Schorndorf

Abschied von der Ernst-Heinkel-Realschule

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Tschüss Ernst-Heinkel-Realschule: Abschied in die Ferien und vom Schulgebäude. © Gabriel Habermann
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Die Umzugskartons sind zum großen Teil schon gepackt. Techniklehrer Armin Wiesner steht im Werkraum vor einer braunen Wand. © Reinhold Manz

Remshalden. 55 Jahre lang war die Ernst-Heinkel-Realschule in Grunbach gehasster und geliebter Lebensmittelpunkt von Generationen von Schülern. Jetzt haben sie vor den Sommerferien zum letzten Mal Tschüss gesagt. Zum Abschied weinte der Himmel, was die Wolken hergaben. Im Regen formten die Schüler auf dem Hof die Initialen EHR und ließen Ballons steigen. Wehmütig sind vor allem die Lehrer. Doch alle freuen sich auch auf das neue Schulgebäude.

Video: Schüler verabschieden sich von der Ernst-Heinkel-Realschule.

Zum Schluss herrscht im Gebäude der Ernst-Heinkel-Realschule ein kleines bisschen Anarchie. Am Ende durften die Schüler das tun, was bisher streng verboten war: In den Fluren sind jetzt Boden und Wände mit Filzstift bekritzelt, genauso in den Klassenzimmern. Die 7b hat die Abdrücke ihrer Hände mit Farbe an der Wand hinterlassen. „Der schwerste Abschied ist morgens von meinem Bett“, hat ein Spaßvogel an einer anderen Stelle getextet. Alles durfte bemalt und beschmiert werden – außer die Tische und Stühle. Die ziehen nämlich über die Ferien mit um an den neuen Standort im ehemaligen Hauptschulgebäude in Geradstetten, in dem gerade noch fieberhaft die letzten Umbauarbeiten laufen.

20 Jahre an der EHR unterrichtet

An der Tafel des Klassenzimmers der 7b steht der Termin für den Neuanfang: 11. September, 8.30 Uhr auf dem neuen Pausenhof. Doch jetzt geht es erst einmal um das Ende einer Ära. Sie habe gemischte Gefühle, meint Klassenlehrerin Ingrid Schneider. 20 Jahre hat sie an der EHR unterrichtet und fühlt zwar einerseits Vorfreude auf das neue Schulgebäude, andererseits aber derzeit vor allem viel Wehmut beim Abschied vom alten. „Die Lage ist eigentlich nicht zu toppen“, meint sie zum Standort, der mit dem Umzug aufgegeben wird. Ähnlich sehen es auch andere Lehrer.

Ja, er sei traurig, gibt Musiklehrer Martin Betsch zu Protokoll, während er darauf wartet, dass die Abschiedszeremonie auf dem Hof beginnt: „Weil wir nie mehr so ein Schulgebäude bekommen, wo wir aus jedem Klassenzimmer rausgucken und Grün sehen.“ Auf der anderen Seite, meint auch er, freue er sich natürlich auf das neue Gebäude. Eines, ergänzt Kollegin Ingrid Schneider, „wo es im Winter überall warm ist und im Sommer überall kühl“.

Gemischte Gefühle beim Abschied

Rektorin Monika Behrend ist wie alle zwiegespalten. Jahrelang hätten sie geklagt über die Mängel ihrer alten Schule, die Fenster, die verfault waren und sich nicht mehr öffnen ließen, die Tageslichtprojektoren, die nicht funktionierten, die Hitze in Teilen des Gebäudes im Sommer, die Kälte in anderen Teilen im Winter. „Und jetzt tut es mir richtig leid, dass wir gehen müssen.“ Freude auf die neue Schule, klar, aber: „Ich habe auch ein komisches Gefühl, weil sie ja noch nicht mit Leben gefüllt ist. Und diese Schule hier hat einfach gelebt.“

Das Leben der Ernst-Heinkel-Realschule quillt am Mittwochvormittag aus ihr heraus. Ein Trommelwirbel ist das Zeichen und alle Schüler, die sich zuvor in den Türen aufgestellt hatten, strömen auf den Hof. Dort ist mit kleinen farbigen Hütchen ihre Aufstellung markiert, damit die Buchstaben E, H und R entstehen. Tapfer harren die Schüler im strömenden Regen aus, während Rektorin Monika Behrend und Pfarrer Ludwig Mattes, extra angereist von seiner neuen Wirkungsstätte in Sommerrain, die Abschiedsworte sprechen.

„Ein bisschen traurig ist es schon“

Die Schüler sind großteils weniger gefühlsbewegt als ihre Lehrer, sie sehen den Umzug eher unter pragmatischen Gesichtspunkten. Für die einen wird der Schulweg kürzer, für andere länger, so wie zum Beispiel für Tamaris. Sie kommt in der neuen Schule in die zehnte, das heißt, die Abschlussklasse. Der Umzug sei „doof für ein letztes Jahr“, findet sie. Amelie, ebenfalls in der neunten Klasse meint: „Ein bisschen traurig sind wir schon, dass wir unseren Abschluss nicht in unserem gewohnten Umfeld machen dürfen.“ Kurzfristig betrachtet ist es den Meisten wahrscheinlich aber sowieso am wichtigsten, dass sie jetzt erst einmal für sechs Wochen nichts mehr mit Schule zu tun haben müssen.

Pfarrer Ludwig Mattes, der 22 Jahre Katholische Religion an der Schule unterrichtet hat, spricht zum Abschied einen Segen. Und schließlich ruft Monika Behrend ein lautes „Tschüüüüss!“ ins Mikrofon, Andreas Bouranis „Auf uns“, dann der Klassiker „School’s out“ von Alice Cooper dröhnen aus den Lautsprecherboxen und 55 Luftballons steigen in den verregneten Himmel, einer für jedes Schuljahr in der Ernst-Heinkel-Realschule.

In der fünften Ferienwoche kommt das Umzugsunternehmen

Für die Schüler ist sie damit Geschichte, sie strömen vom Schulhof in die Ferien. Die Lehrer haben noch ein bisschen zu tun, obwohl schon mehrere große Container mit Müll und aussortiertem Ballast von Jahrzehnten gefüllt und viele Kartons gepackt sind, die nun überall im Gebäude aufgestapelt bereit stehen. In der fünften Ferienwoche, kommt das Umzugsunternehmen und bringt Kartons, Möbel und Maschinen aus den Technikräumen in die neue Schule.