Schorndorf

Blumenhändler in der Krise: Sind Blumen ein entbehrliches Luxusgut?

BlumenTrockenheit
Die Blumen von David Klingers Marktstand müssen gut gegossen und gepflegt werden, um nicht in der Hitze zu vertrocknen. © Gaby Schneider

Worauf verzichtet man zuerst, wenn das Geld knapp wird? Darüber denken gerade viele Bürger nach, spätestens, seitdem von der neuen Gasumlage die Rede ist. Selbst Blumenliebhaber könnten zu dem Entschluss gekommen sein, dass man an Orchideen und Rosensträußen sparen sollte, bevor man auf eine geheizte Wohnung verzichtet.

Doch welchen Effekt hat die Krise auf diejenigen, die ihre Heizkosten mit dem Verkauf von Blumen finanzieren? Schorndorfer Blumenhändler berichten, wie sich dieser Krisensommer auf ihr Geschäft auswirkt.

Sind Blumen ein entbehrliches Luxusgut?

Mit 40 Jahren Berufserfahrung hat David Klinger schon so manchen Sommer als Florist miterlebt. Er verkauft auf dem Schorndorfer Wochenmarkt Blumen, die er primär von regionalen Züchtern im Blumengroßmarkt Stuttgart bezieht. Während der Übergangszeiten Frühling und Herbst läuft es für Geschäfte wie seins prinzipiell immer besser. Im Sommer habe es schon immer weniger Kunden gegeben, da viele in den Urlaub verreisen oder wegen der Hitze nicht auf den Markt kommen möchten.

„Die Hitze war schon immer ein Problem, aber nicht so ein extremes“, sagt er. Er bezieht seine Pflanzen nicht ausschließlich aus der Region, sondern auch aus Ländern wie Italien, wo die Trockenheit noch größere Probleme verursacht. Im Frühjahr verkauft er zum Beispiel Kräuter aus der Toskana: „Die gehen dort grade kaputt.“

Die Konsequenzen der steigenden Kosten, die die Bürger zum Sparen zwingen, betreffen sein Geschäft direkt. „Blumen sind ein Luxusgut“, sagt er. „Und bevor man sich eine Blume kauft, kauft man sich was zu essen, ist doch klar.“

Er geht dabei auch auf die jüngere Bevölkerung ein, die in der Ausbildung oder im Studium noch nicht so viel Geld verdient. „Die Jüngeren, die haben in solchen Zeiten überhaupt gar kein Geld für Blumen. Die fallen als Kundschaft komplett weg.“

Blumenhändler vermisst Krisenbewusstsein

Konstantin Karolidis verkauft zu dieser Jahreszeit vor allem Schnittblumen an seinem Stand, die robust sind und länger halten. Er beobachtet, dass immer noch gleich viele Besucher auf den Wochenmarkt kommen, immer weniger jedoch auch etwas einkaufen. Der Konsum nimmt ab – nicht nur, weil durch die Hitze der Marktaufenthalt so kurz wie möglich gestaltet wird, sondern auch, weil vieles teurer wird.

„Es deutet sich eine Krise an“, sagt der Blumenhändler, der schon seit den späten 1980ern mit Blumen zu tun hat. „Ich habe schon Krisen miterlebt, wie die Finanzkrise von 2008, aber keine war, was die Darstellung und den Ablauf angeht, so wie diese. Die Preise sind angestiegen, die Preise für Gemüse explodieren. Jeder beschwert sich, jeder weiß davon, aber die Krise an sich, die wird schöngeredet und verdrängt, als wäre alles in Ordnung. Das finde ich komisch, es ist mir einfach ein Rätsel.“

Er glaubt, dass vor allem die finanzielle Krise, in der wir uns befinden, viel stärker thematisiert werden müsste – auch wenn er seine Bedenken hat, dass das nur Panik auslösen würde. Aber dagegen getan werden müsse etwas, denn die Konsequenzen dieser Krise betreffen nicht nur die Spitzen der großen Konzerne, sondern reichen ganz tief bis zu den Bürgern.

