Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Andreas Bayer

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Andreas Bayer will Bürgermeister in Winterbach werden: „Du verstehst schließlich was davon.“ © Jamuna Siehler

Winterbach. Andreas Bayer bringt Sachverstand und Berufserfahrung zum Thema Stadt- und Baulandentwicklung mit. Fast hätte sich der 52-Jährige schon mal in seiner Heimatstadt Heubach als Bürgermeister beworben. Aber jetzt in Winterbach passt es einfach, sagt er, hier will er es wagen. Dabei schreckt er nicht vor kritischen Anmerkungen zurück.

Video: Drei Fragen, Drei Antworten an Andreas Bayer

Ein heißer Sommerabend in der Winterbacher Ortsmitte. Die Leute sitzen im Biergarten, auf den Steinbänken am Rathaus, auf den Stufen der Michaelskirche. Autos rauschen durch die Tempo-30-Zone zwischen den Kreisverkehren. Auf der Suche nach einem ruhigen Fleck für ein ungestörtes Gespräch mit der Zeitung wird Andreas Bayer in der Brunnengasse, am neu gestalteten Brunnen, fündig: ein Sitzplatz mit Blick durch die Glasscheiben eines der kubischen Neubauten zwischen den sanierten Fachwerkhäusern. Eine Kunstausstellung ist dort fürs Brunnenfest aufgebaut. Die Ladenfläche ist noch frei, sucht einen Mieter.

Projekte in der Art wie die Sanierung der Winterbacher Ortsmitte, mit der Integration neuer Elemente, die hat Bayer auch schon mit geplant und verantwortet. Zur Winterbacher Ortsmitte meint er: „Das ist zukunftsfähig.“ Und darauf komme es an: Nutzungen zu finden, die auch in zehn Jahren noch tragen. Ein Bistro könnte er sich da gut vorstellen, überlegt Andreas Bayer mit Blick auf die freie Ladenfläche.

„Wenn man nicht hinterher ist, kommt man ins Hintertreffen“

Um die Zukunft Winterbachs, das verspricht Andreas Bayer den Wählern in seinem Wahlkampfflyer, müssten sie sich keine Sorgen machen. Aber: „Ein Grund dafür, die Hände in den Schoß zu legen, ist das nicht.“ Wenn er sehe, dass Schorndorf bis 2020 ein paar hundert Wohnungen im Jahr bauen wolle, sehe er die Gefahr, dass Winterbach Einwohner verliere, sagt er: „Wenn man nicht hinterher ist und treibt, kommt man ins Hintertreffen.“

Andreas Bayer hat in Heubach schon als Kind hautnah miterlebt, was es bedeutet, wenn die Zeiten sich ändern. Sein Vater war Lebensmitteleinzelhändler. Ende der 70er Jahre musste er das Geschäft aufgeben, weil die ersten Supermärkte mit einer größeren Fläche kamen. Er reiste dann herum und verkaufte Tee an Händler und Märkte und erlebte, wie viele kleinere Händler das gleiche Schicksal erlitten wie er selbst. Die Geschäfte hinterließen Lücken, Stadtbilder veränderten sich. Die Gesellschaft sei schnelllebig, das habe er gelernt, sagt Andreas Bayer: „Was Sie heute tun, für das kann es in zehn Jahren schon keine Nachfrage mehr geben.“

Im Studium der Verwaltungswissenschaften in Konstanz hatte Andreas Bayer den Schwerpunkt „kommunale und regionale Entwicklungspolitik“. Seine „Initialzündung“, sagt er, sei ein Kurs über städtebauliche Erneuerung gewesen. Da habe er gemerkt, dass das ein Arbeitsfeld für ihn sein könnte. 1992 schloss er sein Studium mit Diplom ab und fand wenig später Arbeit bei einem Sanierungsträger in Ludwigsburg. Als Projektleiter arbeitete er Verträge mit Kommunen aus, führte Verhandlungen mit Eigentümern von Immobilen, kümmerte sich um Fördergelder. Seitdem ist er beruflich in dieser Richtung unterwegs, in der Baulandentwicklung, im Liegenschaftsmanagement, im Wohnbau.

