Schorndorf

Böbinger Freikirche gründet Gemeinde in Schorndorf und sucht eigene Kirche für das "Missionsgebiet"

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Richard Friesen ist als Pastor der freikirchlichen Gemeinde Böbingen in den Rems-Murr-Kreis ausgesandt, um eine Gemeinde in Schorndorf aufzubauen. © Pienek

In der Friedenskirche am Alten Friedhof in Schorndorf, für die die Evangelisch-Methodistische Kirche seit einem Jahr schon einen Käufer sucht, feiert die Freikirchliche Gemeinde Böbingen seit Ende Oktober 2022 Gottesdienst. Zunächst alle zwei Wochen, mittlerweile jeden Sonntagvormittag. Doch Gerüchte, die nach einem Facebook-Post die Runde machten, dass die Böbinger die Friedenskirche übernommen haben, lassen sich nicht bestätigen: Stefan Reinhardt, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde, stellt auf Anfrage klar: „Von ehemaliger methodistischer Friedenskirche kann nicht die Rede sein, da die Kirche (noch) nicht verkauft ist und auch kein Abschluss und Übergabegottesdienst an einen potenziellen Verkäufer stattgefunden hat.“

Um „den Hunger nach Gottes Wort zu stillen“ und „die reformierte Theologie auch im Raum Stuttgart unters Volk zu bringen“, hat die Böbinger Freikirche die Gemeinde in Schorndorf gegründet. Hätte sie die finanziellen Mittel, sagt Pastor Richard Friesen im Gespräch, sie würde die Friedenskirche und das benachbarte Pastorenhaus tatsächlich gerne kaufen. Da das nicht der Fall ist – beziehungsweise „Gott es (noch) nicht möglich gemacht hat“ –, nutzt sie die Räumlichkeiten derzeit gegen Zahlung einer Spende. Doch das Ziel ist klar: „Wir wollen was Eigenes“, sagt Friesen, der sich schon mehrere Objekte im, wie er sagt, Missionsgebiet Rems-Murr-Kreis angeschaut hat.

200 Mitglieder in Böbingen, 600 in der Kirche in Hussenhofen

1994 als Ableger einer großen Russlanddeutschen-Gruppe der evangelischen Baptistengemeinde Schwäbisch Gmünd gegründet, zählt die Freikirchliche Gemeinde an die 200 Mitglieder in Böbingen und 600 in Hussenhofen bei Schwäbisch Gmünd. An beiden Orten hat die Gemeinde, in der es längst nicht mehr nur Gläubige mit russlanddeutschen Wurzeln gibt, eigene Kirchengebäude, finanziert allein aus Spenden.

In Schorndorf hat sich – nach einem Info-Video von Pastor Friesen auf Youtube, das bereits mehr als 5000-mal aufgerufen wurde, und einer Informationsveranstaltung Ende September in Böbingen – eine feste Gruppe von 20 bis 30 Gläubigen zusammengefunden. „Eine große Show“, sagt der 30-Jährige, bietet die Gemeinde in den Gottesdiensten nicht. Auch werden keine christlichen Popsongs gesungen, sondern „schlichte Lieder“. Dafür gibt es „Gottes Wort“ in den Predigten und eine Frömmigkeit, von der nach Ansicht der Gemeindegründer im pietistisch geprägten Rems-Murr-Kreis nicht mehr viel übrig ist. „Viele Gemeinden sind liberal geworden“, sagt Friesen.

Das kann man von der Freikirchlichen Gemeinde Böbingen nicht behaupten: An die wissenschaftlich begründete Evolutionstheorie glauben der 30-jährige Friesen und die anderen Gemeindemitglieder nicht: „Wir glauben an den Schöpfergott, der die Erde in sechs Tagen erschaffen hat.“ Zur Überzeugung dieses Kreationismus gehört auch, dass die Erde nicht älter als 6000 Jahre sein soll. Für die Freikirchliche Gemeinde Böbingen ist Grundlage in allen Fragen des Glaubens, des Lebens und Denkens die Bibel „als das inspirierte und irrtumslose Wort Gottes“.

Frauen sucht man im Lenkungskreis der Freikirchlichen Gemeinde vergeblich. Und daran wird sich auch nichts ändern: „Auch wenn Gott“, wie es Friesen formuliert, „Mann und Frau als gleich erschaffen hat, er hat ihnen unterschiedliche Aufgaben gegeben.“ Der Mann übernimmt die Führungsrolle, die Frau unterstützt ihn. „Ich sehe in Frauen eine wunderbare Hilfe“, sagt Friesen und ist dankbar, wie ihm seine Ehefrau, die sich um die drei Kinder kümmert, den Rücken freihält.

Vom Glauben abgewandt: Partys, Alkohol und Drogen

Bis vor zehn Jahren, erzählt der 30-Jährige, sei ihm das alles noch nicht so wichtig gewesen. Obwohl er in einem christlichen Elternhaus mit Bezug zur Baptistengemeinde aufgewachsen ist, hatte er nicht den Eindruck, dass dort Jesus und das Evangelium im Zentrum stehen, „sondern die Regeln, an die man sich halten soll“. Friesen wandte sich vom Glauben ab, ging auf Partys, hatte Kontakt zu Alkohol und Drogen – bis ihm ein Freund seines Bruders das Evangelium erklärt hat. Mittlerweile ist er überzeugt: „Jesus Christus hat alles vollbracht, ich muss allein an ihn glauben“.

Beim „Europäischen Bibel Trainings Centrum“ (EBTC) in Zürich hat Friesen – neben seinem Beruf als Werkzeugmechaniker – per Fernkurs eine Predigerausbildung gemacht. Seit 2019 ist er Pastor der Gemeinde in Böbingen. Noch arbeitet er zu 50 Prozent bei der Firma Schleich in Schwäbisch Gmünd-Herlikofen. Doch er will zeitnah zu 100 Prozent in den Pastorendienst. Ende Januar wird er offiziell in den Rems-Murr-Kreis ausgesandt, um in Schorndorf eine bibeltreue Gemeinde aufzubauen. Noch steht das Feiern von Gottesdiensten im Zentrum, doch es soll bald auch für Jugendliche, für Männer und Frauen ein ergänzendes Angebot geben.

Eines der großen Anliegen ist: „Wir wollen für die Menschen im Rems-Murr-Kreis und in Schorndorf ein Segen sein.“ Die biblische Mission gehört dazu.

In der Friedenskirche am Alten Friedhof in Schorndorf, für die die Evangelisch-Methodistische Kirche seit einem Jahr schon einen Käufer sucht, feiert die Freikirchliche Gemeinde Böbingen seit Ende Oktober 2022 Gottesdienst. Zunächst alle zwei Wochen, mittlerweile jeden Sonntagvormittag. Doch Gerüchte, die nach einem Facebook-Post die Runde machten, dass die Böbinger die Friedenskirche übernommen haben, lassen sich nicht bestätigen: Stefan Reinhardt, Pastor der evangelisch-methodistischen

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