Schorndorf

Baggern für den Wirtschaftsstandort

Breitwiesenspaten
Der Bürgermeister lässt den Bagger in die Erde beißen: Mit diesem symbolischen Akt feierte die Gemeinde den Start der Erschließungsarbeiten für das Gewerbegebiet Breitwiesen. © Schneider / ZVW

Remshalden. Die Erschließung des Gewerbegebiets Breitwiesen läuft, Kanäle und Leitungen werden verlegt und Straßen gebaut. Beim Baggerbiss als offiziellem Startschuss feierte Bürgermeister Breiter das als „Meilenstein“ und „neues Kapitel in der Geschichte des Wirtschaftsstandorts Remshalden“.

Video: Bürgermeister Stefan Breiter

Der eigentliche Baubeginn in den Breitwiesen im Ortsteil Grunbach nördlich der B 29 liegt bereits drei Wochen zurück. Seitdem ging es Schlag auf Schlag. Das gute Wetter machte es möglich, dass ein wichtiger Abschnitt der Maßnahme bereits erledigt ist: Der große Teil des als schützenswert eingestuften Oberbodens ist bereits abgetragen. 8600 Kubikmeter Erde sind mit rund 900 Lkw-Ladungen nach Berglen-Öschelbronn gekarrt worden. Dort wird sie bei einer Flurbereinigungsmaßnahme verbaut und soll die Böden verbessern. 500 Kubikmeter liegen jetzt noch an Ort und Stelle: der Teil, der auf Äckern westlich von Buoch ausgebracht werden soll (siehe „50 Lastwagen“).

Für den nun am Mittwoch erfolgten symbolischen Akt des Baggerbisses baggerte Bürgermeister Stefan Breiter eine Schaufel voll Erde aus einem bisher noch unangetasteten Stück Boden. Nach der Zeremonie und den obligatorischen Fotos mit Bauhelmen und Spaten wurde das kleine Loch aber wieder zugeschüttet. Die Erde wird hier wohl unberührt bleiben, bis tatsächlich ein Unternehmen an der Stelle baut. Auch die Bauherren in den Breitwiesen müssen sich dann darum kümmern, dass der Oberboden abgetragen und sinnvoll wiederverwertet wird.

Es sind begehrte Bauplätze

Bis es so weit ist, bis also Werkshallen und Firmengebäude in die Höhe wachsen, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. Im August 2017 soll die Erschließung der Gewerbebauplätze abgeschlossen sein. Bis dahin müssen rund 2000 Meter Kanäle und rund 1000 Meter Wasserleitungen verlegt und dann die Zufahrtsstraßen ins Gebiet asphaltiert werden. Alle Gewerbebauplätze werden zudem mit einem direkten Glasfaseranschluss für schnelles Internet versorgt sein.

Insgesamt 31 800 Quadratmeter bebaubare Fläche stehen in den Breitwiesen zur Verfügung. Es sind begehrte Bauplätze. Fast jeden Tag seien Bewerbungsmappen in der Post, berichtete Bürgermeister Stefan Breiter beim Baggerbiss. „Wir müssen nullkommanull Sorge haben, dass diese Flächen nicht vermarktet werden können“, sagte er und spielte damit auf die Zweifel im Vorfeld an, die auch aus dem Gemeinderat laut geworden waren. Bis zuletzt stimmten die beiden Rätinnen der Alternativen Liste gegen das Gewerbegebiet. Nicht nur aus Zweifeln an der Vermarktungs- und damit der Refinanzierbarkeit, sondern auch mit Blick auf Natur und Umwelt.

Die Gemeinde sucht sich gezielt aus, wer ins Gewerbegebiet kommt

An diesem Freitag endet die Bewerbungsfrist für die bauwilligen Firmen. Danach, so Kämmerer Holger Mayer, werde man die Bewerbungen sichten und Gespräche mit den Firmen führen. Sie werden dann über einen vom Gemeinderat beschlossenen Kriterienkatalog bewertet. Wichtig ist der Gemeinde dabei zum Beispiel, dass die Firmen Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort schaffen oder dass sie Gewerbesteuer in Remshalden zahlen. Andere Kriterien sind unter anderem, wie viel Verkehr die Betriebe produzieren, und der Grad des Krachs und Gestanks, den sie verursachen.

Die Gemeinde sucht sich also sehr gezielt aus, wen sie sich ins Gewerbegebiet holt. Wenn in der ersten Bewerbungsrunde nicht genügend Bewerber dabei seien, die die festgelegten Kriterien zufriedenstellend erfüllen, könnte es auch noch eine zweite Runde geben, kündigt Kämmerer Mayer an. Auch Firmen, die es bis jetzt nicht geschafft hätten, eine Bewerbung abzugeben, könnten also noch eine Chance bekommen.

Bis zu zwölf Meter hohe Gewerbebetriebe

199 Euro pro Quadratmeter verlangt die Gemeinde für die Bauplätze. Kosten von rund 6,9 Millionen Euro (inklusive Ausgleichsmaßnahmen wie die Renaturierung des Zehntbachs und Grundstückserwerb) müssen damit refinanziert werden – zumindest zum Teil. Denn die Straßen, Leitungen und Kanäle, die jetzt verlegt werden, sind auch schon darauf ausgelegt, dass in einem zweiten Schritt das benachbarte Gebiet Riedwiesen ebenfalls vermarktet und bebaut werden kann. Außerdem freut sich die Gemeinde auf die Gewerbesteuereinnahmen, die die Firmen in den Breitwiesen, mitbringen.

Insgesamt wird das Gewerbegebiet das Ortsbild Grunbachs verändern, wie es sich jemandem präsentiert, der auf der B 29 durchfährt. Wo bisher Felder waren, zuletzt vor allem mit Mais bewachsen, werden dann bis zu zwölf Meter hohe Gewerbebetriebe stehen. Der Blick vom Tal aus auf Grunbach-Nord am Hang mit dem historischen Ortskern um die Kirche wird dann teilweise verbaut sein. Das sei natürlich schade, meint auch Bürgermeister Breiter. Aber: „Man kann nicht immer alles haben.“

Dafür haben die Firmen, die sich neu am Wirtschaftsstandort Remshalden ansiedeln, nicht nur die perfekte Verkehrsanbindung und schnelle Datenleitungen zur Verfügung, sondern auch den attraktiven Blick auf die Weinberge und das schöne Grunbach.