Schorndorf

Baugebiet in Buhlbronn: Warum die Planung von den einen ersehnt und den anderen abgelehnt wird

Geplantes Neubaugebiet Siechenäcker, Siechenackerweg, Schorndorf-Buhlbronn, 10.06.2021.
Geplantes Neubaugebiet Siechenäcker. © Benjamin Beytekin

Die einen warten seit 25 Jahren auf ein neues Baugebiet in Buhlbronn, die anderen sehen das geplante kleine Wohngebiet an den Äckern und Wiesen am Rand der Ortschaft kritisch. Vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat Ja zur Aufstellung des Bebauungsplans Grundackerweg gesagt, jetzt hat die Planung im Technischen Ausschuss die nächste Hürde genommen. Der Plan wurde mehrheitlich gebilligt und wird - die Zustimmung des Gemeinderats am 24. Juni vorausgesetzt - jetzt öffentlich ausgelegt. Auf dem knapp ein Hektar großen Grundstück zwischen dem Grundackerweg und dem Siechenackerweg sollen Einfamilienhäuser gebaut werden können. Möglich sind Einzel- und Doppelhäuser sowie kleine Reihenhausgruppen.

Das Vogelschutzgebiet ist nicht tangiert

„Heute geht es um die grundsätzliche Zustimmung“, sagte Thorsten Donn, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht. Im März war ein Artenschutzgutachten erstellt worden. „Bedenken wegen des Artenschutzes wurden ausgeräumt“, erklärte Donn. Innerhalb des Plangebiets oder in dessen unmittelbarer Umgebung befinden sich keine Naturschutzgebiete, Naturdenkmale oder Schutzgebiete.

Südlich des Areals im Abstand von rund 40 Metern, grenzen ein Vogelschutzgebiet und ein Landschaftsschutzgebiet an das Plangebiet. Das Vogelschutzgebiet umfasst Streuobstwiesen und größtenteils nicht rebflurbereinigte Weinberge, durchsetzt unter anderem von Hecken, Viehweiden und Feuchtwiesen. Diese Gebiete werden nach Angaben Donns nicht beeinträchtigt. Der südliche Teil des Plangebiets wird als Ausgleichsfläche festgesetzt. Am südlichen und östlichen Rand der Wohnbauflächen sollen zur Einbindung des Gebietes in die Nachbarschaft und zur Verbesserung des Kleinklimas Sträucher gepflanzt werden. Zudem werden so Lebensräume für Kleinlebewesen geschaffen.

Erlaubt sind zweigeschossige Einfamiliehäuser

Mit den zweigeschossigen Einfamilienhäusern soll sich das geplante Baugebiet in die Umgebung am Ortsrand einfügen. Erschlossen werden die – je nach Bebauung – zwölf bis 18 Wohneinheiten über den Grundackerweg und den Siechenackerweg. Über einen Ringschluss an die bestehenden Wohnstraßen sollen die künftigen Bewohner ihre Häuser anfahren können. Schwierigkeiten mit der Kanalisation hätten ausgeräumt werden können, sagte Donn.

Was ist mit Fotovoltaik?

Auch wenn der Bau von Fotovoltaikanlagen ausdrücklich erwünscht ist: Im Bebauungsplan wird er nicht festgesetzt, was Werner Neher (GLS) angesichts der erklärten Klimaziele der Stadt ausgesprochen enttäuschte. Nach Auffassung von Fachbereichsleiter Thorsten Donn ist der Bebauungsplan indes das falsche Instrument, um die Nutzung von Solarenergie rechtssicher festzusetzen. Die Pflicht zu Fotovoltaikanlagen solle aber in den städtebaulichen Vertrag aufgenommen werden, kündigte er an. Andere Städte sehen das anders. Die Stadt Waiblingen schreibt bereits seit 2006 in Bebauungsplänen und Grundstücksverträgen Bauherren die Pflicht zum Solardach vor. Wichtige Voraussetzung: Die Stadt ist Eigentümerin der Grundstücke. Tübingen folgte 2018, als der Gemeinderat für Neubauten eine Solarpflicht beschloss. Auch die neu gewählte grün-schwarze Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine Solarpflicht für private Wohngebäude verankert. Die soll Anfang 2022 in Kraft treten und sowohl für Neubauten als auch für grundlegende Sanierungen gelten. Damit, meint Thorsten Donn, werde die Diskussion, ob Fotovoltaik im Bebauungsplan festgesetzt werden könne, obsolet. „Sobald der Punkt des grün-schwarzen Koalitionsvertrags umgesetzt ist, ist auch die Umsetzung über andere Instrumente wie Grundstückskaufverträge oder städtebauliche Verträge ebenfalls nicht mehr erforderlich.“

Tiny Houses am Ortsrand von Buhlbronn?

Unabhängig davon lehnt die Grüne Liste Schorndorf den Bebauungsplan ab, erklärte Werner Neher. In Buhlbronn gebe es Alternativen: Ehemalige Schuppen und Baulücken könnten bebaut werden. Diese erwünschte Innenentwicklung ist laut Thorsten Donn indes „ein mühsames Geschäft“, bei dem die Stadt wenig Möglichkeiten habe, wenn Erbengemeinschaften nicht verkaufen wollen. Ein Sündenfall ist die Bebauung angesichts der erklärten Klimaschutzziele der Stadt auch nach Ansicht Andreas Schneiders. „Man hat hier große Reden gehalten“, erinnerte er und forderte seine Ratskollegen dazu auf, diese Ziele ernst zu nehmen oder sie jetzt aufzugeben. Sein Vorschlag: Statt der zweigeschossigen Häuser solle in Buhlbronn Tiny Houses anbieten. Diese wären nach Angaben Thorsten Donns allerdings keine Alternative, weil die Mini-Häuser gut zur Nachverdichtung, auf neuen Grundstücken aber nicht flächeneffizient seien. FDP/FW-Chef Gerhard Nickel wies Andreas Schneiders Vorwurf, die Ziele seien nur Lippenbekenntnisse gewesen, umgehend zurück. Die Klimaschutzziele sollten weiter verfolgt werden, sagte er. Bauwilligen Bürger könne man aber nicht zum Auswandern auffordern.

Die einen warten seit 25 Jahren auf ein neues Baugebiet in Buhlbronn, die anderen sehen das geplante kleine Wohngebiet an den Äckern und Wiesen am Rand der Ortschaft kritisch. Vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat Ja zur Aufstellung des Bebauungsplans Grundackerweg gesagt, jetzt hat die Planung im Technischen Ausschuss die nächste Hürde genommen. Der Plan wurde mehrheitlich gebilligt und wird - die Zustimmung des Gemeinderats am 24. Juni vorausgesetzt - jetzt öffentlich ausgelegt. Auf dem

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