Schorndorf

Auf dem Bauernhof fürs Leben lernen

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Clemens Luber (links) mit seinen Kühen und Kindern eines Jahreskurses. © Büttner / ZVW
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Die Schweine werden regelmäßig gestriegelt. © Büttner / ZVW
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Einführung zum Thema Rindertreiben in der Scheune. © Büttner / ZVW
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Auch ein Schubkarrenrennen gehört zu einem Tag auf dem Bauernhof dazu. © Büttner / ZVW

Schorndorf/Winterbach. So ein Nachmittag auf dem Demeterhof der Familie Luber erdet. Ganz enorm. Gelegen auf dem Engelberg, ist schon die Anfahrt eine Reise durch extreme Idylle. Streuobstwiese links, naturnaher Garten rechts. Von Ferne ist das Muhen einer Kuh zu hören, der Blick schweift übers Tal.

Wer Clemens Luber kennenlernt, atmet erst mal durch. Der Winterbacher strahlt ernstzunehmende Ruhe aus, die abfärbt. Selbst eine hibbelige Gruppe von Sechs- bis Neunjährigen bringt ihn nicht aus dem Takt. Seit etlichen Jahren gibt’s bei ihm auf dem Hof mehr als nur Milch und Käse. Hier gibt’s Bildung zum Anfassen. Vormittags sind Schul- oder Kindergartengruppen zu Gast, nachmittags bietet er unter anderem die sogenannten Jahreskurse an. Einzelne Kinder melden sich hierfür verbindlich an und kommen zwischen Februar und November einmal im Monat auf den Hof. Und da dürfen sie nicht nur gucken. Nein. Hier wird mitangepackt.

So einfach geht’s: Butter selbst schütteln

An diesem Donnerstagnachmittag tröpfelt eine gut gelaunte Truppe ein. Die Jungs und Mädchen kennen den Hof schon, manche absolvieren sogar schon den zweiten Jahreskurs. Zunächst stellen sie ein Dutzend Holzklötze in der Scheune auf, setzen sich drauf. Heute geht’s ums Thema Butter. Als alle im Kreis versammelt sind, füllt Clemens Luber frische Sahne in zwei Gläser mit Schraubverschluss. 32 Prozent Fett hat sie. Und los geht’s: Die Kinder schütteln so fest sie können, reichen die zwei Gläser immer wieder weiter, so können sie sich von der Schlackerei erholen. Anfangs geht’s ja noch ganz leicht, dann wird die Sahne langsam zu festerer Schlagsahne. Die Schüttelei wirkt aussichtslos, kaum etwas ist zu hören in dem Glas, die steife Sahne klebt fest. Weitermachen, fester schütteln, heißt es. Fertig ist das Unterfangen erst, wenn es wieder gluckert und sich der Inhalt in zweierlei Substanzen getrennt hat – in Butter und Molke.

Die Kinder sind begeistert. Fehlt nur noch ein anständiges Buttermesser. Das schnitzen sie unter Aufsicht von Clemens Luber und Umweltpädagogin Larissa Eißler. Da wird nicht nur Geschicklichkeit eingeübt. Hier geht es auch um Durchhaltevermögen. Schließlich dauert es seine Zeit, bis so eine Holzklinge ihren Namen verdient: „Mein Schnitzmesser ist stumpf“, „Mein Ast ist zu dick“, „Ich kann nicht mehr“. So und so ähnlich wird vor sich hingeschimpft. Und dann auf einmal ist das Messer fertig – und der ganze Stolz der Nachwuchslandwirte.

