Schorndorf

An einer städtebaulich markanten Stelle in Schorndorf: Kleiner Altbau soll modernem Mehrfamilienhaus weichen

Abriss
Ein modernes Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einer Haus-im-Haus-Lösung soll das alte Gebäude an der Ecke Aichenbach-/Friedensstraße ersetzen. © Gabriel Habermann

Zur Remstal-Gartenschau 2019 hätte der Neubau an der Ecke Aichenbach-/Friedensstraße eigentlich schon fertig sein sollen – als Tor zum Schlosspark, mit begrünter Fassade und einer Dachterrasse, die auch dem Gartenschau-Publikum als Veranstaltungsfläche hätte dienen können. Doch aus den Plänen der Riker Wohnbau + Immobilien GmbH wurde nichts. Im Gestaltungsbeirat der Stadt Schorndorf fiel die Idee im März 2018 durch: Zu dieser „attraktiven und höchst sensiblen Stelle im Stadtgrundriss“, so die Begründung, passe der eher austauschbare Entwurf nicht: „Die zerklüftete wie wuchtige Ausbildung des Baukörpers ist der Besonderheit des Ortes nicht angemessen.“ Kritisiert wurde außerdem, dass mit den verwendeten Fensterformaten und den weit ausladenden Balkonen „das Volumen additiv und sperrig wirkt“. Angemessener sei „ein disziplinierter Baukörper mit klaren Konturen“. Übereinstimmend kam der Gestaltungsbeirat damals überein, „dass der Standort die Ausbildung eines repräsentativen Eckgebäudes verlangt“.

Zehn Wohnungen und eine Haus-im-Haus-Lösung

Nach einem vom Gestaltungsbeirat geforderten Architektenwettbewerb, aus dem unter vier Teilnehmern das Winnender Büro rw+ Architekten als Sieger hervorgegangen ist, will die Riker Wohnbau + Immobilien GmbH, die das bestehende Gebäude bereits im Oktober 2017 gekauft hat, das Baugesuch in den kommenden Wochen einreichen. Folgt im Sommer die Genehmigung, kann nach Auskunft von Björn Riker von einem Baustart zum Ende des Jahres 2021 ausgegangen werden. Entstehen soll an der exponierten Lage ein Gebäude mit zehn Wohnungen, vermutlich eine Haus-im-Haus-Lösung, „mit eleganten, schlanken und auf Reduktion bedachten Proportionen“. Der auf Klarheit und Wärme ausgerichtete Planungsentwurf, so Riker, werde durch die sorgfältige Auswahl der Materialien für die Fassadengestaltung und moderne Grundrisslösungen verstärkt. Ziel ist, „an der Ecke Aichenbach-/Friedenstraße eine Landmark zu setzen“.

Um den Baukörper der städtebaulichen Situation anzupassen, wird er parallel zur Friedensstraße angeschnitten. Damit folgt die Fassade dem Straßenzug, und die Traufe steigt Richtung Aichenbachstraße an. Mit dieser Geste, so die Erläuterung des Architekten, soll die städtebaulich markante Lage des Grundstücks betont werden.

Längst vergangen: Kuhnles Grabsteingeschäft

Doch auch zum bestehenden Gebäude, in dem lange das Grabsteingeschäft Gottlob Kuhnle zu finden war, gibt es eine Geschichte zu erzählen, die Erhard Schaukal, der sich für die Schorndorfer Vergangenheit interessiert, recherchiert hat: Im Jahr 1872 hat der am 8. Juli 1857 in Buhlbronn geborene Gottlob Kuhnle das Grundstück von Stadtbaumeister Maier für 500 Mark gekauft. Laut Feuerversicherungsbuch baute Kuhnle bis 1885 ein freistehendes, zweistöckiges Haus aus Stein mit ausgemauertem Fachwerk; zwei Jahre später kam eine Küchenveranda dazu. Gottlob Kuhnle betrieb im Haus ein Grabsteingeschäft; damals noch mit der Adresse Burgstraße 638, später wurde daraus die Schillerstraße 1 und ab 1924 die Aichenbachstraße 1.

Steinhauermeister Kuhnle war ein angesehener Handwerker in Schorndorf. Als er am 15. April 1927 starb, führte seine Witwe das Geschäft weiter, bis zu ihrem Tod im Jahr 1935. Das Grab der Familie Kuhnle ist noch immer auf dem Alten Friedhof in Schorndorf zu finden.

Mittlerweile hatte Betriebsleiter Roland Zabel, geboren am 16. November 1889 in Halle an der Saale, das Geschäft übernommen. Er heiratete die Tochter Martha Hedwig Kuhnle. Im Jahr 1934 ist Robert Zabel im Adressbuch als Eigentümer aufgeführt. Als er am 8. Mai 1961 verstarb, führte die Witwe Martha Zabel das Grabsteingeschäft noch einige Jahre weiter. Nach ihrem Tod im Jahr 1969 übernahm die 1931 geborene Tochter Traute das Geschäft. Auch sie ist inzwischen verstorben. Doch die Erinnerung an sie ist noch lebendig: Traute Zabel war die gute Seele der Burgstraße, sie sorgte dafür, dass der Vorplatz und die Straße immer sauber gekehrt und die Blumenrabatte bepflanzt waren.

Zur Remstal-Gartenschau 2019 hätte der Neubau an der Ecke Aichenbach-/Friedensstraße eigentlich schon fertig sein sollen – als Tor zum Schlosspark, mit begrünter Fassade und einer Dachterrasse, die auch dem Gartenschau-Publikum als Veranstaltungsfläche hätte dienen können. Doch aus den Plänen der Riker Wohnbau + Immobilien GmbH wurde nichts. Im Gestaltungsbeirat der Stadt Schorndorf fiel die Idee im März 2018 durch: Zu dieser „attraktiven und höchst sensiblen Stelle im Stadtgrundriss“, so

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