Schorndorf

Auch wenn es eine Erfolgsstory gibt: Wohnungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf dringend gesucht

SOA Familienzentrum
Sie haben mit Hilfe von Sozialpädagogin Anna-Lena Becker (rechts im Bild) – und einem Zeitungsartikel – endlich eine Wohnung gefunden: Tania Marasco, ihre beiden Kinder und ihr Freund René. © ALEXANDRA PALMIZI

Durch die Corona-Krise, die für viele so langsam, aber sicher zur Belastungsprobe wird, ist die Sozialintegrative Alltagsbegleitung (SOA) bisher nicht nur gut gekommen. Ebbe Buhl, der sich 2015 als Alltagsbegleiter für Menschen mit Unterstützungsbedarf in Schorndorf selbstständig gemacht hat und seit 2019 geschäftsführender Vorstandsvorsitzender des SOA-Vereins ist, hat auch eine richtige Erfolgsgeschichte zu bieten. Von den elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich seit Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr noch niemand mit dem Coronavirus infiziert, unter den 46 Klienten gab es bis dato nur zwei Infizierte mit leichten Verläufen. Teamsitzungen finden digital statt. Im Büro im Schorndorfer Familienzentrum wird mit Sicherheitsabstand, Trennscheiben und Masken gearbeitet. Einmal die Woche testet sich das Team selbst auf das Coronavirus. Bisher funktioniert das Hygienekonzept wunderbar. Eingestuft in die Kategorie II, liegt auch eine Impfung für die Mitarbeiter und Klienten hoffentlich nicht mehr in allzu weiter Ferne.

Endlich raus aus der Eineinhalb-Zimmer-Wohnung

Die Erfolgsgeschichte aber handelt von Tania Marasco, die mit Hilfe von Sozialpädagogin Anna-Lena Becker und einem im Herbst 2019 in den „Schorndorfer Nachrichten“ erschienenen Artikel für sich, ihre beiden kleinen Kinder, ihren Freund René und den Schäferhund eine Wohnung gesucht hat und jetzt – nach eineinhalbjährigem Auf und Ab – zum 1. April endlich in eine Doppelhaushälfte umziehen kann. Dort gibt es nicht nur für den vierjährigen Giuliano und die Ende 2019 geborene Valentina jeweils ein Kinderzimmer, auch für die Eltern ist dann die Zeit vorbei, dass sie im Wohnzimmer übernachten müssen. Und das Beste ist: Die Familie hat jetzt sogar einen eigenen Garten.

Einfach war es nicht, das Haus zu finden – im Gegenteil: Trotz aller Anstrengungen konnte sich die junge Familie in der ganzen Zeit nur zwei Objekte anschauen. Hätte eine Lehrerin, nachdem sie im Zeitungsartikel von der Notsituation ihrer ehemaligen Schülerin gelesen hatte und gerade Mieter für ihr Elternhaus suchte, nicht so hartnäckig nach dem Kontakt geforscht, die Wohnungssuche würde vielleicht immer noch andauern.

Denn das, sagt Ebbe Buhl, ist ein echtes Problem, das für die Politik und auch für die Stadt Schorndorf ein Thema sein müsste: Für Menschen mit Behinderung eine Wohnung zu finden, ist nahezu unmöglich. Aktuell sucht der Verein in Schorndorf eine Wohnung für eine Einzelperson und für eine Familie, in Waiblingen eine barrierefreie Wohnung für eine inklusive WG. Erst vor drei Wochen hat SOA darum zwölf Immobilienmakler in Schorndorf und Umgebung angeschrieben und auf die besondere Notsituation hingewiesen. Reaktionen gab es nur zwei – und in beiden Fällen stand die Frage im Vordergrund, ob Menschen mit Behinderung überhaupt alleine leben können.

Bundesteilhabegesetz sieht ein selbstbestimmtes Leben vor

Dabei, erinnert Buhl, sieht das Bundesteilhabegesetz ja genau das vor: Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen und eine gesellschaftliche Teilhabe zu erleichtern. Erste Schritte sind gemacht. Es gibt aber „noch immer viele Barrieren im alltäglichen Leben, die einer umfassenden Inklusion im Wege stehen“, stellte vor der Landtagswahl Ina Schleser, Co-Leitung der Regionalgeschäftsstelle des „Paritätischen“ Regionalverbunds Stuttgart plus Region, in einer Pressemitteilung fest.

Die SOA hat im Kleinen trotzdem Positives zu berichten: Nachdem Alltagsbegleiter Ebbe Buhl sich im Sommer 2020 mit seinem Team für Mitarbeiter der Remstal-Werkstätten der Diakonie Stetten eingesetzt hatte, denen wegen coronabedingter Produktionsausfälle ein guter Teil ihres Verdienstes gestrichen werden sollte, hat es mittlerweile einen Kompromiss gegeben: Die Steigerungsleistung wird nicht mehr um 85 Prozent gekürzt, sondern um 50 Prozent.

SOA selbst fühlt sich als junger Verein in seinem Engagement für Menschen mit Behinderungen vom Paritätischen Wohlfahrtsverband – gerade in der Corona-Pandemie – gut unterstützt. Über Mittel aus der Glücksspirale konnten zuletzt neue Büromöbel angeschafft werden. Und bei der „Aktion Mensch“ hat SOA einen Antrag für einen Neunsitzer-Van gestellt, der hoffentlich positiv beschieden wird: Mit einem solchen Gefährt wären die Alltagsbegleiter flexibler und könnten, wenn’s wieder möglich ist, auch Ausflüge unternehmen.

Info

Für Tania Marasco und ihre Familie sucht die SOA noch eine gebrauchte Küche und weitere Einrichtungsgegenstände. Wer die junge Familie unterstützen möchte, kann sich bei Sozialpädagogin Anna-Lena Becker melden. Kontakt: Sozialintegrative Alltagsbegleitung, Karlstraße 19 in Schorndorf, Tel. 0 71 81/8 87 71 38 oder E-Mail an info@soa-buhl.de.

Durch die Corona-Krise, die für viele so langsam, aber sicher zur Belastungsprobe wird, ist die Sozialintegrative Alltagsbegleitung (SOA) bisher nicht nur gut gekommen. Ebbe Buhl, der sich 2015 als Alltagsbegleiter für Menschen mit Unterstützungsbedarf in Schorndorf selbstständig gemacht hat und seit 2019 geschäftsführender Vorstandsvorsitzender des SOA-Vereins ist, hat auch eine richtige Erfolgsgeschichte zu bieten. Von den elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich seit Ausbruch der

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