Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Der meint’s ernst

Andy Bayer
Was machen die Kandidaten, wenn sie gewinnen? Andy Bayer brachte mit seinem Vorhaben im Falle eines Wahlsieges die Halle zum Brüllen, er würde „meinen Sachbearbeiter beim Arbeitsamt kontaktieren und ihm sagen, dass sich die Zusammenarbeit erledigt hat“. © Palmizi / ZVW

Winterbach. Ein normaler Mensch, ist sich Andy Bayer sicher, hätte ihm von einer Kandidatur als Bürgermeister abgeraten. „Aber manchmal geht es auch darum, dass man unnormale Dinge tut“, sagt der 39-Jährige und betont: Ein Träumer sei er jedenfalls nicht.

Video: Andy Bayer stellt sich den Fragen unseres Redakteurs

Das mit der Bewerbung als Bürgermeister hat er sich schon länger überlegt. Den „letzten Schucker“, wie er sagt, gab dann, dass sich da plötzlich ein anderer Mann namens Andreas Bayer in Winterbach bewarb (siehe „Nicht verwechseln!“). Andy Bayer stellt klar: Er führe keinen privaten Kampf gegen seinen Namensvetter. Aber das hat ihn schon angestachelt: „In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, in meinem Revier, da hat ein anderer Andreas Bayer vor, Bürgermeister zu werden!“

Der 39-Jährige sitzt auf einer Bank mit Blick auf den Winterbacher Stausee, das Hochwasserrückhaltebecken im Lehenbachtal. Ein paar Meter weiter liegt das Freibad, in dem sich Andy Bayer in seiner Jugend oft aufgehalten hat. Er kenne jeden Busch in und um Winterbach, sagt er. „Bis zu meinem zwölften Lebensjahr hatten wir keinen Fernseher, das hat dazu geführt, dass ich viel draußen war“, sagt er. Bei der Gelegenheit wolle er über die Zeitung all die Menschen um Entschuldigung bitten, denen er im Winter Schneebälle ins Fenster geworfen habe: „Ich war im Handball, das war eine Herausforderung.“

Bei Andy Bayer ist man manchmal nicht ganz sicher, wie ernst er es mit seiner Bewerbung als Bürgermeister meint. Er witzelt, er nimmt sich selbst auf die Schippe. Aber wenn er über seine Ansichten spricht, dann klingt das durchaus ernsthaft. Die Herausforderung, die das Amt mitbringe, die sei ihm schon klar, sagt er. Deswegen treffe der von ihm bei der Kandidatenvorstellung in der Salierhalle scherzhaft geäußerte Spruch schon auch irgendwie zu, dass er vielleicht Glück habe und der Kelch an ihm vorübergehe, wenn er nicht gewählt werde. Für 7500 Menschen geradezustehen und für seine Ideen einzutreten, das werde „kein Spaziergang“. Aber die Tatsache, dass er eben keinen geradlinigen Lebenslauf mit abgeschlossenem Studium hat, sieht er gerade als seine Stärke an. „Ich glaube, dass ich näher am Volk bin als meine Mitbewerber.“ Er denke nicht in festen Strukturen und komme auf andere Lösungen als ein studierter Volkswirtschaftler. „Kreativität ist durch nichts zu ersetzen“, findet er.

Nicht verwechseln!

Wir nennen ihn hier in der Zeitung zur Unterscheidung Andy Bayer. Eigentlich heißt er Andreas Bayer, exakt gleich wie ein Mitbewerber. Beide werden am kommenden Sonntag als Andreas Bayer auf dem Wahlzettel stehen. Zu unterscheiden sind sie am Beruf und der Adresse, die mit auf dem Zettel stehen.

Andy Bayer wohnt in Schorndorf, Burgstraße 33, und ist Mediengestalter, derzeit arbeitssuchend. Er steht an vierter Stelle auf dem Stimmzettel.

Andreas Bayer wohnt im Schorndorfer Teilort Weiler in der Stettiner Straße 14/1 und ist Diplom-Verwaltungswissenschaftler. Er steht an dritter Stelle auf dem Stimmzettel.

 

„Ich erinnere mich, dass ich Reis mit Ketchup gegessen habe“

Andy Bayer hat auf der Waldorfschule Engelberg Fachabitur gemacht. Nach einem Jahr in den USA, in Philadelphia, wo er an einem Internat für behinderte Kinder arbeitete, ging er nach Konstanz und studierte Software Engineering. Nach zwei Semestern ließ er das aber wieder sein. Einerseits, weil ihm das Studieren nicht lag, ein in seinen Augen zu oft eher stupides Auswendiglernen und Wiedergeben von Wissen. Andererseits, weil er zum Lernen zu wenig kam, viel in einem Biergarten schuftete, um Geld zu verdienen. Geld hatte er nicht viel zur Verfügung. „Ich erinnere mich, dass ich Reis mit Ketchup gegessen habe“, sagt er. Auch in Berlin, wo er danach eine Ausbildung zum Mediengestalter begann und nach drei Jahren abschloss, war oft Ebbe in der Kasse, weil sein Arbeitgeber ihm die Ausbildungsvergütung nicht immer pünktlich zahlte.

