Schorndorf

AfD-Störfeuer bei Thomas Bergers Verabschiedung aus dem Schorndorfer Gemeinderat

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Thomas Berger hat seine letzte Gemeinderatssitzung hinter sich. Fotos: Steinemann © Ralph Steinemann

Üblicherweise verlaufen Verabschiedungen aus dem Gemeinderat – und hätten sie sich auch noch so überraschend angekündigt – harmonisch. Im Falle von Thomas Berger, der dem Gremium seit 2007 angehörte und seit 2016 Vorsitzender der SPD-Fraktion war, war das anders. Dafür gesorgt hat AfD-Stadtrat Lars Haise, der einerseits anerkannte, dass es formal keine Hinderungsgründe für ein Ausscheiden Bergers aus dem Gemeinderat gebe, der andererseits den Rückzug des „lieben Herrn Berger“ aber als „bemerkenswert merkwürdig“ bezeichnete – aus zweierlei Gründen. Zum einen habe Thomas Berger sein Ausscheiden just zu dem Zeitpunkt bekanntgegeben, „als die Stadtwerke in unruhiges Fahrwasser gerieten“, zum anderen stelle sich die Frage, warum Berger noch einmal als Spitzenkandidat der SPD für den Gemeinderat kandidiert und nach seiner Wiederwahl „noch diverse dekorative Pöstchen abgesahnt“ habe, wenn doch, wie er selber sage, die Entscheidung schon lange in ihm herangereift sei. „Ein G’schmäckle bleibt“, konstatierte Haise“, der vor allem mit seinem Versuch, aus einem im Zusammenhang mit der Trennung von Andreas Seufer eine Rolle spielenden anonymen Brief zu zitieren, auf Widerspruch und Protest stieß. „Es muss jeder selber wissen, was er in diesem Rahmen kundtut, aber ein Beitrag zu einem konstruktiven Miteinander ist das nicht“, kommentierte Oberbürgermeister Matthias Klopfer Haises Ausführungen und sprach mit Blick auf die Stadtwerke von einer „Erfolgsgeschichte trotz vieler kritischer Stimmen“.


Immer gegen die AfD – als SPDler, Polizeibeamter und Mensch

Es falle ihm nicht leicht, den Gemeinderat jetzt zu verlassen, auch weil die Stadtwerke sein „Baby“ gewesen seien, sagte Thomas Berger in seiner indirekten Reaktion auf Haise und wandte sich dann „als einfacher Bürger“ mit einer Bitte an alle Fraktionen mit Ausnahme der AfD. Wenn alle „mit Vollgas“ bei ihren Werten und ihrer politischen Grundausrichtung blieben – die CDU bei ihrem christlich geprägten Wertekanon, die Grünen bei ihrem Einsatz für Umwelt und Ökologie, die FDP bei ihrem Bekenntnis zu weniger Staat und die SPD bei ihrem Bestreben nach sozialer Gerechtigkeit –, „dann“, so Berger, „haben wir so viele Alternativen, dass wir keine andere Alternative für Deutschland brauchen“. Und wenn es darum gehe, der AfD die Grenzen aufzuzeigen, dann werde er sich „immer einmischen – als Sozialdemokrat, als Polizeibeamter und als Mensch“, sagte der scheidende Stadtrat und Fraktionsvorsitzende.

Ein Brückenbauer mit Freude am politischen Streit

Oberbürgermeister Matthias Klopfer zeichnete Berger für sein mehr als zehnjähriges Engagement im Gemeinderat unter Einhaltung der Abstandsregel mit der städtischen Verdienstmedaille in Bronze aus und er bedankte sich bei Berger „als OB und als Freund“ für das, was er in seiner Zeit als Stadtrat geleistet habe. „Unsere Stadt und unsere Gesellschaft braucht Menschen wie dich“, sagte Klopfer und charakterisierte Berger als pragmatisch und als Brückenbauer, aber auch als einen, „der Freude am politischen Streit hat und pointiert und zugespitzt formulieren kann“. Es schmerze viele seiner zahlreichen Wählerinnen und Wähler, dass er sie nicht mehr vertreten könne, meinte der Oberbürgermeister mit Blick einerseits auf die von Berger als Rückzugsgrund ins Feld geführte zunehmende berufliche Beanspruchung als stellvertretender Leiter des Polizeipräsidiums Stuttgart und andererseits darauf, dass sich Thomas Berger bei der Kommunalwahl 2919 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit CDU-Fraktionschef Hermann Beutel um den Rang als Stimmenkönig geliefert hat.

