Schorndorf

Blechverarbeitung auf hohem technischen Niveau: Firma Hermann Blechtechnik in neuem Firmengebäude

Hermann
Das neue Gebäude der Firma Hermann Blechtechnik an der Ecke Heinkel-/Gottlob-Bauknecht-Straße. Fast 60 Jahre lang wurde zuvor in der Carl-Zeiss-Straße in Weiler produziert. © Gabriel Habermann

Das sei mit fast 20 Tonnen die schwerste Maschine überhaupt, sagt Markus Hermann, als die Laserstanzanlage mit einem Kran vom Transporter heruntergehievt wird. „16,5 Tonnen“, korrigiert ihn sein 77-jähriger Vater Alfred Hermann, der die auf Blechbearbeitung und Blechtechnik spezialisierte Firma, die jetzt in ihr nagelneues Domizil an der Ecke Heinkelstraße/Gottlob-Bauknecht-Straße umgezogen ist, vor fast 60 Jahren in der Carl-Zeiss-Straße in Weiler gegründet hat. Angefangen hat alles mit Fahrradteilen, später lag der Produktionsschwerpunkt dann auf Blechteilen für Fernmeldeanlagen der Firma SEL, heute ist die Firma Hermann Blechtechnik ein Hightech-Unternehmen, deren komplizierte und in aller Regel in überschaubaren Stückzahlen gefertigte Teile in der Automobilindustrie genauso Anwendung finden wie in der Luftfahrt oder in der Medizin. „Wir fertigen zwischen ein und zehn, auch mal 100 Stück, aber selten mal 1000 oder gar mehr“, sagt Geschäftsführer Markus Hermann und erzählt stolz von seinem jüngsten Projekt. Für eine österreichische Firma, die in ihrem Projekt „Auf-Laden“ das Tanken mit grünem Strom mit einer neuen Form des Einkaufens verbindet – rund um die Uhr können an modernen Bestellterminals Waren ausgesucht, bezahlt und anschließend an einem zugewiesenen Ausgabeterminal abgeholt werden –, liefert die Firma Hermann für die Steuerung und Automatisierung dieses Systems alles, was mit Blechtechnik zu tun hat. Und dieser Kontakt wiederum ist laut Markus Hermann zustande gekommen über einen Kunden aus der Apothekerbranche, bei dem es darum ging, ein innovatives und automatisiertes Abholsystem zu installieren, das es erlaubt, sein vorbestelltes Medikament zu jeder Tages- und Nachtzeit abzuholen, ohne dass die Apotheke besetzt sein muss. Blechbearbeitung, die nur aus Stanzen und Schneiden besteht, das war – vielleicht – einmal.

Firmenphilosophie: „Wir fangen da an, wo andere aufhören“

Den äußeren Anschein, dass es sich bei der Firma Hermann Blechtechnik mit ihren 15 Mitarbeitern um ein Hightech-Unternehmen handelt, das mit seinen Innovationen und Entwicklungen auch ganz stark im Automobilbereich vertreten ist – etwa bei der Fertigung von Steuerungsgehäusen für die ganze Bordautomatik –, hat das alte und in den Jahren 1970 und 1985 jeweils erweiterte Firmengebäude nicht unbedingt erweckt. „Wir fangen da an, wo andere aufhören“, ist die Firmenphilosophie, die darauf ausgerichtet ist, sich auch schwierigen und hochkomplexen Herausforderungen zu stellen – egal etwa, ob es um den Verbrennungsmotor, die Elektromobilität oder um die Brennstoffzellentechnik geht. Wobei Markus Hermann keinen Hehl daraus macht, dass er es für bedenklich hält, wenn in der Automobilindustrie teilweise ausschließlich auf batteriebetriebene Stromfahrzeuge gesetzt wird. „Wir sind eher wie eine Manufaktur“, sagt der Geschäftsführer, der gelernter Ingenieur im Fachbereich Automatisierungstechnik ist und schon von daher einen starken Hang zum Maschinenbau hat.

Seit vielen Jahren auf der Suche nach einem neuen Standort

Dass die Firma Hermann Blechtechnik bislang trotzdem nicht so im Fokus stand, hat auch damit zu tun, dass der Standort Carl-Zeiss-Straße in Weiler nicht nur ein sehr versteckter, sondern auch von der verkehrlichen Erschließung her sehr problematisch war, weil es für alle über viele Jahre hinweg dort ansässigen Gewerbebetriebe, darunter auch eine Spedition, nur die Zu- und Abfahrt über die Pfarrstraße und damit mitten durchs Wohngebiet gab – was zunehmend für Unmut gesorgt hat. Aber auch die räumlichen Voraussetzungen – alle An- und Ablieferungen mussten zum Beispiel über eine Rampe erfolgen – seien nicht besonders glücklich gewesen, weshalb es seit fast 20 Jahren immer wieder Überlegungen gegeben habe, den Standort zu wechseln, sagt der Geschäftsführer, dessen Firma zwischendurch sogar kurz vor dem Absprung nach Winterbach war.

