Schorndorf

Aus im Netto Schorndorf nach 25 Jahren für Bäckerei Wiedmaier: Was aus dem Zweite-Chance-Laden wird

Netto Bäckerei Wiedmaier
Die zweite-Chance-Filiale der Bäckerei Wiedmaier im Netto-Markt schließt. © GAbriel Habermann

Brot und Brötchen, Brezeln, Kuchen und kleine Snacks: Von Anfang an war die Bäckerei Wiedmaier ein fester Bestandteil des Netto-Discounters an der Göppinger Straße in Schorndorf. Im Juli war die Filiale zu einem Zweite-Chance-Bäckerladen erklärt worden: Zum halben Preis wurden die Überschüsse der sieben anderen Wiedmaier-Läden verkauft.

So konnte Wiedmaier seine Produkte noch verkaufen, Ressourcen wurden gespart und die Kunden bekamen das Brot vom Bäcker zu einem günstigen Preis. Doch nun ist Schluss: Nach rund 25 Jahren macht Wiedmaier zum Jahresende seine Filiale im Netto-Markt dicht. „Trotz intensiver Suche“, sagt Inhaber Florian Wiedmaier, sei für den Netto-Vorraum bisher kein Nachfolger gefunden worden.

Längere Öffnungszeiten im Rehhaldenweg

Auch wenn die Kunden bei Netto ihren Bäcker vermissen werden: Das Konzept der zweiten Chance bleibt erhalten. Zum 3. Januar wird die Wiedmaier-Filiale im Rehhaldenweg umfunktioniert. Die Öffnungszeiten, die bisher stark an Zeiten des dortigen Schulzentrums angepasst waren, werden deutlich ausgeweitet: Geöffnet ist künftig von Montag bis Freitag von 6.30 bis 18 Uhr, samstags von 6.30 bis 12.30 Uhr. Neu: Auch in den Ferien soll die Filiale geöffnet sein.

Mitarbeiterknappheit und Grippewelle

Grund für den Wechsel ist der personelle Notstand, unter dem Wiedmaier wie fast alle Bäcker zu leiden hat. Verschärft wird die Misere laut Wiedmaier derzeit aber noch durch die Grippewelle. „Wir haben 75 Mitarbeiter, davon sind immer rund zehn Leute krank.

Das ist ein Riesenproblem“, sagt er. Doch neue Mitarbeiter sind schwer zu bekommen. Viele Bewerber und Bewerberinnen hätten Sprachprobleme, was im Verkauf ein Problem sei. „Bei mir arbeiten Menschen aus 20 Nationen, aber im Verkauf ist die Sprache entscheidend“, erklärt Florian Wiedmaier. Drei Vollzeitkräfte fehlen ihm aktuell in den Läden, noch schlimmer sei es in der Produktion. „Ich würde sofort vier bis fünf Leute einstellen. Ich brauche Fachkräfte und Auszubildende.“

Zuletzt war die Filiale im Netto-Discounter nur noch mit einer Mitarbeiterin halbtags geöffnet. Der Discounter, sagt Wiedmaier, wäre ihm bei der Miete entgegengekommen, doch dafür hätte er die Netto-Öffnungszeiten abdecken müssen. Für den Bäcker ein Ding der Unmöglichkeit.

Ein Beitrag zur besseren Nahversorgung

Angesichts der Mitarbeiterknappheit hat Florian Wiedmaier nun die Reißleine gezogen. Aus zwei Filialen, die beide nur noch halbtags geöffnet waren, wird ein Laden mit attraktiveren Öffnungszeiten. Personell sei das nun deutlich besser, sagt Wiedmaier.

Entstehen soll in der Filiale im Rehhaldenweg auch eine kleine Sitzecke, so dass die Anwohner im Rehhaldenweg auch mal vor Ort einen Kaffee oder Tee trinken und Kuchen essen können. Die drei Stehtische bleiben stehen. „Wir hoffen, damit in Kombination mit dem Rehhalden-Markt auch einen Beitrag zur besseren Nahversorgung im Wohngebiet leisten zu können“, sagt Wiedmaier.

Bisher war der Bäckerladen im Rehhaldenweg laut Wiedmaier während der Schulzeiten super gelaufen – außerhalb dieser Zeiten nicht. Doch das Einzugsgebiet ist groß. Mit den neuen Öffnungszeiten hofft er nun auch auf neue Kunden, zumal das Angebot mit günstigem Brot und Brötchen für viele verlockend sein könnte. Frisch sind nur die Brezeln, die sogenannten „Wiedi“-Brötchen, Laugen und Snacks wie belegte Brötchen.

Alles andere ist vom Vortag und bekommt nun „eine zweite Chance“. Appetitlich und akkurat gestapelt lagen die Backprodukte in den Regalen und der Auslage im Netto-Vorraum. Dass sie vom Vortag sind, sah man ihnen nicht an, und das wird auch im Rehhaldenweg der Fall sein. Wer trotzdem frische Brötchen will oder sichergehen will, dass er sein Lieblingsbrot bekommt, kann am Vortag seine Bestellung aufgeben. Die Kunden im Netto hat der Bäcker seit Wochen mit Hilfe von Flyern über den Wechsel informiert. „Das Verständnis“, hat er gemerkt, „ist da.“

24 Mitarbeiter kamen und gingen in einem Jahr

Sieben Filialen gehören nach dem Wechsel noch zur Bäckerei Wiedmaier. Vergangenes Jahr haben dort 24 neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zwischen 17 und 60 Jahren angeheuert. Geblieben sind die nicht lange: Nach zwei, drei Monaten sind sie Wiedmaier zufolge schon wieder gegangen, weil sie sich von der Arbeit falsche Vorstellungen gemacht hätten. Dass die Mitarbeiter-Lage in nächster Zeit besser wird, diese Hoffnung hat der Bäcker inzwischen begraben.

Brot und Brötchen, Brezeln, Kuchen und kleine Snacks: Von Anfang an war die Bäckerei Wiedmaier ein fester Bestandteil des Netto-Discounters an der Göppinger Straße in Schorndorf. Im Juli war die Filiale zu einem Zweite-Chance-Bäckerladen erklärt worden: Zum halben Preis wurden die Überschüsse der sieben anderen Wiedmaier-Läden verkauft.

So konnte Wiedmaier seine Produkte noch verkaufen, Ressourcen wurden gespart und die Kunden bekamen das Brot vom Bäcker zu einem günstigen Preis. Doch

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