Schorndorf

Agnes aus Plüderhausen tanzt in einem Musikvideo

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Agnes (in der Mitte) beim Videodreh zum Lied „Du bist so“, das zum Welt-Down-Syndrom-Tag 2019 veröffentlicht wurde. © Stangenberg
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Astrid Braunschläger liest Agnes aus einem Weihnachtsbuch vor. Ihre Tochter liebt es, Weihnachten zu feiern. © Benjamin Büttner

Plüderhausen. „Wir sind schön und gut und richtig“, heißt es im Lied zum Welt-Down-Syndrom-Tag. Agnes Braunschläger hat bei dem Dreh des Musikvideos mitgewirkt. Die Siebenjährige hat Trisomie 21. „Das ist aber nicht, was sie ausmacht“, sagt Astrid Braunschläger über ihre Tochter.

Agnes liebt Weihnachten und Geburtstage, geht gerne schwimmen und reiten und weckt ihre Mutter auch am Wochenende schon früh. Was ihre Vorlieben angeht, ist sie wahrscheinlich wie viele andere Kinder auch. Doch eine Sache unterscheidet sie von den meisten anderen: Sie hat das Down-Syndrom. Doch ihre Mutter Astrid Braunschläger sagt: „Die Behinderung ist nicht, was sie ausmacht.“

Sie setzt sich mit anderen Eltern für die Akzeptanz und Sichtbarkeit von Menschen mit Down-Syndrom ein. Im Februar drehte eine Elterninitiative mit verschiedenen Musikern ein Video zum Welt-Down-Syndrom-Tag. Dafür ist Braunschläger mit ihrer Tochter extra nach Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen gefahren, wo sie als eine von 130 Kindern mit und ohne Down-Syndrom Aufnahmen für das Musikvideo machte.

Gesellschaftliches Bewusstsein für das Thema Down-Syndrom schaffen

„Wir sind schön und gut und richtig, wie wir sind“, singen die Sängerinnen und Sänger. Sie vermitteln kindgerecht, dass auch Kinder mit Down-Syndrom zur Gesellschaft gehören. Die Erlöse gehen an die Deutsche Stiftung für Menschen mit Down-Syndrom. In dem Video zum Lied hüpfen und springen die Kinder in bunten T-Shirts herum. Sie spielen im Freien mit farbigem Pulver und tanzen mit Luftgitarren in einer Diskothek. „Das hat viel Spaß gemacht“, sind sich Mutter und Tochter Braunschläger einig.

Es geht bei der Aktion aber nicht nur um den Spaß bei der Sache. Den Initiatoren des Videos geht es auch darum, das gesellschaftliche Bewusstsein für das Thema Down-Syndrom zu steigern. Besonders hinsichtlich der aktuellen Diskussion um die Ausweitung der Pränataldiagnostik ist es ihnen ein Anliegen, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen. Derzeit diskutiert die Politik darüber, ob die Kosten für die Untersuchungen auf die Behinderung von den Krankenkassen übernommen werden sollen. Das findet Braunschläger, die als Bürokauffrau arbeitet, falsch. „Auch Kinder mit Down-Syndrom haben große Lebensfreude“, sagt sie. Sie fürchtet, dass dadurch die Feindlichkeit gegenüber Behinderten zunehmen könnte.

Ausgerechnet von einer Ärztin sei sie schon mal gefragt worden, ob das denn heute noch sein müsse, ein Kind mit Trisomie 21 zu bekommen, erzählt die Plüderhäuserin. Solche Nachfragen entsetzen Astrid Braunschläger. Sie und ihr damaliger Mann entschieden sich während der Schwangerschaft gegen die Untersuchungen, obwohl sie damals bereits über 35 Jahre alt war und zur Risikogruppe zählte.

Neun von zehn der ungeborenen Kinder, bei denen durch entsprechende Tests ein Risiko auf Trisomie 21 festgestellt wurde, werden Schätzungen von Verbänden und Organisationen zufolge abgetrieben. Seit 2012 kann man in einem einfachen Bluttest schon ab der zwölften Schwangerschaftswoche feststellen, ob ein Baby das Down-Syndrom oder andere genetische Unregelmäßigkeiten haben könnte. Zur Absicherung wird bei einem positiven Befund im Bluttest noch eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht. „Jede Frau muss das selbst entscheiden“, sagt Astrid Braunschläger aber, sie will nicht diejenige mit dem erhobenen Zeigefinger sein. Bevor man die Untersuchung mache, müsse man sich aber darüber klar sein, was die Konsequenzen seien.

Der Kontakt mit anderen Eltern hat Astrid Braunschläger geholfen

Kurz nach der Geburt von Agnes hat Astrid Braunschläger erfahren, dass ihre Tochter das Down-Syndrom hat. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt sie. Der Kontakt mit anderen Eltern, die Kinder mit der Behinderung haben, half ihr. Auch deshalb engagiert sie sich heute und geht mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. So schreibt die Mutter etwa auch auf dem Blog „rumpelpumpelhaus“ über ihre Erfahrungen. Dort bezeichnet sie sich und ihre Tochter als das „A-Team“.

Agnes ist sieben Jahre alt und geht auf die Fröbelschule in Schorndorf, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung. Braunschläger erklärt, dass sich Trisomie 21 bei den Betroffenen ganz unterschiedlich auswirke, manche hätten im Alltag größere Schwierigkeiten als andere.

Viele Menschen mit Down-Syndrom leiden an einem Herzfehler, zu ihnen gehört auch Agnes. Mit zwei Jahren musste sie operiert werden. An den Tag erinnert sich ihre Mutter noch heute: „Das ist ihr zweiter Geburtstag“, sagt sie.


Der Welt-Down-Syndrom-Tag ist am 21. März

  • Seit 2006 wird der Down-Syndrom-Tag weltweit gefeiert.
  • Er findet immer am 21. März statt, da bei Menschen mit Down-Syndrom das 21. Chromosom dreimal vorhanden ist.
  • Das deutsche Down-Syndrom-Info- Center schätzt, dass etwa 50 000 Menschen mit Down-Syndrom in Deutschland leben.
  • Anlässlich des Tages haben sich diverse Behindertenverbände und Organisationen gegen die Krankenkassenfinanzierung von Bluttests auf genetische Abweichungen ausgesprochen.
  • Unter dem Titel „Du bist so! Musikvideo zum Welt-Down-Syndrom-Tag 2019“ ist das Video auf Youtube verfügbar.