Schorndorf

Bürger planen Rettungsaktion für die Schorndorfer Schönblickhütte

Schutzhütte spendenaktion
Ein Kleinod im Naherholungsgebiet Aichenbach: Die Schönblickhütte. © privat

Einfach abreißen und das war’s dann mit der 100 Jahre alten Schönblickhütte – gegen diesen Plan der Stadt Schorndorf regt sich Widerstand. Marcus Seibold, der als Jagdpächter des Stadtwalds seit vielen Jahren sieht, wie intensiv die Hütte im Naherholungsgebiet Aichenbach von Kindergartengruppen, Schulklassen und Spaziergängern genutzt wird, hat sich ins Zeug gelegt, fleißig telefoniert und am Wochenende in gerade mal vier Stunden Spendenzusagen in Höhe von 15.000 Euro gesammelt.

Schönblickhütte: Plötzlich ein Wahlkampfthema

„Das kann doch wohl nicht wahr sein“, das schoss Seibold durch den Kopf, als er in der Zeitung über den geplanten Abriss gelesen hat. Auch OB-Kandidat Bernd Hornikel, berichtet Seibold, habe er in einem Kennenlerngespräch auf die Bedrohung dieses Schorndorfer Kleinods aufmerksam gemacht – und hat damit offenbar Eindruck hinterlassen: „Retten wir die Schönblickhütte!“ fordert dieser in einem Facebook-Post und hat seinerseits eine Geldspende schon zugesagt. Als passionierter Nordic-Walker und Fahrradfahrer, so Hornikel auf Facebook, sei er schon regelmäßig an der Schönblickhütte vorbeigekommen und habe sich dort das ein oder andere Mal zum Schutz vor Gewitter untergestellt. Auch OB-Kandidat Andreas Schneider ist für den Erhalt der Hütte – bekennt auf Facebook aber, dass er sich im Wahlkampf mit diesem Thema nicht profilieren mag. Und von CDU-Stadtrat Thorsten Leiter – und seiner Fraktion im Gemeinderat – kommt der Vorschlag, dass die Hütte nach heutigem Vorbild doch als Schulprojekt von und mit (Berufs-)Schülern neu geplant, konstruiert und gebaut werden könnte.

Bisher stand die Stadt Schorndorf auf dem Standpunkt: Eine Reparatur der Schönblickhütte ist unwirtschaftlich, ein Neubau angesichts der angespannten Haushaltslage nicht drin. Bevor die Zimmerei der Zentralen Dienste zu der Einschätzung kam, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist und sofortiger Handlungsbedarf besteht, gab es noch Pläne, die Schönblickhütte im Jahr 2022 zu reparieren. Doch dann stellte sich für die Stadt heraus: Die Stützen auf der Süd- und Nordseite sind von unten her verfault und ohne Kontakt zum Unterbau, die Tragbalken auf der Südseite der Hütte komplett verrottet. Als Sofortmaßnahme wurde die Hütte darum mit einem rot-weißen Flatterband abgesperrt. Sobald die Zentralen Dienste in den Stadtwerke-Neubau vollends umgezogen sind, so der Plan, sollte die Hütte abgerissen werden.

Das will nicht nur Marcus Seibold verhindern: „Ob Neubau oder Reparatur, die Hütte muss als Kleinod erhalten bleiben.“ Beruflich als Bauträger tätig, traut er sich durchaus zu, den Zustand der Schutzhütte einschätzen zu können. Gemeinsam mit einem Zimmermann war er schon vor Ort, zuletzt sogar noch mit einem Architekten – und alle sind sich einig: Die Hütte kann ohne Probleme erhalten werden – für 20.000 bis 25.000 Euro inklusive neuem Dach. Ein teurer Neubau ist also gar nicht notwendig. Auch am Fundament seien lediglich zwei Schwellen marode, die nach Seibolds Einschätzung relativ leicht austauschbar sind, weil sich das Hüttendach anheben lässt.

Sanierungs-Erfahrung mit der Eichenbachhütte

Seibold ist wild entschlossen, die Schönblickhütte zu retten: „Ich werde alles geben und auch selbst Hand anlegen, dass die Hütte in neuem Glanz bald wieder dasteht.“ Erfahrung hat er: Als Pächter der Eichenbachhütte, die etwas unterhalb der Schönblickhütte liegt, hat er vor ein paar Jahren schon viel Zeit in die Sanierung der ehemaligen Jagdhütte gesteckt, die lange Zeit nur als Lagerraum genutzt wurde. Bei der Schönblickhütte will er die Rolle des Koordinators einnehmen. Auf die Stadt, verspricht er, käme dann lediglich die Bauabnahme zu – und keine Kosten für die Sanierung. Dass 20.000 Euro über die Spendenaktion zusammenkommen, das glaubt Seibold bestimmt. Vielleicht mag sich ja auch die Bürgerstiftung einbringen, schlägt Seibold vor, und will sich noch diese Woche mit Erstem Bürgermeister Thorsten Englert treffen, um mit ihm über die Rettung der Schönblickhütte zu sprechen.

Info

Wer für den Erhalt der Schönblickhütte Geld spenden möchte, kann dies auf dem Konto der Schorndorfer Naturfreunde tun, Spendenzweck: Schönblickhütte, IBAN DE70 6025 0010 0005 0566 71, BIC: SOLADES1WBN. Eine Spendenbescheinigung gibt es für Spenden von mehr als 200 Euro.

Einfach abreißen und das war’s dann mit der 100 Jahre alten Schönblickhütte – gegen diesen Plan der Stadt Schorndorf regt sich Widerstand. Marcus Seibold, der als Jagdpächter des Stadtwalds seit vielen Jahren sieht, wie intensiv die Hütte im Naherholungsgebiet Aichenbach von Kindergartengruppen, Schulklassen und Spaziergängern genutzt wird, hat sich ins Zeug gelegt, fleißig telefoniert und am Wochenende in gerade mal vier Stunden Spendenzusagen in Höhe von 15.000 Euro

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