Berger lässt das Beste zurück, was er hat - seine Frau 

Die Fraktion, auch wenn sie erst einmal sehr überrascht gewesen sei, verstehe den Rücktritt ihres Fraktionsvorsitzenden, der sich in den vergangenen Monaten die Zeit für seine kommunalpolitische Arbeit „wirklich aus den Rippen geschwitzt" habe, sagte SPD-Stadträtin Heidi Rapp und attestierte dem Scheidenden, er habe über all die Jahre hervorragende Arbeit geleistet – mit großer Bürgernähe und vielen Ideen und Lösungen für seine Heimatstadt. „Ich sage keinen Ton dazu, wie es möglich ist, als Listenführer nach einem Jahr so einfach zu gehen“, sagte knitz der für die anderen Fraktionen sprechende FDP/FW-Fraktionschef Gerhard Nickel, der an Thomas Berger geschätzt hat, dass man sich auf sein einmal gegebenes Wort immer verlassen konnte. „So wie die Zusammenarbeit mit deinem Vorgänger Karl-Otto Völker geklappt hat, so hat sie auch mit dir geklappt“, sagte Nickel und schenkte Berger zum Abschied außer einem Buch auch einen roten Maulkorb, damit er sich, wie versprochen, künftig tatsächlich aus der Gemeinderatsarbeit raushalte. Was nicht ganz einfach werden dürfte, lässt Thomas Berger im Gemeinderat doch „das Beste, was ich habe“, zurück – seine Frau Sabine nämlich.

Die Zeit im Gemeinderat: „Eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens“

Der Beste oder zumindest einer der Besten seines Fachs ist für Thomas Berger Oberbürgermeister Matthias Klopfer, den er, wenn es darum geht, eine Benchmark für Oberbürgermeister zu setzen, auf eine Stufe mit dem ehemaligen Fellbacher OB Christoph Palm stellt und den er als „hervorragenden Oberbürgermeister und sehr guten Freund“ bezeichnete. Auf die Zeit im Gemeinderat, die für ihn eine der prägendsten in seinem seitherigen Leben gewesen sei, blicke er mit großer Dankbarkeit zurück, sagte Thomas Berger, der an seine Kolleginnen und Kollegen appellierte, sie sollten in der Kommunalpolitik vor allem auf die richtigen Prioritätensetzungen achten.

Klopfer zu Laslo: "Es gibt immer wieder schräge Vögel"

Und dann sorgte noch einmal die AfD für Aufregung und Verstimmung. Als es nämlich um die rein formale Frage ging, ob es Hinderungsgründe für das Nachrücken von Jürgen Erdmann gebe, enthielt sich AfD-Stadtrat Franz Laslo als Einziger der Stimme. Was der Oberbürgermeister so kommentierte: „Es gibt immer wieder schräge Vögel.“ Das müsse aber jetzt auch nicht sein, kritisierte daraufhin Grünen-Stadtrat Andreas Schneider die spontane Reaktion von Matthias Klopfer. Was der unwidersprochen so stehenließ.

Üblicherweise verlaufen Verabschiedungen aus dem Gemeinderat – und hätten sie sich auch noch so überraschend angekündigt – harmonisch. Im Falle von Thomas Berger, der dem Gremium seit 2007 angehörte und seit 2016 Vorsitzender der SPD-Fraktion war, war das anders. Dafür gesorgt hat AfD-Stadtrat Lars Haise, der einerseits anerkannte, dass es formal keine Hinderungsgründe für ein Ausscheiden Bergers aus dem Gemeinderat gebe, der andererseits den Rückzug des „lieben Herrn Berger“ aber als

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