An diesem Tag steht noch etwas ganz Besonderes auf dem Programm. Bevor die übrigen Tiere versorgt werden, sollen die Kühe auf die Weide getrieben werden. Schließlich ist Frühling, da dürfen die Wiederkäuer raus. Das freut sie ganz offensichtlich. Bekundet wird’s mit lautem Muh-Gebrüll. Luber öffnet die Tür des Laufstalls und die Rinder trampeln den Berg hinunter, begleitet vom fröhlichen „Auf geht’s“ der Kinder. Während die Kühe sich auf der großen Weide vergnügen, sorgen die Jungs und Mädels fürs Futter. Ein Teil der Gruppe holt Heu aus der Scheune für den Kuhstall, der andere kümmert sich um die Schweine. Die können die Fütterung mit Molke und Getreide laut grunzend kaum mehr abwarten. Sind die Mägen gefüllt, werden den rosa Rüsselträgern die Borsten gestriegelt. Und zwischendrin: Da wird ganz viel gelacht und Unfug gemacht. Schließlich ist ein Bauernhoftag ganz ohne Schubkarrenrennen und Schabernack im Heuschober auch nicht denkbar.

Richtig spektakulär ist’s nicht, was an so einem Hofnachmittag passiert. Aber das soll es auch nicht sein. Luber sorgt nicht für ein Feuerwerk nach dem anderen. Es geht ihm darum, den Kindern den Kontakt mit natürlichen Prozessen und zu den Tieren zu ermöglichen. Schließlich könne man bei der Kommunikation mit den Tieren Wesentliches lernen: „Die Botschaft muss stimmig sein“, erklärt Clemens Luber. Die Körpersprache müsse dazupassen. Außerdem gäben die Tiere direktes, unverfälschtes Feedback. Die Kinder sind begeistert, bewegen sich ganz selbstverständlich auf dem Hof.

Drei Standbeine: Milchvieh, Hofladen und Landpädagogik

„Von dem Milchvieh alleine könnten wir nicht leben“, erklärt Demeter-Landwirt Clemens Luber. Schließlich stehen gerade mal zehn Kühe im Stall. Etwa ein Drittel des Einkommens erwirtschaften sie mit ihrer Biomilch. Die wird direkt über den Milchautomaten am Hof vermarktet. Ein Teil davon wird zu Käse oder Joghurt, der auf dem Hof hergestellt wird. Ein weiteres Drittel des Einkommens kommt aus dem Hofladen, der dienstags und freitags von 8 bis 13.30 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist.

Clemens Luber arbeitet in seinem kleinen Betrieb viel mit der Hand und wenig mit Maschinen. Das wiederum und die überschaubare Größe des Hofes sind optimal für einen Schul- und Lehrbauernhof, auf dem die Kinder selbst mitmachen können und der das dritte Standbein von Clemens Luber ist. Die Arbeit mit den Kindern macht dem Winterbacher große Freude. „Ich arbeite einfach gerne mit Menschen“, erklärt er. Noch dazu ist ihm wichtig, den Kindern zu zeigen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen, Bewusstsein für die Lebewesen hinter den Lebensmitteln zu schaffen. Das Schöne daran: Die Schüler bringen seinem Engagement eine enorme Wertschätzung entgegen: Wer sie auf dem Hof sieht, kann Freude ohne jegliche Verschlüsselung auf den kindlichen Gesichtern lesen.

Die Hofbewohner auf dem Engelberg

Etliche Milchkühe samt Nachzucht stehen in einem kuscheligen Stall. Die weiblichen Kälber werden später einmal Milchkühe, die männlichen Kälber werden an Mastbetriebe weiterverkauft.

Aktuell gibt’s vier Schweine. Sie werden als Ferkel gekauft und wurden anfangs vor allem deshalb dazugekauft, um den Hofkreislauf auszugleichen. Schließlich lieben die Borstentiere die Molke, die bei der Milchverarbeitung abfällt nur allzu gerne. Das Fleisch der Schweine und älteren Rinder wird im Hofladen verkauft.

Einige Hühner gibt’s auch. Sie versorgen die Familie mit frischen Eiern.

Hasen und Enten leben auch auf dem Hof. Hier können die Kurskinder immer wieder sehen, wie Junge zur Welt kommen. Pensionspferde wohnen auch unterm Luber’schen Stalldach.