Schorndorf

Blumen-Fink: Ein trauriges Ende nach 110 Jahren Firmengeschichte

Blumen Fink
An einem der letzten Tage in ihrem Blumenladen in der Arnold-Galerie: Judit und Ulrich Fink. © ALEXANDRA PALMIZI

Trauriger hätte die 110-jährige Firmengeschichte kaum zu Ende gehen können: Gerade mal zwei Tage hatten Judit und Ulrich Fink vor dem Lockdown Zeit, um ihre Frischware im Blumenladen zum halben Preis loszuwerden. Dann kam Mitte Dezember der coronabedingte Ladenschluss, und mit einem Mal waren alle schönen Pläne dahin: Als die beiden vor zwei Jahren von der großen Wohnung in eine altersgerechte, kleinere zogen, haben sie auch mit dem Vermieter des Ladens in der Arnold-Galerie auf 14. Januar 2021 einen Aufhebungsvertrag geschlossen. Die drei Kinder, die immer selbstverständlich mit anpackten, wenn’s, wie an Muttertag, stressig wurde, hatten sich beruflich längst anders orientiert.

Bis Ende 2020 sollte der Verkauf normal laufen, in den ersten zwei Januarwochen der Ausverkauf auch von Zubehör und Einrichtung, dann wollten sie in Ruhe ausräumen – „und jetzt sitzen wir da“, sagt der 70-Jährige und kann nur ergeben mit den Achseln zucken: „Es ist saumäßig blöd.“ Besonders schmerzt ihn und seine Frau dabei, dass ihnen dieses abrupte Ende die Gelegenheit genommen hat, sich richtig von ihren Stammkunden und auch von ihren beiden Mitarbeiterinnen verabschieden zu können: „Die haben uns bis zur letzten Minute die Treue gehalten.“

Von der Vorstadtstraße über den Bahnhof in die Arnold-Galerie

Von seinem Großvater Ernst Hüftle in Vorderweißbuch gegründet, gehörte der Blumenladen seit 1914 zu Schorndorf. 1955/56 hat Hüftles Schwiegersohn Kurt Fink den Blumenladen mit Gärtnerei in der Vorstadtstraße, gegenüber der heutigen Bierakademie, übernommen – und 1976 an Sohn Ulrich und Ehefrau Judit übergeben. Als mit dem Bau der Arnold-Brücke die Vorstadtstraße für den Durchgangsverkehr an Bedeutung verlor, sind die beiden mit ihrem Blumenladen an den Bahnhof gezogen, in die spätere McDonald’s-Filiale. Und weil die Einnahmen aus einem Laden irgendwann nicht mehr zum Leben reichten, hat Judit Fink 1995 im Marktkauf ein zweites Blumengeschäft eröffnet. Bis 2007 war die ausgebildete Floristin dort mit einer Mitarbeiterin aktiv. In der Zwischenzeit war auch ihr Mann, der von klein auf im Betrieb der Eltern mithelfen musste, mit dem Laden in die Arnold-Galerie gezogen. Als er 2011 Schorndorf-Centro-Geschäftsführer wurde, wechselte seine Frau in die Arnold-Galerie.

Bestseller bei Blumen-Fink waren immer die vorgebundenen Sträuße. Doch als es auch in den Discountern Blumensträuße zu kaufen gab und sonntags sogar an Tankstellen, hat sich der Blumenhandel grundlegend verändert. Dazu kam das große Angebot an Pflanzen in den Baumärkten und bei Ikea. Gleichzeitig wurde die Arbeit im örtlichen Blumenhandel beratungs- und lohnintensiver.

„Große Sorgen“ um Innenstadt und Einzelhandel

Ein wichtiges Standbein waren immer Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen und all die Veranstaltungen, die in diesem Corona-Jahr ausgefallen sind. Zum Glück kam die Überbrückungshilfe im Frühjahr schnell. Auf die zweite Zahlung warten Finks allerdings noch immer. Die Unterstützung, die auch die Stadt den Einzelhändlern bietet, findet Fink wichtig – „aber es geht auf Kosten unserer Enkelkinder“. Dabei macht er sich – auch als Geschäftsführer des City-Marketing-Vereins – um die Innenstadt und den Schorndorfer Einzelhandel „große Sorgen“: Er rechnet mit einer Fortsetzung des Lockdowns bis mindestens Februar 2021. Dabei kämpfen kleine Einzelhändler sowieso schon – „mit hohen Mieten“. Mancher Filialist, befürchtet Fink, wird den Standort Schorndorf womöglich überdenken. Und was ihm „großen Kummer“ macht: Viele Kunden haben mittlerweile gelernt, den Online-Handel zu schätzen, der in Pandemie-Zeiten munter weitermachen kann. Fink hofft, dass der neue Eigenbetrieb „Tourismus und Citymanagement Schorndorf“ den Einzelhandel stützen kann. Sohn Andreas, bei Schorndorf-Centro für den Aufbau der Märkte verantwortlich, hat bereits zum Eigenbetrieb gewechselt, Mitarbeiterin Ariane Eisenbraun wird bis Mitte Januar folgen. Bis 30. Juni 2021, wenn sein Vertrag bei Schorndorf-Centro ausläuft, wird Ulrich Fink den City-Marketing-Verein noch abwickeln. Er hofft, dass die rund 140 Mitglieder in der für Frühjahr geplanten Versammlung einer Verschmelzung mit dem Bund der Selbstständigen (BdS) zustimmen werden. Doch er ist optimistisch: „Wir sind in sehr guten Gesprächen.“

Pläne für den Ruhestand haben er und seine Frau nicht gemacht – wozu auch in diesen unsicheren Corona-Zeiten? Sie lassen’s auf sich zukommen und wollen’s ruhiger angehen lassen, Zeit mit den Kindern und den drei Enkelkindern verbringen. Da sie früher schon nicht gereist sind, werden sie das auch jetzt nicht mehr anfangen. Und irgendwann, das ist zumindest Judit Finks Plan, wird sie sich vielleicht einen kleinen Job suchen, um unter Menschen zu sein.

Trauriger hätte die 110-jährige Firmengeschichte kaum zu Ende gehen können: Gerade mal zwei Tage hatten Judit und Ulrich Fink vor dem Lockdown Zeit, um ihre Frischware im Blumenladen zum halben Preis loszuwerden. Dann kam Mitte Dezember der coronabedingte Ladenschluss, und mit einem Mal waren alle schönen Pläne dahin: Als die beiden vor zwei Jahren von der großen Wohnung in eine altersgerechte, kleinere zogen, haben sie auch mit dem Vermieter des Ladens in der Arnold-Galerie auf 14. Januar

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