Schorndorf

Anstelle des „Klösterles“ soll ein Quartiershaus mit Seniorenwohnungen und Tagespflege gebaut werden

Quartiershaus an der Künkelin-Straße
Die Südwest-Ansicht auf das geplante Quartiershaus in der Künkelinstraße, in dem außer 28 Wohnungen für Senioren und neun Mikroappartements für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch eine Tagespflegeeinrichtung mit zwölf Plätzen untergebracht werden soll. © Büro Bloss + Keinath

Endgültig trennen wollte sich die katholische Kirchengemeinde von ihrem Grundstück Künkelinstraße 34, auf dem derzeit noch das früher viele Jahre lang von Missionsschwestern des Dominikanerinnen-Ordens bewohnte und zuletzt der Stadt als Unterkunft für Geflüchtete zur Verfügung gestellte „Klösterle“ steht, nicht. Und deshalb wurde das Grundstück, nachdem entsprechend den Vorgaben der Kirchengemeinde eine soziale Nachfolgenutzung gefunden war, auch nur auf Basis des Erbbaurechts an die Stadtbau abgegeben. Diese auch auf die benachbarte katholische Sozialstation abgestimmte soziale Nachfolgeregelung sieht so aus, dass auf dem Grundstück ein sogenanntes Quartiershaus entstehen soll mit insgesamt 28 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen für Senioren, einer Tagespflegeeinrichtung mit zwölf Plätzen und neun Mikrowohnungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die vom Winterbacher Architekturbüro Bloss + Keinath entworfene planerische Lösung hat jetzt auch die grundsätzliche Zustimmung des Gestaltungsbeirats gefunden. Der Vorsitzende des Gremiums, Prof. Dr. Franz Pesch, sprach in seinem Fazit anerkennend von einer architektonisch ansprechenden Planung „mit kleinen Stockfehlern“, die sich aber allesamt leicht beheben ließen. Ansonsten handle es sich um ein „prima Projekt“ mit einer guten und für die Stadt wichtigen Nutzung. Mehr an Lob ist vom in der Regel sehr kritischen Gestaltungsbeirat kaum zu erwarten.

Schon im Mittelalter haben sich Schorndorfer ins Spital eingekauft

Schon bei der ersten Vorstellung der Planung im März hatte Oberbürgermeister Matthias Klopfer von einer „absolut sinnvollen Nutzung“ und von „Verdichtung mit hoher städtebaulicher Qualität und mit einem Topthema“ gesprochen und dabei besonders auf ein Angebot abgehoben, „das wir so bisher in Schorndorf nicht haben“. Gemeint hatte er die insgesamt 19 Wohnungen, in die sich Senioren – allein oder als Paar – über „Wohnrechte“ einkaufen können. Weitere neun Seniorenwohnungen werden über das Landeswohnungsbauprogramm gefördert und über die Stadtbau entsprechend dem Schorndorfer Wohnraumversorgungskonzept preisgünstiger, als laut Mietspiegel geboten oder möglich, vermietet. Den Betrieb der im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes untergebrachten Tagespflege soll die Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung übernehmen, die seit einigen Monaten auch die katholische Sozialstation betreibt. Mit den Wohnrechten beschreitet die Stadtbau einerseits neue Wege und schließt sie andererseits an die Tradition des ehemaligen Spitals am heutigen Archivplatz an, in das sich ältere Schorndorfer schon im Mittelalter eingekauft haben, um dort gesichert und versorgt im Alter leben zu können. Bei der Umsetzung des Wohnrechtsmodells arbeitet die Stadtbau mit der Schorndorfer Beratungsfirma Initium GmbH zusammen, die eigenem Bekunden zufolge dieses Modell schon über tausend Mal mit renommierten Stiftungen und Wohnbauunternehmen vom Bodensee bis nach Bremen umgesetzt hat.

Nicht abgewohnter Preis wird zurückerstattet

„Nutzen statt besitzen“ lautet Christoph Maurer von der Initium GmbH das Grundprinzip beim Wohnrechtsmodell. Weil die Senioren kein Wohneigentum, sondern ihr Geld in ein bestenfalls lebenslanges Wohnrecht investieren. Dabei profitieren die Wohnrechtserwerber von den im Vergleich zum Erwerb von Wohneigentum deutlich niedrigeren Kaufpreisen und zahlen auch keine Grundsteuer. Die Stadtbau, die das Gebäude erstellt, kümmert sich um die Instandhaltung und die Verwaltung der Wohnungen. Der Wohnrechtnehmer zahlt nach dem Einzug nur noch die laufenden Nebenkosten. Bei vorzeitigem Auszug etwa wegen einer Erkrankung, die von der Sozialstation oder der Tagespflege nicht mehr behandelt werden kann – ein Beispiel wäre Demenz –, oder bei frühzeitigem Tod wird der Wohnrechtspreis, soweit er nicht abgewohnt ist, zurückerstattet. Maßgeblich ist die statistische Sterblichkeitstabelle, wie sie auch von Versicherungen genutzt wird. Sie hat im Übrigen auch Einfluss auf den Kaufpreis, der sich individuell in jeweiliger Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Wohnungsgröße errechnet.



