Schorndorf

Bäckerei Hetzinger hört nicht auf

Brezel_0
Symbolbild © pixabay.com / CCO public domain

Schorndorf. Eine gezielte Falschmeldung? Wer weiß. Erstaunlich ist aber, wie hartnäckig sich ein einmal in Umlauf gebrachtes Gerücht hält. Und wie schwer es ist, die Menschen glaubhaft vom Gegenteil zu überzeugen.

Seit Monaten kursiert in der Stadt das Gerücht, Manfred Hetzinger werde seine Bäckerei an der Ecke Höllgasse/Moserstraße und die Filialle in Winterbach aufgeben und dann auch gleich den ganzen Gebäudekomplex Moserstraße 5 bis 9 verkaufen. 

Stimmt alles nicht

"Stimmt alles nicht“, sagt Manfred Hetzinger, der sich jetzt genötigt sieht, mit dieser Klarstellung an die Öffentlichkeit zu gehen. Ungeachtet aller Dementis wird vor allem auch sein Ladenpersonal immer wieder auf die angeblich bevorstehende Schließung angesprochen. Er sei es vor allem seinen insgesamt rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch seiner Stammkundschaft schuldig, das Gerücht aus der Welt zu schaffen, meint Hetzinger.

Allerdings, er gibt zu, es sei "nicht so weit hergeholt", ihm zu unterstellen, er könne jetzt der Meinung sein genug gearbeitet zu haben und wolle die Backstube und den Laden deshalb jetzt schließen. Schließlich sei er bald 69 Jahre alt und sei eine Nachfolgeregelung nicht in Sicht, nachdem seine beiden erwachsenen Kinder in Berlin lebten und dort Karriere gemacht hätten „in Bereichen, in denen es etwas leichter ist als in einer Bäckerei“.

50 Jahre Bäcker - "das ist zu lang, um einfach so Schluss zu machen"

Manfred Hetzinger weiß, wovon er spricht. Als einziges von fünf Kindern durfte er keine höhere Schule besuchen. „Der wird Bäcker“, lautete die unmissverständliche Ansage seines Vaters, was bedeutete, dass der kleine Manfred nach acht Jahren Volksschule im zarten Alter von 14 Jahren eine Konditorlehre in Geislingen begonnen hat, an die sich dann eine mehr oder weniger autodidaktische Bäckerlehre im väterlichen Betrieb angeschlossen hat. Das ist über 50 Jahre her – eine zu lange Zeit, so Hetzinger, um jetzt einfach Schluss zu machen.

„Das geht nicht so einfach“, sagt der 68-Jährige, der sich vorgenommen hat, die Bäckerei so lange zu betreiben, so lange es geht. Einerseits aus Pflicht- und Verantwortungsgefühl vor allem den langgedienten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber, aber auch, weil es ihm noch Spaß macht, das Geschäft zu führen und ab und zu auch noch selber in der Backstube zu stehen und Brezeln zu backen.

„Ich muss nicht mehr backen, aber ich darf noch, wenn ich will“, sagt Manfred Hetzinger und fügt scherzhaft hinzu: „Ich wüsste gar nicht, was ich mit der ganzen freien Zeit anfangen sollte.“ Was nicht heißt, dass es für ihn und seine fast 20 Jahre jüngere Frau nicht längst schon ein abwechslungsreiches Leben außerhalb der Bäckerei Hetzinger gebe.

Was in drei, vier oder fünf Jahren ist - wer weiß?

So wenig also derzeit am Gerücht dran ist, dass er die Bäckerei aufgibt und seine Immobilien veräußert („Das ist schließlich meine Altersvorsorge“), so wenig kann Manfred Hetzinger sagen, was in drei, vier oder fünf Jahren sein wird. Irgendwann wird Schluss sein, und ob es dann jemand gibt, der die Bäckerei übernimmt, vermag heute niemand zu sagen.

Ebenfalls im Umlauf befindliche Gerüchte jedenfalls, dass die Bäckerei Schulze schon in den Startlöchern stehe, um die Bäckerei Hetzinger zu beerben – „Manche haben schon gefragt, wie die Bäckerei künftig heißen wird“, sagt Manfred Hetzinger – entbehren zumindest zum jetzigen Zeitpunkt jeglicher Grundlage. Auch dafür, dass es zu diesem Gerücht kommen konnte, hat Hetzinger eine mögliche Erklärung parat: Schließlich ist sein Vetter Jörg Hetzinger Bürgermeister in Urbach, wo die Bäckerei Schulze ihre große Backstube hat.

Was stimmt: Jörg Hetzinger hört auf

So also entstehen Gerüchte. Wobei es, ebenfalls zur Klarstellung, kein Gerücht ist, dass Manfred Hetzingers Vetter Jörg das Bürgermeisteramt in Urbach Ende Mai aufgibt. Obwohl er erst 62 ist. Was zeigt: Manches, was man für ein Gerücht halten könnte, stimmt also auch.