500 Quadratmeter mehr Hallen- und 300 Quadratmeter Bürofläche

Dass es jetzt mit einem neuen Standort und dazuhin auch noch an relativ exponierter Stelle in Schorndorf geklappt hat, liegt daran, dass die Stadt Schorndorf über eine Bebauungsplanänderung den Weg dafür geebnet hat, dass aus dem ehemaligen Gewerbegebiet am hinteren Ende der Carl-Zeiss-Straße Wohngebiet werden kann. Und die ersten Wohngebäude wachsen mittlerweile ja auch schon aus dem Boden. „Ohne diese Umwandlung wäre für uns ein Neuanfang an anderer Stelle finanziell nicht möglich gewesen“, sagt Markus Hermann freimütig. Und zusätzlich geholfen habe da der Umstand, dass die Firma – damals allerdings schon zu Wohnbaupreisen – eine angrenzende Wiese gekauft habe, um zu verhindern, dass dort ein irgendwann möglicherweise die Firmeninteressen tangierendes Wohnhaus gebaut wird. „Wir gehen aus dem Neubauprojekt aber trotzdem mit Schulden und Krediten raus“, sagt Hermann, der das neue Gebäude als „funktionell und zweckmäßig“ beschreibt, aber auch nichts dagegen hat, dass man sich im Bürobereich „ein bisschen Luxus“ gegönnt hat. Wichtiger aber ist der Raumgewinn: Während in Weiler insgesamt nur 1800 Quadratmeter Fläche zur Verfügung standen, sind es jetzt 2300 Quadratmeter Hallenfläche und zusätzlich noch einmal 300 Quadratmeter Bürofläche. Außer einer durchgehenden LED-Beleuchtung gehört zum ökologischen Standard auch, dass die Firma ihren ganzen Strom selber erzeugt. Dass der Abschied vom alten Standort in Weiler vor allem bei seinem Vater neben Stolz auch Emotionen auslöst, weiß Markus Hermann. „Das ist, wie wenn man einen Oldtimer hergibt, aber ein neues Auto kann einfach mehr“, beschreibt er exemplarisch, was der Umzug für die Firma perspektivisch bedeutet.

Rücklagen aus guten Jahren haben in der Coronakrise geholfen

Natürlich hatte und hat auch die Firma Hermann mit den Folgen von Corona zu kämpfen. Einerseits in der Form, dass in vielen Unternehmen auch die Entwicklung heruntergefahren war und Versuchsteile nicht nachgefragt wurden, was andererseits zu einem Rückgang der Umsatzzahlen geführt hat, der wie bei vielen anderen Firmen auch im Bereich von 50 Prozent lag. Jammern freilich ist die Sache des Geschäftsführers nicht. „Wir hatten zuvor gute Jahre, in denen wir ein Polster aufbauen konnten“, sagt er und verweist gleichzeitig auf den bedauerlichen Nebeneffekt, dass solche Rücklangen auch wieder entsprechend besteuert werden.

Markus Hermann will „lieber besser als größer werden“

Für den Umzug freilich sei diese etwas ruhigere Phase gar nicht schlecht gewesen, findet Hermann, der feststellt, dass es jetzt in den Entwicklungsabteilungen vieler Firmen wieder anläuft und die Geschäftsaktivitäten insgesamt wieder hochgefahren werden – und der damit die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung des Wirtschaftslebens verbindet. Und auch in der Firma Hermann sind ein paar Wochen Kurzarbeit beendet und wird die Produktion in der neuen Arbeitsstätte wieder hochgefahren. „Vielleicht bin ich aber auch zu optimistisch“, bremst sich Markus Hermann in seiner Euphorie selber ein bisschen und gibt in diesem Zusammenhang auch zu, dass er nicht unbedingt der Freund unendlichen Wachstums ist. „Ich will eher besser werden als größer“, sagt der Ingenieur, der viele in seiner Firma stehende Maschinen auch selber bedienen kann und der Wert darauf legt, „Unternehmer und nicht Manager“ sein zu wollen.

Das sei mit fast 20 Tonnen die schwerste Maschine überhaupt, sagt Markus Hermann, als die Laserstanzanlage mit einem Kran vom Transporter heruntergehievt wird. „16,5 Tonnen“, korrigiert ihn sein 77-jähriger Vater Alfred Hermann, der die auf Blechbearbeitung und Blechtechnik spezialisierte Firma, die jetzt in ihr nagelneues Domizil an der Ecke Heinkelstraße/Gottlob-Bauknecht-Straße umgezogen ist, vor fast 60 Jahren in der Carl-Zeiss-Straße in Weiler gegründet hat. Angefangen hat alles mit

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