Diese Erfahrung sieht er neben seinem Studium als gute Qualifikation für das Bürgermeisteramt. Als Kommunalberater habe er viele Anforderungen erlebt und zu Problemlösungen beigetragen. Als vor fünf Jahren in seiner Heimatstadt Heubach ein neuer Rathauschef gesucht wurde, sprachen Freunde ihn an: Ob er nicht wolle? Er verstehe schließlich was davon, habe auch die Persönlichkeit dafür, könne mit Geld und Menschen umgehen.

Gereizt habe es ihn damals schon, sagt Andreas Bayer, aber er entschied sich dagegen, weil es ihm und seiner Familie in Weiler gut gefiel und ein Umzug nicht infrage kam. Seinen Sohn habe er für seine Karriere nicht aus seinem Umfeld reißen wollen. „Jetzt habe ich gesagt: Jetzt passt’s!“Auch wenn er nach Winterbach ziehen würde – was er nicht ausschließt –, wäre er immer noch in der liebgewonnenen Umgebung.

„Ich bin ein Mensch, der ausgleichen kann“, sagt Andreas Bayer über sich, „der auf Menschen zugehen und Kompromisse schmieden kann.“ Er wolle nicht Dinge durchsetzen, die ihm „im Kopf schweben“, sondern das, was die Bürger wollen. Wobei der 52-Jährige gleich einschränkt: Widersprechen werde er den Bürgern schon, wenn sie einer „Fehleinschätzung“ unterliegen.

So hat er das zum Beispiel bei seinem Wahlkampftermin in Manolzweiler gemacht, wo er natürlich mit dem Thema Windkraft konfrontiert wurde und mit der Entscheidung des Gemeinderats, dem Vorhaben der EnBW am Goldboden zuzustimmen: „Als Verwaltungsmensch muss ich sagen: Diese Entscheidung war die richtige“, sagt Bayer. Persönlich sagt er, er könne zwar nachvollziehen, dass man die Windräder nicht vor der Haustür haben wolle. Aber: „Windkraft ist besser als Atomkraft und die Verbrennung von fossilen Energieträgern.“ Ja, auch auf dem Schurwald: „Wir können das nicht immer rumschieben. Ich halte die Belastung für zumutbar.“

Bei einem anderen Thema will Bayer die Bürger mitnehmen, bei dem es die Gemeinde in seinen Augen bisher sträflich versäumt hat: bei der Gartenschau. Er will das bisherige Winterbacher Konzept „auf den Prüfstand stellen“. Etwas fehlt ihm: „Ich will doch eine Begeisterung haben“, sagt er, dazu müsse man die Leute einbinden, damit sie sich mit dem Projekt identifizieren. Klar, der gesetzte Kostenrahmen sei wichtig, gerade angesichts der Haushaltslage. Aber vielleicht könne man ja noch Fördertöpfe anzapfen. Der Amtsantritt eines neuen Bürgermeisters, so sieht es Andreas Bayer, sei die Chance, „Dinge wieder in den Blick zu nehmen, die vielleicht in den Hintergrund getreten sind“.

Stark will er sich darauf konzentrieren, Wohnbauflächen zu schaffen, aber auch bestehenden, brachliegenden Wohnraum verfügbar zu machen, indem er die Leute „stupft“. Eine ältere alleinstehende Frau hätte zum Beispiel etwas davon, wenn sie eine junge Familie bei sich einziehen lasse. Der Bürgermeister als Moderator und Gestalter des Gesellschaftswandels: „In Winterbach lässt sich noch einiges bewegen“, ist Andreas Bayer überzeugt.

Zur Person

Andreas Bayer ist 52 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seinem 15-jährigen Sohn seit acht Jahren im Schorndorfer Ortsteil Weiler. Geboren und aufgewachsen ist er in Heubach.

Derzeit arbeitet Bayer beim Zweckverband Flugfeld Böblingen-Sindelfingen in der Vermarktung von Gewerbegrundstücken. Berufserfahrung hat er als Projektleiter von Stadterneuerungsmaßnahmen und in der Baulandentwicklung in Zusammenarbeit mit Kommunen. Er ist diplomierter Verwaltungswissenschaftler, studiert hat er in Konstanz.

Mehr Infos zum Kandidaten Bayer unter www.andreas-bayer.info.