Schorndorf

Aufbauhilfe für ein Roma-Dorf

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Waren mit zwölf anderen Gemeindemitgliedern in Rumänien: David (18), Julia (22), Sabrina (22), Jasmin (21), Salome (22) und Patrick (22). © Leonie Kuhn
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In Handarbeit hat die Gruppe, zusammen mit den Roma, das Fundament für ein neues Haus gebaut. © Dario Moch
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Aufnahmen von der Baustelle © Christine Tantschinez
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Aufnahmen von der Baustelle © Christine Tantschinez
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Aufnahmen von der Baustelle © Christine Tantschinez

Schorndorf/Pauleasca. Einmal sehen wie das ist, wenn man wenig bis gar nichts hat. Den Menschen vor Ort praktisch helfen. Und dadurch den Wohlstand, in dem wir leben, mehr schätzen zu lernen: 18 Schorndorfer zwischen 15 und 22 Jahren hatten dazu bei einem Hilfsprojekt für Roma-Familien in Rumänien die Gelegenheit. Eine Erfahrung, die manch einen dazu bewogen hat, längerfristig zu helfen.

Video der SV Schorndorf: Jugendgruppe leistet Aufbauhilfe in Rumänien.

Rund 100 Kilometer westlich von Bukarest beginnt eine ganz andere Welt. Am Ende eines schmalen Tales, wo kein Asphalt mehr die Straßen bedeckt, liegt ein vergessenes Stück Europa. Hier leben rumänische Roma unter ärmlichsten Bedingungen: Ohne Kanalisation, ohne Toiletten, fließendes Wasser und Zentralheizung, in notdürftig zusammengebauten Hütten, die ohne Fenster auskommen – und deren Bewohner dort auf nacktem Lehmboden leben. Pferdewägen sind hier das schnellste Fortbewegungsmittel. Lebensumstände wie in einem Entwicklungsland – nur eben mitten in der Europäischen Union.

Ganz bewusst hat sich Michael Schneider für ein Projekt in dieser Region entschieden. Der Jugendreferent der SV Schorndorf, ein Gemeinschaftsverband innerhalb der Evangelischen Kirche, reist schon seit vier Jahren nach Rumänien. Denn: „Wir wachsen hier im Wohlstand auf, nehmen ihn für selbstverständlich, während es nicht weit weg Menschen in der EU gibt, die ganz anders leben müssen.“ Zwei Jahre in Folge reiste er mit einer Jugendgruppe zu einem Projekt nahe Sibiu. Seit 2015 unterstützen die Schorndorfer nun ein Missionsprojekt mit dem Namen „Somebody cares“. Gegründet unter anderem von einem Rumänen, der in Schorndorf gelebt hat – und mit seiner deutschen Frau wieder zurück ins Heimatdorf zog, um vor Ort zu helfen.

Was wir für selbstverständlich halten, ist es überhaupt nicht

Fast einen ganzen Tag hat die Gruppe mit dem Auto gebraucht, bis sie in dem rumänischen Dorf Pauleasca ankam. Wie eine Zeitreise ins Mittelalter sei das gewesen, berichtet die 22-jährige Sabrina. „Die Roma leben dort sehr abgegrenzt“, so ihr Eindruck. Die rumänischen Dorfbewohner würden kaum etwas mit der ethnischen Minderheit zu tun haben, es vermutlich auch nicht wollen. Besonders erschreckend fand sie es, dass manche Nachbarn gar nicht wussten, dass es am Ende ihres Dorfes eine Roma-Siedlung gibt. Überrascht war sie dann aber von der Offenheit, Dankbarkeit und Freundlichkeit der Roma-Familien.

Die 22-jährige Salome war regelrecht bewegt von den Begegnungen in Rumänien. Vor vier Jahren war sie schon einmal mit dem SV Schorndorf in dem Land – und wollte nun unbedingt wieder hin. Sie sagt: „Man wird im Inneren total verändert und viel zufriedener mit dem, was man hat.“ Besonders in der kalten Zeit habe sie oft an die Familien gedacht, die dort ohne Fenster bei schlafen müssten. Sie findet, von der Dankbarkeit der Roma, gerade für die kleinen Dinge, könne man durchaus etwas lernen, denn „das, was wir für selbstverständlich halten, ist es eben nicht.“

Neue Häuser, neues Leben

Das Projekt versucht, die schwierige Lebenssituation zu verbessern, und fußt auf drei Fundamenten: Durch Bildungsarbeit soll den Roma der schwierige soziale Aufstieg zumindest erleichtert werden. Mit der gemeinsamen Gründung eines Gemeindezentrums sollen die Familien seelsorgerische Unterstützung erhalten. Und durch den Bau von Häusern die prekäre Wohnsituation verbessert werden.

Gebaut werden die neuen, stabileren Häuser von den Roma grundsätzlich zusammen mit Gruppen wie jener der SV Schorndorf. Pro Jahr kommt das Projekt so auf gut zehn neue Häuser. Rund ein Viertel der neuen Häuser konnte bereits gebaut werden. Wobei man dabei deutsche Bauvorschriften getrost vergessen könne, wie der 18-jährige David berichtet.

In mühevoller Handarbeit habe die Gruppe zusammen mit den Roma das Fundament eines Hauses erstellt. Nicht immer sei das ganz perfekt gelungen. „Ein deutscher Statiker hätte da wohl abgewunken“. Auch bei der Organisation sei nicht immer alles glatt gelaufen: Der Betonmischer sei nicht bis zur Baustelle gekommen und auf der nicht asphaltierten Straße schlichtweg im Lehm versunken. Da hätte man den Beton eben mit Eimern transportiert.

Für die Roma seien die neuen Häuser aber eine echte Verbesserung. Finanziert wurde der Hausbau zur Hälfte vom SV Schorndorf, die dabei mit 1000 Euro großzügig vom Kaufhaus Bantel unterstützt wurde. Die andere Hälfte hatten die Roma selbst zu tragen. Auf jeden Fall wollen fast alle noch einmal in das rumänische Dorf gehen, um zu helfen und zu sehen, was sich dort getan hat. Sabrina war schon einmal für drei Monate dort. Patrick, der bald mit seiner Ausbildung fertig ist, will nächstes Jahr für einige Monate nach Pauleasca.

Denn der neuntägige Besuch an der europäischen Peripherie hat bei den Teilnehmern letztlich so manches Klischeebild korrigiert. Vor allem die immer noch weit verbreitete Angst vor den „kriminellen Zigeunern“. Denn, so Salomes Erkenntnis, „das sind auch nur Menschen. Da gibt es eben solche und solche.“ Und die sie im Dorf kennengelernt haben, hätten die Hilfe allemal verdient.

Somebody cares

Informationen zur Arbeit des Missionsprojekts Somebody Cares in Rumänien gibt es online (leider nur auf englisch) unter der Adresse www.somebodycares.nl/en.
Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann seine Spenden an die Asociatia Somebody Cares (IBAN RO88 RNCB 0022 0472 3757 0002, BIC: RNCBROBUXXX) richten.