Als Mediengestalter arbeitet Andy Bayer heute noch ab und zu. „Aber nur aus Überzeugung und zum Selbstkostenpreis“, sagt er, zum Beispiel gestaltet er Flyer für Konzerte. Der Beruf gefalle ihm an sich schon. „Aber mir gefällt nicht, dass man damit irgendeiner Firma hilft, besser dazustehen.“

Nach seiner Rückkehr aus Berlin ins Remstal wohnte Andy Bayer zunächst in Waiblingen und arbeitete als Badeaufsicht im Freibad. Aber nicht lange: „Als man mir verbieten wollte, bei der Arbeit einen Strohhut aufzusetzen, habe ich gekündigt.“ In Schorndorf machte er bis vor kurzem eine Ausbildung zum Bademeister. Er hat sie jedoch nicht beendet, weil er sich in einer Frage mit seinem Arbeitgeber überwarf: Er hätte gerne zweimal die Woche frei gehabt, um Schwimmen zu trainieren und sich damit auf die Abschlussprüfung vorzubereiten, sagt er. Das wurde ihm nicht gewährt, obwohl er der Meinung gewesen sei, dass er seinen Job ernst nehme. „Das habe ich sehr gegen mich empfunden“, sagt er. „Und wenn sich jemand gegen mich stellt, fällt es mir schwer, weiter für den zu sein.“ Das heiße nicht, dass er von irgendjemandem erwarte, dass er seiner Meinung sei oder dass er mit Samthandschuhen angefasst werde. Aber: „Ich erwarte, dass man sich gegenseitig mit Respekt begegnet.“

Die Erfahrung als Bademeister, glaubt Andy Bayer, ist auch als Bürgermeister hilfreich. In beiden Jobs, sagt er, „muss man darauf achten, dass keiner untergeht, und eine gewisse Ordnung aufrechterhalten“. Als Bürgermeister sehe er sich zudem „in der Pflicht, auf globale Dinge zu reagieren und die Probleme im Ort anzupacken“. Global denken will er, indem er Winterbach eine Partnerstadt in Russland sucht. Der Gefahr eines Konfliktes zwischen Nato und Russland müsse man etwas entgegensetzen.

Und lokal? Welche Herausforderungen auf ihn bezüglich des Gemeindehaushalts zukommen, das wisse er derzeit nicht, gibt er zu. Aber er hat eine Idee, wie man die Kasse etwas aufbessern könnte: ein „Sanierungsfestival“ in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Rock, bei dem der Gewinn in die Gemeindekasse fließt. Die Jugend hat Andreas Bayer sehr im Blick: Das Jugendzentrum und andere Dinge wie Schülerbands oder Möglichkeiten, wo sich junge Menschen außerhalb von Kirchen und Vereinen beschäftigen können, die müsste man fördern, findet er.

In seiner Kindheit, erinnert er sich, gab es in Winterbach auch innerorts noch viel mehr Freiflächen, wo man als Kind spielen und toben konnte. „Mittlerweile ist der Ort sehr erschlossen und aufgeräumt.“ Deswegen wolle er versuchen, die verbleibenden Grünflächen zu bewahren.

„Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man den Laden schmeißt“, sagt Andy Bayer und hofft auf seine Chance. Bei der Kandidatenvorstellung hat er die Salierhalle zumindest gut unterhalten. Aber nicht nur, ist sein Eindruck: „Ich glaube, die Bürger haben gesehen, dass ich nicht komplett bescheuert bin.“ Wobei er schon das Gefühl hat, dass ihm das mit dem Bürgermeister nicht ganz zugetraut wird. „Aber ich würde gerne beweisen, dass mehr in mir steckt.“

Zur Person

Andy Bayer ist 39 Jahre alt und gebürtiger Winterbacher. Derzeit wohnt er in Schorndorf. Seinen Familienstand gibt er selbst mit „glücklich verliebt“ an.

Jobs hat Bayer schon viele ausgeübt, vom Schuhverkäufer bis zum Rettungsschwimmer. Derzeit kellnert er in einer Schorndorfer Kneipe. Er hat eine abgeschlossene Ausbildung zum Mediengestalter.

Mehr über den Kandidaten Andy Bayer auf www.andy-bayer.de.