aus dem Gemeinderat von BWV-Rätin Elke Heiland ein Kritikpunkt. Sie befürchtet, dass die Einzimmerwohnungen zu düster geraten könnten, da sie laut Plan ihr Licht ausschließlich von einer Seite über eine Loggia bekommen, während eine fensterlose „Bettnische“ den größeren Teil der Außenwand belegt. „Ich würde in so was Depressionen kriegen“, so Heiland. Sowohl Andreas Bloss als auch Bürgermeister Müller betonten darauf jedoch: Die dort vermutlich untergebrachten Wohnungslosen würden nicht über Jahrzehnte dort wohnen, sondern nur ein Obdach haben, bis sie, so Müller, „in die Selbstständigkeit“ zurückkehren. Andreas Bloss sagte dennoch zu, er werde diesen Punkt der Entwurfsplanung noch einmal mit den Verantwortlichen der Kreisbau-Gesellschaft diskutieren.

Ab August 2020 beziehbar?

Möglicher Baubeginn für den ersten Abschnitt der neuen Mietshäuser könnte im Frühjahr 2019 sein, so Andreas Bloss. Vorher muss die Gemeinde allerdings noch einen Bebauungsplan aufstellen. Wenn alles gut läuft, könnten dann im August 2020 die ersten Bewohner in das neue Haus einziehen und direkt im Anschluss könnte der zweite Bauabschnitt beginnen.

Die Umsetzung der Neubebauung in zwei Abschnitten ist auch nötig, damit die Bewohner der bestehenden Gebäude weiterhin ein Dach über dem Kopf haben. Die wenigen verbliebenen Mieter und Bewohner der Häuser Remsstraße 31 und 33 sollen für deren Abriss vorübergehend in die Nummer 35 und 37 umziehen, so Bürgermeister Sven Müller, darauf habe man sich mit den Leuten geeinigt. Ist dann der Neubau fertig, können wiederum alle aus diesen Häusern dorthin umziehen.

Wer darf in die neuen Wohnungen einziehen?

Für die Belegung der neuen Wohnungen in der Remsstraße, insgesamt 27 an der Zahl, ist das Stichwort „Wohnberechtigungsschein“ wichtig. Da der Bau mit staatlichen Fördergeldern unterstützt wird, liegen die Mieten bis zu einem Drittel unter den ortsüblichen Sätzen, und es ist genau festgelegt, wer dort wohnen darf, nämlich alle, die im Besitz des Wohnberechtigungsscheins sind.

Was ein bisschen nach Notunterkunft klingt, kommt für deutlich mehr Menschen, als sich das vielleicht selbst vorstellen können, infrage. In Baden-Württemberg liegt zum Beispiel bei einer vierköpfigen Familie die Einkommensgrenze für einen Wohnberechtigungsschein bei 65 000 Euro. Kreisbau-Geschäftsführer Johannes Berner sagte im vergangenen Jahr im Winterbacher Gemeinderat: „Das könnte annähernd die Hälfte der Bevölkerung betreffen.“