Schorndorf

3E-Zentrum arbeitet mit „Lügenpresse“-Vorwurf

Therapiezentrum[1]_0
Eingebettet ins Grün: Das 3E-Zentrum in Buoch (Archivbild). © Gaby Schneider

Waiblingen/Remshalden. „Unseriös, dreist und unverschämt“. Das sei die Art und Weise, wie Journalisten mit dem 3E-Zentrum in Buoch verfahren. Und jetzt auch der Zeitungsverlag Waiblingen. Mit diesen Worten reagiert das Buocher Haus für „alternative Krebstherapien“ auf unsere Seite in der Ausgabe vom 12. Juli, Titel: „Wenn das Heil versprochen wird.“

Die Stellungnahme, unterzeichnet von den beiden Gründern Klaus Pertl und Lothar Hirneise, beginnt mit einer Unterstellung. Der Zeitungsverlag Waiblingen habe von sich aus einen Gesprächstermin ausgeschlagen. Die Redaktion habe zudem gedroht, es würde sich auch so genügend negatives Material im Internet finden lassen, um etwas zu schreiben, ohne mit den 3E-Gründern zu sprechen. Der Autor, Jörg Nolle, habe sich in einer E-Mail zudem „außergewöhnlich beleidigt“ gezeigt. Soweit die Vorwürfe.

Fakt ist, dass wir telefonisch Klaus Pertl um einen Gesprächstermin gebeten haben. Er machte mit der Zeitung einen konkreten Termin aus. Tags danach bat er darum, die Fragen vorab zugeschickt zu bekommen. Wir haben ihm daraufhin sechs Fragen übersandt. Seine Antwort per Mail und damit dokumentiert: Sie, Pertl und Hirneise, geben nur noch Journalisten Interviews, „die uns schriftlich bestätigen, dass ihr Artikel nur nach unserer Freigabe veröffentlicht werden darf“. Mit anderen Worten: Pertl und Hirneise wollten auf den Inhalt Einfluss nehmen. Diese Zusage gab es von uns nicht. Zwei Stunden später kam die definitive Absage des Interviewtermins. Es wird um Verständnis gebeten, „weil wir auch diese Form der Berichterstattung sehr kritisch sehen und wir natürlich eine ganz andere Sicht der Dinge haben.“

Die Fragen, die wir dem 3E-Zentrum stellen wollten

Hier, zum Nachlesen, die Fragen der Zeitung an das 3E-Zentrum:

1. 3E steht für Energiearbeit, Ernährung, Entgiftung. Es sind Bausteine, die Sie, Lothar Hirneise und Klaus Pertl, entworfen haben, basierend auch auf Publikationen und der Arbeit anderer. Ihre Methode soll sich deutlich von anderen Therapien unterscheiden, heißt es im Info-Heft, und damit weltweit einzigartig machen. Das klingt nach einer absoluten Aussage, die wiederum nach Belegen ruft. Haben Sie Belege für die Einzigartigkeit?

2. Schulmediziner sagen zum Beispiel, dass ein Körper nicht entgiftet werden kann, weil der Körper schon selber darauf achtet, dass er nicht vergiftet wird. Symptome einer richtigen Vergiftung würden sich ganz anders und viel direkter zeigen. Wie muss man sich die Entgiftung vorstellen?

3. Immer wieder ist in den Infos über das 3E-Zentrum zu lesen, dass die Lebensweise und das Vorleben eine Rolle spielt. Von Stress ist die Rede, vom Faktor Familie. Ist das nicht ein indirekter Vorwurf an die krebskranken Menschen, sie seien letztlich selbst schuld für die Krankheit?

4. Mit Recht verweisen Sie darauf, dass die Medizin letztlich noch kein Mittel gefunden hat gegen Krebs. Andererseits vermitteln Todesraten ein falsches Bild. Wenn Menschen immer noch länger leben, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Krebs sterben. Wie ermitteln Sie das Versagen der herkömmlichen Krebsmedizin?

5. In dem SWR-Film „Krebs: Das Geschäft mit der Angst“ werfen die Filmemacher ihrem Therapiezentrum vor, es gebe letztendlich, in der Therapie, eben doch ein Heilversprechen ab. Auch wenn Sie, Herr Pertl, betonen, dass jeder Patient danach gefragt wird, was sein Arzt empfohlen hat und dass sie auf keinen Fall Heilung versprechen. Denn das wäre ja, so Ihre Aussage im Film, „verboten“. Dem Undercover-Journalisten wurde dann offenbar von der Therapeutin doch gedeutet, dass der Patient Verantwortung für seine Krankheit trage. Dass es mit Schuld zu tun habe. Und wenn alles klar sei, dann gehe auch der Tumor weg. Frage: Tragen Sie Sorge dafür, dass solche Aussagen künftig nicht mehr gemacht werden in Ihrem Zentrum?

6. Falls Sie meinen, das Filmteam habe nicht korrekt recherchiert, gehen Sie gegen die Filmemacher vor? Werden Sie Anwälte einschalten?

In ihrer Stellungnahme betonen Pertl und Hirneise, dass sie sich seit 1997 mit alternativer Onkologie beschäftigen und dabei „ein Wissen aufgebaut (haben), das einmalig auf dieser Welt ist“ und mit dem „nachweislich vielen schwerkranken Menschen“ geholfen worden sei.

Pertl und Hirneise stehen auf dem Standpunkt, dass in dem oben erwähnten Film gelogen werde und dass sich die Zeitung diesen Lügen anschließt. Sie äußern Verständnis, dass „immer mehr Menschen sich von den ,üblichen Medien’ abwenden und mit der Art von Lügenpresse nichts mehr zu tun haben wollen.

Im Film und im Artikel werde so getan, „wie wenn unser Zentrum eine Klinik wäre, in welcher Krebspatienten therapiert werden, obwohl wir immer betonen, dass wir keine Klinik sind“. Es handele sich in Buoch um ein „Seminarhaus mit Hotelcharakter.“ Dazu hilft freilich ein Blick auf die Internetseite oder in das Info-Heft, das in Buoch ausliegt. Da heißt es schon im Titel: „3E, alternative Krebstherapien, natürlicher Tumorabbau, Krebsursache stoppen, Vertrauen zurückgewinnen.“

Pertl und Hirneise greifen auch den Schorndorfer Arzt Dr. Wolfgang Weigold an, den wir zur Einschätzung der 3E-Therapie befragt hatten. Es sei eine „unglaubliche Unverschämtheit und ehrlich gesagt auch extreme Dummheit, sich so von einem Journalisten missbrauchen zu lassen.“ Denn er, der Allgemeinmediziner Dr. Weigold, habe „im Gegensatz zu uns keine Ahnung von ganzheitlicher Onkologie“.