Angepasstes Sortiment: Christusdorn statt roter Blumen

Auch für Blumen Mächtlen werden Veränderungen spürbar. Michaela Albanesi bezeichnet ihren Laden als ein „zukunftsorientiertes Geschäft“. Und sie ist sich bewusst, dass nicht alles beim Alten bleiben kann. Die Dinge ändern sich, und mit ihnen müssen sich auch die Blumenläden ändern.

Ihr Laden, der Pflanzen sowohl aus eigener Kultur wie auch von regionalen Züchtern bezieht, hat beispielsweise ein neues, angepasstes Sortiment. Rote Blumen werden viel weniger gepflanzt, da diese bei hohen Temperaturen einem erhöhten Verbrennungsrisiko ausgesetzt sind. Doch dafür werden mehr neue Pflanzen angeboten, wie etwa der Christusdorn, der widerstandsfähiger gegen die Hitze ist als andere Blumen.

„Was den Pflanzen vor allem schadet, ist, dass es keinen Übergang mehr zwischen den Temperaturen gibt“, erklärt Albanesi. „Es gibt nur noch Wetterextreme, nur noch kalt und heiß. Die Pflanzen brauchen einen Übergang, um sich an die neuen Temperaturen zu gewöhnen. Den haben sie nicht mehr und das stresst sie.“ Darum sei es ganz wichtig, jetzt nachhaltig und umweltfreundlich zu handeln. „Jeder kann seinen Teil beitragen“, appelliert sie an die Bürger. „Jede weitere Pflanze trägt zu einer besseren Luft bei. Man kann nicht darauf hoffen, dass der Staat alles macht, denn der stößt auch irgendwann an seine Grenzen.“

Was die steigenden Kosten betrifft, hält sie es für wichtig, die Kunden aufzuklären, warum sie mehr zahlen müssen. Die Kunden wiederum sollten sich Gedanken machen, woran sie sparen wollen. Denn verzichtet man auf Blumen komplett, wird es irgendwann keine Blumen mehr geben. Kunden und Verkäufer sind also auf gegenseitige Rücksicht und Unterstützung angewiesen.

Trotz der neuen Herausforderungen blickt Michaela Albanesi zuversichtlich in die Zukunft. „Unsere grüne Branche wird es überstehen. Ich hoffe, dass jeder Betrieb, der Arbeit und Energie investiert, seine Ernte bekommt.“

Die Gärtnerei Greiner hat, wie die meisten Blumenläden, die Öffnungszeiten im Sommer verkürzt. Die Sommerhitze macht dem Geschäft schwer zu schaffen, denn sie wirkt sich unmittelbar auf die Blumen aus: „Viele Pflanzen stellen ihr Wachstum ein und gehen kaputt“, beschreibt David Krieger. Und seine Mutter Iris Greiner ergänzt: „Ohne unseren Kühlraum wären wir aufgeschmissen!“ In diesem August bekomme ihr Geschäft so viele Anfragen von Hochzeiten, wie es für diese Jahreszeit eigentlich ungewöhnlich sei. Dies sei ein Nebeneffekt der zurückliegenden, strikten Corona-Maßnahmen, ohne die nun alle heiraten wollen.

Worauf verzichtet man zuerst, wenn das Geld knapp wird? Darüber denken gerade viele Bürger nach, spätestens, seitdem von der neuen Gasumlage die Rede ist. Selbst Blumenliebhaber könnten zu dem Entschluss gekommen sein, dass man an Orchideen und Rosensträußen sparen sollte, bevor man auf eine geheizte Wohnung verzichtet.

Doch welchen Effekt hat die Krise auf diejenigen, die ihre Heizkosten mit dem Verkauf von Blumen finanzieren? Schorndorfer Blumenhändler berichten, wie sich dieser

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