„Kein Haus für die Reichen, sondern ein Haus für die Stadt“

Nach den Erfahrungen von Christoph Maurer sind Menschen, die sich auf dieses Modell einlassen, in aller Regel 75 Jahre und älter. Ihnen ist wichtig, gleichermaßen selbstständig und doch in Gemeinschaft mit anderen leben zu können – mit kalkulierbarem finanziellen Risiko und mit der Aussicht, sich gegebenenfalls ambulant versorgen lassen zu können. „Die Menschen haben die Sicherheit, dass ihr Geld fürs Leben reicht“, sagt Christoph Maurer und spricht davon, dass hier „kein Haus für die Reichen, sondern ein Haus für die Stadt“ gebaut werde. Und auf einen weiteren nicht zu unterschätzenden Effekt weist die Stadtbau hin: Ziel der Vergabe von Wohnrechten an Senioren sei es, „eine attraktive Möglichkeit zu schaffen, die Senioren einen Umzug von den meist zu großen Häusern und Wohnungen erleichtert und damit auch wieder Wohnraum für Familien generiert“. Und ganz grundsätzlich werde mit den Bausteinen Tagespflege, Wohnrechte, geförderte Wohnungen und Raum für Gemeinschaft eine bereichernde Alternative zum Betreuten Wohnen geschaffen. Und noch grundsätzlicher bringt die Stadtbau als kommunales Immobilienunternehmen „ein Pilotprojekt auf den Weg, um dem demografischen Wandel zu begegnen“. Dabei sei es das Ziel, mit einer durchmischten Bewohnerstruktur auch einzelne Pflegefälle in der Hausgemeinschaft gut aufzufangen.

Schlangenförmiger Baukörper mit gut integrierten Freibereichen

Anne Hieber vom Büro Bloss + Keinath sprach mit Blick auf die Planung von einem schlangenförmigen Baukörper, der den Vorteil habe, dass Innenhöfe und Grünbereiche gut integriert werden könnten. Als weitere Merkmale der Planung nannte sie den Höhenunterschied – vorne drei- und hinten zweigeschossig –, die versetzt übereinander und durch ein zentrales Treppenhaus erschlossenen Wohnungen, die Stegverbindung vom einen zum anderen Gebäude, die den Wohnungen vorgelagerten Laubengänge und die Dachgartensituation auf dem niedrigeren Gebäudeteil mit einer massiven und in der Höhe so begrenzten Attika, dass auch Bewohner, die im Rollstuhl sitzen, die Aussicht genießen können. Wobei es natürlich als Aufsatz noch eine zusätzliche Sicherung in luftiger Ausführung braucht. Gebaut werden soll laut Stadtbau zwischen Dezember 2021 und März 2023, das Investitionsvolumen bezifferte Geschäftsführer Martin Schmidt auf „acht bis neun Millionen Euro – Stand heute“.

Ein „Scheinriese“ mit der besänftigten Wucht des Volumens

Die wenigen Bedenken der Mitglieder des Gestaltungsbeirates machten sich unter anderem an den sehr tief gelegten Mikroappartements für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest. „Ans Wohnen hätten wir alle einen etwas höheren Anspruch, gehen Sie da noch mal ran“, sagte der Vorsitzende des Gestaltungsbeirats auch im Namen seiner beiden Kollegen Peter W. Schmidt und Stefan Hellekes, wobei sich Letzterer als Landschaftsarchitekt darüber hinaus sorgte, ob die Überdeckung der Innenhöfe tatsächlich ausreichend für das Wachstum von Bäumen ist. Grundsätzlich befand Hellekes, dass es sich um ein „sehr komplexes und intensiv durchkomponiertes“ Gebäude handle. Der auf Städtebau spezialisierte Peter W. Schmidt mahnte an, bei der Fassadengestaltung darauf zu achten, „dass sie nicht zu modisch wird“, lobte aber grundsätzlich, dass es den Planern gelungen sei, städtebaulich ein großes Volumen geschickt einzufangen. „Sehr angetan von diesem Projekt“ zeigte sich auch Prof. Dr. Pesch, aus dessen Sicht es gelungen ist, „die Wucht des Volumens gegenüber der Nachbarschaft zu besänftigen“. Weshalb Pesch auch von einem „Scheinriesen“ sprach.

Endgültig trennen wollte sich die katholische Kirchengemeinde von ihrem Grundstück Künkelinstraße 34, auf dem derzeit noch das früher viele Jahre lang von Missionsschwestern des Dominikanerinnen-Ordens bewohnte und zuletzt der Stadt als Unterkunft für Geflüchtete zur Verfügung gestellte „Klösterle“ steht, nicht. Und deshalb wurde das Grundstück, nachdem entsprechend den Vorgaben der Kirchengemeinde eine soziale Nachfolgenutzung gefunden war, auch nur auf Basis des Erbbaurechts an die

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