Schorndorf

50 Millionen für den Glasfaserausbau

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Symbolbild. © Ramona Adolf
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Bürgermeister Thorsten Englert, Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Stadtwerke-Chef Andreas Seufer und die beiden Fraktionsvorsitzenden Gerhard Nickel (FDP/FW) und Hermann Beutel (CDU) – von links nach rechts – schauen sich an, wie es um den Glasfaser-Ausbau in Schorndorf bestellt ist.

Schorndorf. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke ist sich einig, der Gemeinderat wird’s am kommenden Donnerstag endgültig beschließen: Stadt und Stadtwerke nehmen den Glasfaserausbau für schnelles Internet in die eigene Hand und investieren in den nächsten zehn Jahren 50 bis 60 Millionen Euro. Inbegriffen ist im Hinblick auf die Elektro-Mobilität auch die Verstärkung des Stromnetzes. „Wir denken beides zusammen“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Rahmen eines Pressegesprächs.

Von einem „ganz zentralen Zukunftsthema“ und von einem „Quantensprung wie vor 100 Jahren, als den Schorndorfern so allmählich ein elektrisches Licht aufging“, sprach Klopfer und nannte im Zusammenhang mit der Digitalisierung die Stichworte Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Telemedizin und die Verschmelzung von Wohnen und Arbeiten. „Für all das brauchen wir eine verlässliche Infrastruktur, die dann auch die Grundvoraussetzung für die 5 G-Mobilfunktechnik ist“, sagte der Oberbürgermeister und machte den Ernst der Lage, was die E-Mobilität und das daraus resultierende Erfordernis, das Stromnetz nach- und aufzurüsten, an der Ankündigung von VW fest, 2026 die Arbeiten am Verbrennungsmotor einstellen zu wollen.

Es sei vielleicht noch etwas zu früh, zu wissen und zu sagen, wie die Welt in zehn Jahres aussieht, versuchte CDU-Fraktionschef Hermann Beutel die Euphorie Klopfers bezüglich E-Mobilität und autonomes Fahren etwas zu bremsen. Andererseits, hielt Matthias Klopfer entgegen, hätte vor zehn Jahren auch niemand gedacht, wie das Smartphone die Welt verändern würde.

Beginn im „Steinwasen“ und in anderen Gewerbegebieten

Aus Sicht von Stadtwerk-Chef Andreas Seufer wäre es mit Blick auf die Zukunft der Stadtwerke „zu kurzfristig gedacht, wenn wir uns nur auf unser bisheriges Geschäftsfeld konzentrieren würden“. Deshalb seien die Stadtwerke bereits in diesem Jahr als Kommunikationsdienstleister angemeldet worden und außer im Bereich der Schulen auch schon bei einigen Unternehmen – unter anderem auf dem ehemaligen Bauknecht-Gelände – in den Glasfaserausbau und die Versorgung mit schnellem Internet eingestiegen. Dieses Geschäftsfeld solle nun in den nächsten zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut werden, kündigte Seufer an und verwies auf einen Masterplan für Schorndorf und die Teilorte, der vorsieht, dass jährlich etwa fünf bis sechs Millionen in den Glasfaserausbau investiert werden sollen – beginnend 2020 im Gewerbegebiet „Steinwasen“ und in verschiedenen Gewerbe- und Industriegebieten in den Stadtteilen.

Nach und nach soll der Glasfaserausbau dann auch auf die Wohngebiete ausgeweitet werden, so wie das exemplarisch im Zusammenhang mit einer grundlegenden Erneuerung des Versorgungsnetzes bereits in der Röhrachsiedlung passiert ist, wo laut Seufer derzeit die Akquise für die Verlegung von Hausanschlüssen läuft – zu einem Standardpreis von 799 Euro plus Mehrwertsteuer, so dass der Anschluss letztendlich etwa 1000 Euro kosten dürfte. Was aber, so sieht es FDP/FW-Fraktionschef Gerhard Nickel, eine rentable Investition insofern sei, als sie zu einer Wertsteigerung der jeweiligen Immobilie führen dürfte.

Netz- und Leitungsrechte sorgen in der Zukunft für einen Ertrag

Derzeit sind in Schorndorf laut Andreas Seufer 40 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, weitere 280 Kilometer sollten in den nächsten Jahren dazukommen. Was, soweit es die Stadtwerke betrifft, zunächst einmal keine rentable Investition ist. „So was geht nur, wenn man so starke Stadtwerke wie wir hat und einen Geschäftsführer, der bereit ist, ins Risiko zu gehen“, sagte Finanzbürgermeister Thorsten Englert mit Blick darauf, dass die Erträge dieser Investition erst der nachfolgenden Generation zugutekommen werden, die dann davon profitieren werde, dass die Netz- und Leitungsrechte bei den Stadtwerken lägen. Insofern seien die 50 Millionen, denen gegenüber sich die zusätzlichen Aufwendungen für die Aufrüstung des Stromnetzes vergleichsweise bescheiden ausnehmen, auch eine nachhaltige Investition, so Englert. Dass die Arbeiten am Stromnetz nur mit ein paar Millionen Euro zusätzlich zu Buche schlagen, begründet Andreas Seufer damit, dass „das Teuerste das Aufgraben“ sei. Weshalb der Glasfaserausbau letztendlich auch ein umfassendes Gehwegsanierungsprogramm sei.

Allerdings, sagte Seufer auf Nachfrage, sei das viele Millionen schwere Engagement der Stadtwerke beim Glasfaserausbau, der als zukunftsträchtiger Teil der Daseinsvorsorge auch nach Einschätzung der Grünen- und der SPD-Fraktion in staatliche beziehungsweise kommunale Hände gehört, keine Garantie, dass in Schorndorf nicht auch die Telekom (und andere Anbieter) in den Glasfaserausbau investieren. „Das Tragische ist, dass es bei der Telekommunikation im Gegensatz zu anderen Versorgungsleistungen keine Konzession gibt“, bedauert der Stadtwerke-Chef. Was im Zweifelsfall auch mal zu einer Doppelverlegung führen könne, die aber, so Andreas Seufer, der sich durchaus auch eine Kooperation – „aber nur auf Augenhöhe“ – vorstellen könnte, gar nicht immer schlecht sein müsse, weil es durchaus auch Unternehmen gebe, die an zwei Anschlüssen von verschiedenen Anbietern interessiert seien, um ganz auf der sicheren Seite zu sein. Gleichzeitig ist Seufer aber davon überzeugt, dass die Stadtwerke im Endausbau mit einer Ringlösung, in die von zwei Seiten eingespeist werden kann, weitgehende Versorgungssicherheit garantieren können.


1000-Dächer-Strom

Angetan ist Andreas Seufer vom SPD-Haushaltsantrag, in der Stadt ein 1000-Dächer-Programm für die Gewinnung von Solarenergie auf den Weg zu bringen.

Ausgehend von einer Dachfläche von jeweils 30 Quadratmetern, könnten einer schnellen Berechnung des Stadtwerke-Chefs jährlich 30 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Womit – entsprechende Speichermöglichkeiten vorausgesetzt – immerhin ein Sechstel des Schorndorfer Gesamtverbrauchs abgedeckt werden könnte.